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Die Zukunft des Einkaufs: 5 Trends, die Sie beachten müssen

Feature | 29. April 2016 von Andreas Schmitz 0

Der Einkauf wird sich stark verändern. Die Beantwortung dieser fünf Fragen wird darüber entscheiden, wie und ob Ihrer Einkaufsabteilung der Sprung auf das nächste Performanceniveau gelingt.

1. Wird der Einkauf absorbiert?

Wird der Einkauf als zentrale Organisationseinheit die Macht im Unternehmen behalten oder wird sich jeder Unternehmensbereich seine eigenen Einkäufer aufbauen, die das Thema dezentral angehen? Der SAP-Beschaffungsexperte Martin Arnold nennt das die „ewige Angst des Einkaufs“. Immerhin die Hälfte der Mitarbeiter im Einkauf gehen in der Befragung „Die Zukunft der Beschaffung“ von Oxford Economics davon aus, dass dieses Dezentralisierungsszenario sich bewahrheiten wird. Doch halten die Führungskräfte dagegen, denn 63 Prozent von ihnen sind überzeugt, dass die zentrale Struktur gepaart mit einer stärker strategischen Ausprägung erhalten bleiben wird. „Der zentrale Einkauf ist am effizientesten“, ist auch SAP-Experte Arnold überzeugt. „Zwar haben etwa einzelne Standorte oder Werke eine gewisse Macht, doch sind sie auf Konzernebene zu klein dafür, Skaleneffekte heben zu können“, erläutert Arnold, der zudem beobachtet, dass in einem solchen Szenario in der Regel Best Practices zu wenig ausgetauscht werden und Abläufe und Entwicklungen doppelt gemacht werden.

2. Wem gehört die Lieferantenbeziehung?

Keine Frage: Wenn die Forschungs- und Entwicklungsabteilung eines Automobilkonzerns eine enge Beziehung zu seinen Hauptlieferanten aufgebaut hat, wird kaum jemand diese Zusammenarbeit infrage stellen wollen – bis auf den Einkäufer. „Er ist derjenige, der sich künftig immer mehr als objektiver Beobachter frühzeitig in den Prozess einschalten wird und muss“, erläutert Arnold. Die Voraussetzung dafür ist, dass er strategischer wird. Will etwa die Entwicklungsabteilung die Karosserie eines Fahrzeugs aus Aluminium bauen, sollte der Einkauf die fachliche Kompetenz besitzen, zu beurteilen, ob in diesem Fall ein Alternativangebot beispielsweise eines Carbonherstellers sinnvoll sein könnte. „Die Ingenieure in den Fachabteilungen müssen raus aus ihrer Komfortzone und dürfen durchaus vom Einkauf gefordert werden“, meint Arnold, der dazu rät, den Einkauf möglichst früh in den Produktentstehungsprozess einzubinden, anstatt erst am Ende der Wertschöpfungskette. Denn dann sind in der Regel nur noch kosmetische Preiskorrekturen möglich, die immer auch das Risiko von Qualitätseinbußen mit sich bringen.

3. Welches Selbstverständnis hat der Einkauf?

Konsequenterweise ist in vielen Unternehmen das traditionelle Bild des Einkaufs jenes der kostenbewussten Abteilung, die ihr vorrangiges Ziel darin sieht, mit harter Verhandlungstaktik die besten Preise zu erzielen. „Stehen Preise vermeintlich fest, tritt der „Gorilla“ in den Ring und erzwingt noch mal ein paar Prozent“, bringt Arnold das Klischee über einen typischen Einkäufer auf den Punkt. „Viele Einkäufer beschweren sich über diese Außenwahrnehmung, sind aber auch ein Stück weit darin gefangen“, bemerkt der Experte, der eine wichtige Funktion des künftigen Einkäufers darin sieht, die Datenanalyse als strategisches Instrument einzusetzen und immer wieder auch bestehende Lieferantenbeziehungen und -konstellationen kritisch zu überdenken. Schon während der Produktentwicklung werden künftig immer häufiger auch Ingenieure aus dem Einkauf eingebunden. Je früher sich der Einkäufer in der Wertschöpfungskette eines Produktes etabliert, umso mehr wird er auch von Fachabteilungen respektiert. Hierzu benötigt der Einkäufer ein neues Selbstverständnis und auch einen neuen „Skill Set“, was über Abwicklung und sehr gute Verhandlungstechniken weit hinaus geht.

4. Was heißt Big Data für den Einkauf?

Heute treten nicht mehr Produkt- oder Serviceanbieter gegeneinander an, sondern Lieferketten: Dieser Meinung ist SAP-Experte Arnold. Umso wichtiger ist es, frühzeitig über Datennetze zu erfahren, sofern sich etwa Engpässe in der Lieferkette anbahnen. Das SAP Supplier InfoNet behält beispielsweise die gesamte Lieferkette eines Unternehmens im Überblick. Wichtige Informationen über seine Lieferanten wie etwa Gewinnwarnungen und Umsatzprognosen bekommt er über weitere Dienstleister für Wirtschaftsinformationen wie beispielsweise Dun & Bradstreet. Zudem hilft ihm Big Data, das Einkaufsverhalten zu analysieren und vor allem vorhersagen zu können. Stellt sich etwa heraus, dass etwa auf Baustellen bestimmte Teile unter bestimmten klimatischen oder geographischen Bedingungen häufiger nachbestellt werden müssen, ist der Einkauf schon darauf eingestellt und hat schon vorab sein Lager aufgestockt. „Über intelligente Analysen und immer präziser werdende Mustererkennung wird sich der Einkauf künftig hervortun können. „Jede Einkaufsabteilung im Unternehmen hat heute Big Data auf der Agenda, aber nur zehn Prozent nutzen es bereits“, so Arnolds Einschätzung.

5. Wie wirkt sich die Dichotomie des Einkaufs aus?

Der sinkenden Bedeutung des traditionell ausgerichteten Einkäufers durch die Automatisierung der Prozesse steht eine steigende Relevanz des Einkäufers in Hinsicht auf strategische Entscheidungen gegenüber. „Die üblichen Einkaufsprozesse über das Formulieren der Anforderung, der Bestellung bis hin zur Rechnung wird es künftig in der Form nicht mehr geben“, prognostiziert Arnold. Gehen Maschinenteile künftig kaputt, werden sie automatisch nachbestellt. „Dazu braucht es im Internet der Dinge keine Menschen mehr“, so Arnold. In Hinsicht auf die Einkaufsstrategie sieht das anders aus: Über Mustererkennung intelligenter einkaufen als vorher, spezielle Strategien für noch höhere Kollaboration mit den wichtigsten Lieferanten entwickeln sowie ständiges Technologie- und Softwarescouting für neue Einkaufsanwendungen sind nur einige der Wege, die den Einkauf im Unternehmen künftig strategisch stärken und auch dafür sorgen wird, „dass er als wichtige zentrale Funktion wahrgenommen wird“ (Martin Arnold).

Verfolgen Sie am 3. Mai 2016 das Webinar „Die Zukunft des Einkaufs – Trends und Entwicklungen (basierend auf einer aktuellen Studie von Oxford Economics). Hier geht es zur Anmeldung oder auch nachträglich zum Download der Aufzeichnung.

Auch auf der SAP Ariba Live in Madrid vom 13. Bis 15 Juni 2016 werden Sie interessante Neuigkeiten über die Zukunft des Einkaufs sowie Produkte von SAP erfahren. Hier geht es zur Agenda.

Foto: Shutterstock

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