Digitale Lieferkette für die „perfect order“

Im Amazon-Zeitalter wird es immer wichtiger, dass eine Lieferung rechtzeitig den Kunden erreicht. Schon zu handeln, wenn Veränderungen wahrscheinlich sind, ist heute nicht nur eine wichtige Herausforderung, sondern auch ein Muss.

Ein verärgerter Kunde bleibt selten allein: „Die sozialen Kanäle im Internet sind ein enormer Multiplikator“, befindet Ulrich Benz, Experte für modernes Transport- und Lagermanagement bei SAP. Ein einziges knappes, aber heftiges Urteil über die massive Verspätung einer Lieferung – und schon wissen es hunderte, wenn nicht tausende potenzielle Kunden, über eine persönliche Bewertung oder einen schnellen Tweet. „Die perfekte Bestellung wird immer wichtiger“, sagt Benz. Die Herausforderung besteht darin, sofort reagieren oder sogar proaktiv agieren zu können, sollte die logistische Kette zwischen Werk und Warenempfänger reißen.

Proaktivität als Teil der Unternehmenskultur

Das ist nicht trivial und es gibt unzählige Beispiele, die zeigen, was zwischendurch passieren kann:

  • Die vielen Bauteile eines Laptops beispielsweise stammen von über 400 Zulieferern. Kann einer der Geschäftspartner zwischenzeitlich aufgrund der Marktsituation oder wegen zähem Verkehr auf der Straße nicht rechtzeitig liefern, muss sofort eine Alternative gefunden werden, also lange bevor die Fertigstellung der geplanten Endprodukte akut gefährdet ist.
  • Lässt ein LKW-Fahrer versehentlich die Tür zum Laderaum zu lange offen, besteht die Gefahr, dass die Kühlkette unterbrochen wird. Transportiert er etwa Pharmazeutika oder Lebensmittel und erwärmen sie zu stark, dürfen sie nicht mehr verkauft werden.
  • Steht in wenigen Tagen eine große Open-Air-Veranstaltung an und es ist gleichzeitig schon sehr wahrscheinlich, dass es regnen wird, macht es Sinn, umgehend mehr Regenjacken und -schirme zu produzieren, um der Nachfrage gewachsen zu sein. „Über Predictive Analytics können wir Lieferengpässe vermeiden“, so Benz, „wir müssen weg vom reaktiven hin zum proaktiven Denken.“

Integration: Schnittstellen zwischen den Systemen vermeiden

Diese Vision stellt hohe Anforderungen an die Software. Die Planung, die individuelle Bestellung der Kunden, die Automatisierungen von Lägern, die Übergaben von Produkten an Reedereien und Speditionen decken Software-Tools in der Regel modular ab. Dazu gehört, den Transport zu planen und zu organisieren (etwa über eine spezialisierte Transportsoftware wie SAP Transportation Management), Lager zu verwalten und den Materialfluss zu steuern (über SAP Extended Warehouse Management), Objekte nachzuverfolgen (über SAP Global Track and Trace) und einen Überblick über den Zustand der Lieferkette zu bekommen (über den Supply Chain Control Tower). Allerdings ist der Übergang von der Planung zur Ausführung der Logistik bisher nur über Schnittstellen möglich. Um einen Lieferauftrag in SAP TM oder SAP EWM zu integrieren, war es bisher nötig, einen Referenzbeleg zu erstellen. Dafür nutzen Mitarbeiter mehrere Benutzeroberflächen – bei SAP ist das etwa SAP GUI für die Bearbeitung des Auftrags im SAP ERP oder SAP EWM und der Netweaver Business Client für SAP TM. Stammdaten mussten zudem von einem System ins andere kopiert werden.

SAP S/4HANA Supply Chain integriert SAP TM und SAP EWM

Diese Umwege sind künftig nicht mehr nötig. „Das ERP, Transport- und Lagermanagement haben wir integriert“, erläutert Benz, „SAP TM und SAP EWM sind nun Teil des digitalen Kerns SAP S/4HANA“. Eine Konsequenz: Die Bedienoberfläche SAP Fiori ersetzt die beiden bisherigen Oberflächen. Ein Replizieren der Stammdaten ist genauso wenig nötig wie die Erstellung von Referenzbelegen. Zusätzlich erweitert der Zugang zum Logistics Network als Kollaborationsplattform die Funktionalitäten im digitalen Kern. Das Business-Netzwerk ermöglicht Kunden beispielsweise Ausschreibungen über die Plattform.

Einen weiteren Vorteil sieht Benz darin, die Funktionalitäten des Innovationssystems SAP Leonardo ebenfalls integriert nutzen zu können. So sind Roboter etwa inzwischen autonom in der Lage, dem Abfertiger Paletten zu übergeben, was ein Drittel der vorher benötigten Zeit einspart. „Über maschinelles Lernen ist er zudem fähig, frühzeitig zu erkennen, wo er voraussichtlich als nächstes im Einsatz sein wird“, erläutert Benz. Die Übergabe von Frachtbriefen (engl. Bill of Lading) etwa in Häfen ist technisch gesehen bereits über Blockchain möglich. „Smart Contracts“ bilden die Übergabe der Lieferungen ab. Zudem wird Sensorik immer günstiger. „In Echtzeit lässt sich beispielsweise erkennen, wenn der Motorblock eines LKWs droht zu überhitzen“, erläutert Benz den Einsatz des Internet of Things als einem weiteren technischen Bestandteil des Innovationssystems SAP Leonardo.

Bisherige Funktionalitäten unter SAP S/4HANA Supply Chain ohne Zusatzkosten nutzbar

Strategisch sind SAP TM und SAP EWM nun im Produkt SAP S/4HANA Supply Chain vereint, das künftig auch in der Entwicklung Vorrang hat. Funktionale Innovationen für SAP TM oder SAP EWM fließen also erst mit etwas zeitlichem Verzug in die separat genutzten Module ein. „Unternehmen, die das neue Produkt in der Basisversion nutzen, haben alle bekannten Funktionen aus dem SAP Warehousemanagement (LE-WM) und der bisherigen Transportmanagement-Lösung (LE-TRA) zur Verfügung“, erläutert Benz, „sie können also vorsorglich rechtzeitig vor Auslaufen der Wartung im Jahr 2025 kostenfrei umsteigen.“ Über das Basisprodukt hinaus gehen etwa die Lagerorganisation (mit SAP EWM) oder die kombinierte Planung von ein- und ausgehende Transporte (mit SAP TM). Wie Unternehmen die Tools einsetzen, ist ihnen selbst überlassen: Sie können also sowohl SAP EWM oder SAP TM einzeln nutzen, in Verbindung mit SAP ECC wie mit SAP S/4HANA, oder integriert in SAP S/4HANA Supply Chain. Klar ist allerdings: Wer die integrierte Variante einsetzt, wird die größten Chancen haben, die Anzahl seiner verärgerten Kunden gering zu halten – und der perfekten Bestellung um einiges näher zu kommen.

Weitere Informationen:

Erfahren Sie im Webcast „Future of Supply Chain Execution„, welche Vorteile Kunden dadurch haben, dass SAP Transport Management und SAP Extended Warehouse Management nun zum digitalen Kern (SAP S/4HANA) gehören.