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Digital lernen

20. August 2015 von Stephan Magura 0

Die digitale Technologie verändert das Bildungswesen so stark wie einst die Druckerpresse von Johannes Gutenberg vor rund 600 Jahren. Und diese Einschätzung ist keineswegs übertrieben. Denn der Einfluss dieser Technologien geht weit über Smart Boards in Klassenzimmern und Lernspiele in Computerräumen hinaus. Nach Ansicht vieler Experten hat digitale Technologie das Potenzial, weltweit den Zugang zu Bildung entscheidend zu verbessern – vor allem für benachteiligte Kinder.

Schlüsselfaktoren für das 21. Jahrhundert

In einer Rede im Rahmen der jährlich stattfinden Konferenzreihe „South by Southwest Family of Conferences“ in Texas bezeichnete der US-amerikanische Bildungsminister Arne Duncan Computertechnologie als die neue Plattform für das Lernen. „Tablets und Lernprogramme sind keine Option, die Schulen im Unterricht einsetzen können oder nicht“, sagt Duncan, „denn IT-Kenntnisse sind Voraussetzung für den Zugang zur Weltwirtschaft“.

Tatsächlich ist computergestützter Unterricht gut geeignet für eine Generation technikaffiner Kinder, die mit Videospielen und Textnachrichten aufwachsen. Laut der Studie „Giving a Kid a Cell Phone“ haben 53 Prozent der Kinder in den USA bereits mit sieben Jahren ein eigenes Handy.

Nutzung von Mobilgeräten bei Kindern

Mediennutzung bei Kindern unter acht Jahren

Duncan Clark, britischer IT-Investor und Gründer des E-Learning-Unternehmens Epic Group, sieht in der flächendeckenden Verbreitung von Smartphones auch einen pädagogischen Nutzen. Seiner Ansicht nach werden Smartphones „die wichtigste Rolle bei der Senkung der weltweiten Analphabetenquote spielen“. „Jedes Kind ist sehr motiviert zu lernen, wie man Nachrichten auf Handys verfasst, postet und verschickt. Studien zeigen, dass sie durch Smartphones zu leidenschaftlichen Lesern und Schreibern werden.“

Technologie im Bildungswesen auf dem Vormarsch

Die große Vertrautheit mit Smartphones ist aber nur ein Grund, warum Computertechnologie sich im Bildungswesen zunehmend durchsetzt. Laut US-Bildungsminister Duncan ist IT-Technologie auch das dringend benötigte Instrument, um die Leistungen und Bildungschancen von traditionell benachteiligten Kindern zu verbessern. So böten digitale Technologien ganz neue Möglichkeiten für Millionen von Kindern, die mit herkömmlichen Bildungsprogrammen nicht erreicht werden können.

Die US-Bildungsforscher Ted Hasselbring und Candyce Williams Glaser berichten, dass durch Computertechnologie spezielle Geräte entwickelt werden können, die helfen, „zahlreiche Einschränkungen auszugleichen, die einer Teilnahme am Schulunterricht entgegenstehen – von Sprach-, Hör- und Sehbehinderungen bis zu schweren körperlichen Behinderungen.“ Zu diesen Hilfsmitteln zählen Spracheingabeprogramme, die Umwandlung von Gesprochenem in eine Textdatei sowie Geräte, die sich mit Sprachkommandos steuern lassen.

Hasselbring und Williams Glaser kommen zu dem Schluss, dass „Computertechnologie ausgleichendes Potenzial hat, weil sie viele Schüler von ihren Beeinträchtigungen befreit.“

Digitales Versprechen: Bildung für alle

Der Einsatz von IT-Technologie, um Bildungschancen zu verbessern, ist ein globales Anliegen. Andrew Dunnett, Direktor der Vodafone Foundation, stellte vor Kurzem die digitale Schule im Koffer vor. 15.000 Kinder und Jugendliche im Kakuma-Flüchtlingslager in Kenja profitieren derzeit von diesem Modellprojekt der Stiftung. Das digitale Klassenzimmer besteht aus einem Koffer, bestückt mit einem Laptop und 25 Tablets mit Lernprogrammen für Kinder von sieben bis 20 Jahren.

Klassenzimmer im Koffer

„Klassenzimmer im Koffer“

Außerdem enthält der Koffer einen Beamer, einen Lautsprecher und ein 3G-Hotspot-Modem. Die Tablets lassen sich lokal mit dem Laptop verbinden, sodass die Lehrer ihren Schülern Lehrmaterialien und Anwendungen zur Verfügung stellen können. Alle Bestandteile des Koffers können gleichzeitig an einer Steckdose aufgeladen werden. Der Koffer ist dabei verschlossen. Nach dem Aufladen lassen sich alle Geräte einen ganzen Tag lang für den Unterricht nutzen, ohne dass ein Stromanschluss vorhanden sein muss.

„Es gibt weltweit über 50 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene“, schreibt Dunnett. „Die Hälfte dieser Flüchtlinge ist unter 18. Im Durchschnitt leben diese Menschen 17 Jahre fern von ihrer Heimat und haben wenig oder keinen Zugang zu Bildung.“

Das Beispiel der Vodafone Foundation zeigt besonders anschaulich, welche Veränderungen digitale Technologie bewirken kann. Sie hat das Potenzial, Kindern weltweit Zugang zu Bildung zu geben, denen dies aus sozioökonomischen, geografischen oder weltpolitischen Gründen oder aufgrund von Behinderung verwehrt ist.

Weiterführende Links (in englischer Sprache):

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf SAP Business Trends veröffentlicht.

 

Titelbild: Shutterstock

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