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Vorreiter beim digitalen Lernen

4. Oktober 2016 von Andrea Diederichs, Karin Fischenbeck 1

Wer den Sprung in die digitale Ära schaffen will, kann auf qualifizierte Mitarbeiter nicht verzichten. Bernd Welz erklärt, wie SAP Unternehmen dabei unterstützt, Mitarbeiterkompetenzen auszubauen.

Henning Kagermann, Präsident von acatech (Deutsche Akademie der Technikwissenschaften) und ehemaliger Vorstandssprecher der SAP, sieht einen dringenden Handlungsbedarf für die Weiterqualifizierung von Arbeitskräften: „Führende Unternehmen haben einen hohen Bedarf, ihre Mitarbeiter weiterzubilden – dafür haben wir fünf Jahre Zeit, nicht mehr“, lautet die Einschätzung von Henning Kagermann im Interview. Bernd Welz, EVP und Head of Scale, Enablement & Transformation erklärt, wie SAP Unternehmen dabei unterstützt, ihre Arbeitskräfte auf das digitale Zeitalter vorzubereiten.

Was versteht man unter der „Qualifikationslücke“ und was bedeutet sie für den digitalen Wandel?

Bernd Welz: Digitale Technologien sind in fast allen Brachen die treibende Kraft für Innovationen. Ganze Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle werden in diesem Moment neu definiert. Aber welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf die Arbeitskräfte? Jüngste Forschungsergebnisse zeigen, dass erfolgreiche Unternehmen des digitalen Zeitalters stark in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter investieren.

Vor drei Jahren wurde openSAP ins Leben gerufen und kurz darauf SAP Learning Hub. Wieso?

Hauptsächlich, um mit großer Schnelligkeit einen breiten Nutzerkreis zu erreichen. Denn aufgrund der Innovationsstrategie der SAP hat sich die Taktfrequenz, mit der neue Produkte auf den Markt kommen, drastisch erhöht.

Traditionelle Lernmethoden wie Workshops oder Präsenzschulungen alleine reichen nicht aus, um Wissen zu SAP-Produkten schnell genug und weit genug zu verbreiten, damit wir unsere Ziele im Hinblick auf den Einsatz unserer Produkte durch die Kunden erreichen.

Der zweite Grund, der zur Einführung neuer digitaler Lernkanäle geführt hat, waren die Änderungen im Lernverhalten. Sehr viele Anwender erwarten selbstverständlich, dass sie lernen können, wann und wo sie wollen. Darüber hinaus gewöhnen sich Verbraucher in ihrem Privatleben immer mehr an Onlinekurse und YouTube-Lernvideos.

Das E-Learning gibt es schon seit Jahrzehnten. Was ist neu bei openSAP und SAP Learning Hub?

Für die meisten von uns ist Lernen heute eine soziale Aktivität. openSAP und SAP Learning Hub bieten Diskussionsforen und virtuelle Lernräume an, in denen die Lernenden Fragen oder Meinungen untereinander oder mit SAP-Experten austauschen können.

Das Studienmaterial wird möglichst in kleine Häppchen aufgeteilt, die leicht und in wenigen Minuten konsumiert werden können. Außerdem bieten wir Selbsttests an, mit denen die Lernenden ihr Wissen direkt überprüfen können. Für viele ist es auch eine große Motivation, während der Schulung Punkte zu sammeln und in einer Rangliste aufgeführt zu werden – wie wir es auch von Online-Spielen kennen.

Für einige Kurse haben wir auch die Benotung durch Mitspieler erfolgreich eingeführt. Um nur ein Beispiel zu nennen: Im neuen openSAP-Kurs Build Your Own SAP Fiori App in the Cloud reichten die Teilnehmer mehr als 5.500 HCP Apps ein, die dann durch andere Teilnehmer beurteilt wurden.

Ein weiteres wichtiges Element ist die Möglichkeit, das Wissen anzuwenden und direkt in einem Schulungssystem zu arbeiten. Dies ermöglichen wir mit SAP Live Access, wobei die Nutzung je Zeitverbrauch im Stundentakt abgerechnet wird.

Die Online-Zertifizierung macht das digitale Lernerlebnis komplett – das heißt, dass die Nutzer auch einen Abschlusstest online absolvieren können. (Klicken Sie auf das Bild, um es vergrößert zu sehen.)

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Qualifikationslücke: Fehlende digitale Kenntnisse gehören zu den wesentlichen Hindernissen für die digitale Transformation.

Gamification, interaktive Elemente, Schulungssysteme und Zertifizierung in der Cloud: Was kommt als Nächstes?

Das Lernen von und mit anderen wird immer beliebter. Daher wird es bald möglich sein, dass Lernende eigene Videos in die Lernräume und den SAP Learning Hub hochladen können.

Der nächste Schritt wird es sein, das Lernen zu personalisieren. Das bedeutet, dass ein Kurs nicht für alle Lernenden gleich ist, sondern der Inhalt auf das individuelle Vorwissen des Teilnehmers und den persönlichen Lernfortschritt zugeschnitten ist. Dazu präsentieren wir den Kursinhalt in kleinen Einheiten, sogenannten „Learning Cards“, die dann dem individuellen Lernplan zugefügt oder eben auch weggelassen werden können. Letztendlich soll dies dazu führen, dass der Lerner individuelle und automatische Empfehlungen für relevante Lernbestandteile erhält. Die ersten Pilotversuche dazu werden wir demnächst starten.

Der digitale Wandel des Lernens hat bei SAP schon vor drei Jahren begonnen. Was haben wir seither erreicht?

Inzwischen ist SAP mit openSAP / openSAP Thought Leaders und SAP Learning Hub ein anerkannter Vordenker und führend im Bereich des digitalen Lernens. Dadurch bietet SAP einen außerordentlichen Mehrwert für Kunden, Partner und SAP-Mitarbeiter – ebenso wie für Professoren und Lehrbeauftragte, Lehrer, Studenten und Schüler.

Mit annähernd einer Million Teilnehmern ist das Publikum jetzt sieben Mal größer als noch vor drei Jahren. Die Lernenden kommen auch häufiger wieder auf SAP zurück und konsumieren vier Mal mehr Lerninhalte. Gleichzeitig ist daraus eine neue digitale Umsatzquelle in der Cloud entstanden, die dreistellige Wachstumsraten aufweist.

SAP wird vom Markt sogar als Vordenker beim digitalen Lernen angesehen und hat dafür schon etliche Preise und Anerkennungen erhalten. Erst vor einigen Wochen wurde der openSAP-Kurs „Auch du kannst das. Deutsch für Asylbewerber. Ehrenamtlich“ Preisträger des Innovationswettbewerbs „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“.

Auch die Bedeutung und Effektivität des digitalen Lernens wird gemessen. Kunden berichten beispielsweise über einen 20-prozentigen Anstieg der Produktivität ihrer Mitarbeiter, andere über 20 bis 30 Prozent Zeitersparnis bei der Einarbeitung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Online-Lerninhalte überschwemmen zurzeit den Markt – wie behalten Firmen hier den Überblick?

Jedes Unternehmen braucht eine objektive Einschätzung, wo es bezüglich der Kenntnisse und Qualifikationen der Mitarbeiter steht. SAP Education und SAP Digital Business Services (DBS) verfügen über die nötige Erfahrung und Services, um Unternehmen dahingehend zu unterstützen.

Wir haben unser Lernangebot anhand von sogenannten „Learning Journeys“ strukturiert, die einen Weg aufzeigen, um Kompetenzen entlang des SAP Digital Framework aufzubauen. Gleichzeitig haben wir typische Weiterbildungspfade definiert, die von heutigen Rollen ausgehen – wie beispielsweise ABAP-Entwickler – und aufzeigen, wie die Nutzer zum Beispiel Kompetenzen rund um die SAP HANA Cloud Platform (HCP) erwerben können.

Zusätzlich entwickeln wir Lehrpläne für ganz neue Rollen, wie beispielsweise „Data Scientist“. Weitere Curricula für Fachexperten-Rollen für die digitale Transformation werden folgen, wie etwa der „Big Data Architect“. Mit diesen Lehrplänen möchten wir unseren Kunden klare Anleitungen geben, wie sie ihre Mitarbeiter weiterbilden und zentrale Kompetenzen aufbauen können.

Wird das Lernen letztendlich komplett digital sein?

Nein, sicherlich nicht. Die Zukunft des Lernens wird eine Kombination von digitalem Lernen und hochwertigen Präsenzschulungen sein. Lernpräferenzen und auch der Bedarf der Unternehmen variieren beträchtlich. Daher müssen wir beide Methoden anbieten. In der Zukunft werden wir allerdings mehr und mehr Lernangebote sehen, die beide Methoden als echte Kombination enthalten. Ein konkretes Beispiel: Die theoretische Schulung bieten wir in einem digitalen Format an, anschließend kann der Lernende ein Praxisseminar belegen, das physisch von einem Referenten geleitet wird.

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