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Dodenhof: Digitale Transformation als Verstärker

Feature | 24. Juni 2015 von Andreas Schmitz 0

Das erfolgreiche Familienunternehmen Dodenhof setzt ganz auf die digitale Transformation und sieht in dem Trend großes Zukunftspotenzial.

Der IT-Chef beim niedersächsischen Einzelhändler Dodenhof setzt auf das „Digitale“ als Verstärker für das stationäre Geschäft. Das Familienunternehmen  betreibt in Norddeutschland zwei Einkaufszentren, besitzt einen Lebensmittelhandel, ein Mode-, Sport-, Technik- und Einrichtungshaus, vermietet Flächen etwa an H&M, S.Oliver, OBI und Aldi und beschäftigt über 2.500 Mitarbeiter. Die digitale Transformation soll vorrangig mehr Kunden in die zwei Einkaufszentren lotsen und dann vor Ort deutlich besseren Service ermöglichen. IT-Chef Andreas Iken* über die Veränderungen.

Das Geschäft findet in den Läden statt, nicht im Netz. Wird sich das im Rahmen der digitalen Transformation ändern?

Nicht wesentlich, und das soll es auch gar nicht. Wir sind ein klassisches Handelsgeschäft. Das ist unsere Identität. Viele unserer Mitarbeiter kennen ihre Kunden seit Jahren und haben persönliche Bindungen zu unseren Stammkunden. Bei uns kaufen die Bewohner der Region, im Wesentlichen jedoch die Erwachsenen ein. Mit der digitalen Transformation bezwecken wir eine Steigerung der Aufenthaltsqualität. Unsere digitale Welt soll emotionalisieren und Lust darauf machen, vor Ort einzukaufen. Das Digitale wird für uns ein Verstärker des stationären Geschäfts.

Was hat sich bei Ihnen schon verändert und was ist noch zu erwarten?

Eines vorweg: Wir sind ein Familienunternehmen in der vierten Generation und entscheiden und handeln nachhaltig. Wir führen gerade SAP ein. Davor hatten wir diverse individuelle Systeme und eine veraltete Anwendungslandschaft im Einsatz. Das ist übrigens nicht außergewöhnlich für Einzelhändler. Seit Pfingsten läuft in unserem Mode- und Sporthaus die Branchenlösung SAP for Retail. Ebenso haben wir die Finanzbuchhaltung auf SAP umgestellt. Kurzfristig werden wir unseren Möbel- und Technikhandel ebenfalls auf SAP migrieren. Ohne dieses Fundament wäre eine Digitalisierung unmöglich gewesen. Wir werden künftig über alle Kanäle mit dem Kunden kommunizieren. So soll es beispielsweise möglich sein, per „Click and Reserve“ Termine mit Verkäufern online zu vereinbaren oder sich virtuell seine Wohnung einzurichten. Das heißt, wir werden uns auf Maßnahmen konzentrieren, die im Geschäft wirken.

Sie legen Wert auf ein persönliches Verhältnis zum Kunden. Kennen Sie Ihre Kunden denn auch digital?

Tatsächlich werden 500.000 unserer Kundenkarten aktiv genutzt. Wir setzen die Karten beispielsweise für Rabattaktionen ein oder um treue Kunden zu VIP-Abenden einzuladen. Wir können unsere Kunden allerdings aktuell nicht so persönlich ansprechen, wie wir das gerne wollen. Wenn jemand Pampers einkauft, könnten wir auch Hinweise auf Kinderkleidung geben. Vielleicht kauft jemand, der sich für ein E-Bike interessiert, auch gerne Longboards. Wir wissen das noch nicht so genau. So gesehen haben wir aktuell einen Rohdiamanten im Keller – Kundendaten aus über zehn Jahren, in denen wir die Kundenkarten bereits nutzen. Gerade durch unser ERP-Projekt mit SAP ist Dodenhof klar geworden wie wichtig Stammdaten sind. In der digitalen Welt sind sie das „A und O“. Unsere alten Systeme waren auf Effizienz getrimmt. Dafür waren die Stammdaten teilweise miserabel. Die ersten Schritte in ein neues Zeitalter haben wir allerdings bereits getan, unter anderem auch mit einem neuen Kassensystem, das nun über unsere Kundenkarten dazu in der Lage ist, unseren Kunden personalisierte Angebote zu machen.

Für die Mitarbeiter von Dodenhof ist das noch neu. Wie haben Sie die Änderungen vermittelt?

Es gab einen großen Nachholbedarf. Gerade unsere neuen Kunden nutzen Digitales nativ. Im privaten Bereich kommt man gar nicht mehr ohne Smartphone oder Tablet aus. Wir müssen das machen, um nicht Umsatz zu verlieren. Allerdings bedeutete die digitale Transformation radikale Änderungen, die auch in den praktischen Arbeitsalltag hineinspielen. Für Mitarbeiter, die ein ganzes Berufsleben in anderen Umgebungen gearbeitet hatten, war es eine schwere Umstellung, nun komplett neue Bedienoberflächen und andere Prozesse zu haben – insbesondere für jene, die noch mit grünen Zeichen auf schwarzen Grund gearbeitet haben.

*Andreas Iken (48) kam vor vier Jahren zu Dodenhof. Die IT hatte bis dahin noch keine strategische Relevanz. Als ehemaliger Berater im SAP-Umfeld, der jahrelang auch international viel mit SAP zu tun hatte, modernisierte der Ingenieur zunächst IT-Infrastruktur und tauschte das Kassensystem aus, ehe er nun die ersten Geschäftsbereiche mit SAP ausstattete. Iken verantwortet bei Dodenhof das Informationsmanagement mit zwanzig Mitarbeitern. Den Helpdesk, das Netzwerk und den Systembetrieb hat er an Partner ausgelagert.

Am 6. und 7. Juli 2015 findet in Mannheim das SAP-Forum für den Handel statt, auf dem Dodenhof ebenfalls auf der Agenda steht. Das Forum beginnt am 6. Juli mit Workshops zu Omni Channel Commerce, zur SAP HANA-Plattform für den Handel oder zu Fashionmanagement. Am Folgetag startet das Vortrags- und Ausstellungsprogramm, unter anderem mit Holger Rommel von der Gries Deco Company, der den Weg von Depot zum Omnichannel-Retailing erläutert und Torsten Töller von der Fressnapf Holding, der die neue IT-Systemlandschaft vorstellt. Zur Agenda geht es hier, zur Anmeldung hier.

Bildquelle: Shutterstock

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