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Die neue Dringlichkeit des Lernens

Feature | 17. Oktober 2017 von Andrea Diederichs 20

AI, Machine Learning – wo bleiben wir Menschen in der digitalen Arbeitswelt? SAP beteiligt sich an neuesten Studien zum Thema Lernen und zeigt Perspektiven auf.

Die Botschaft ist längst angekommen: Lebenslanges Lernen gehört heute zum Berufsleben dazu. Vorbei die Zeiten, in denen eine praktische oder akademische Erstausbildung reichte, um Menschen über ein rund 40-jähriges Arbeitsleben zu tragen. Doch angesichts von Entwicklungen wie maschinellem Lernen und künstlicher Intelligenz hat das Thema „Lernen“ plötzlich eine neue Dringlichkeit: Der Mensch fragt sich, wo er künftig bleibt und wo er seine Nische in der Arbeitswelt der Zukunft findet.

Um diese Fragen zu beantworten, müssen Unternehmen zunächst Klarheit darüber schaffen, welche Kompetenzen sie künftig benötigen und welche Strategien sie haben, um ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf den digitalen Zukunftstrip mitzunehmen. Diese wollen wiederum wissen, was sie tun und lernen müssen, um für sich eine langfristige Perspektive zu schaffen. Damit einher geht der Wunsch nach Sicherheit und Planbarkeit in einer Arbeitswelt, deren Entwicklung sich momentan schlecht einschätzen lässt.

Ernüchterndes Fazit: Digitale Kompetenzlücke noch nicht geschlossen

Es herrscht allerdings großer Handlungsbedarf, was den Aufbau digitaler Kompetenzen in Unternehmen betrifft. Dies belegt eine im Juni 2017 veröffentlichte Studie, die gemeinsam von SAP und der Technischen Universität München durchgeführt wurde. Zwar sind sich 90 Prozent der befragten Unternehmen einig, dass die digitale Transformation für ihre Geschäftsstrategie wichtig ist. Ganze 64 Prozent der Befragten erklären jedoch, dass ihr Unternehmen nicht über das Personal verfügt, das für die digitale Transformation notwendig ist. In einer Vorläuferstudie 2015 waren es noch 53 Prozent.

Das ernüchternde Fazit: Es vergeht zu viel Zeit, ohne dass das nötige Wissen aufgebaut wird.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die digitale Kompetenzlücke noch nicht geschlossen ist und dass fehlende digitale Fähigkeiten immer noch zu den wesentlichen Barrieren für die digitale Transformation gehören.

Die digitale Kompetenzlücke hat sich seit der ersten Studie 2015 noch vergrößert.

Was sind die Gründe für den langsamen Fortschritt?

Eine der Herausforderungen ist sicherlich, dass die Digitalisierung schwer zu greifen ist und sich mit einer hohen Dynamik entwickelt. Keiner weiß, was in fünf Jahren ist. Beispiel Blockchain: Noch vor fünf Jahren hat keiner über Blockchain gesprochen, geschweige denn eine Schulung dazu besucht. Wo sollen Unternehmen den Hebel ansetzen? Vielen fehlt es an systematischen Lösungsansätzen.

Ein weiterer Erklärungsversuch: Viele Unternehmen Firmen richten beim digitalen Wandel ihr Augenmerk eher auf die neuen Technologien und Geschäftsmodelle. Nicht immer steht es im Vordergrund, die Mitarbeiter mit den notwendigen Kompetenzen auszustatten, um diese Geschäftsmodelle auch zu realisieren.

Hinzu kommt: Die Zeit drängt, doch der Erwerb neuer, teilweiser komplexer Kompetenzen funktioniert nicht von heute auf morgen. „Wenn die Unternehmen nicht schneller handeln, verpassen sie wichtige Gelegenheiten, um die eigene Organisation und das Geschäftsmodell für die Zukunft abzusichern“, erklärt Bernd Welz, EVP und Chief Knowledge Officer, SAP.

Laut der Studie der TU München sind diese 14 Kompetenzen entscheidend für eine erfolgreiche digitale Transformation an. „Digitale Sicherheit“ wird von 88 % der Befragten als oberste Priorität gesehen.

Was hilft den Unternehmen? Studie stellt neues Reifegradmodell vor

Auch dies zeigt die Münchener Studie: Nur 16 Prozent der befragten Unternehmen haben eine konkrete Strategie, um die digitalen Kompetenzen ihrer Belegschaft aufzubauen oder neue Mitarbeiter mit entsprechenden Profilen einzustellen.

Um Unternehmen dabei zu unterstützen, führten SAP und das European Research Center for Information Systems (ERCIS)  eine gemeinsame Studie durch und stellten Mitte September als Ergebnis ein neues Reifegradmodell vor. Dieses hilft Unternehmen zu analysieren, wo sie aktuell stehen und wie sie eine Strategie für die Entwicklung digitaler Kompetenzen aufbauen können.

Für die Studie wurden 116 Business- und IT-Entscheider befragt. Ergänzend fanden umfassende Interviews mit Vertretern von 24 globalen Unternehmen statt.

„Das Reifegradmodell mit seinen identifizierten Best Practices bietet Denkanstöße, wie Unternehmen das Thema Kompetenzentwicklung und Wissenstransfer im Hinblick auf die digitale Transformation angehen können“, erklärt Stephan Sieck, Strategy & Transformation, SAP Knowledge im Bereich Products & Innovation. „Denn Weiterbildung funktioniert nicht von heute auf morgen, sie muss systematisch und kontinuierlich angelegt sein, um die Entwicklung neuer Kompetenzen für die Mitarbeiter zu ermöglichen.“

„Trennung von Lernen und Arbeiten ist künstlich“

Eine zentrale Empfehlung der Studie ist es, das Lernangebot weiter zu diversifizieren, schließlich hat jeder Mitarbeiter unterschiedliche Anforderungen und Präferenzen. So sollen Unternehmen Inhalte möglichst in unterschiedlichen Formaten zur Verfügung zu stellen, also einen Mix aus E-Learning-Kursen und Präsenzschulungen, aus mobilem und informellem Lernen.

„Die Trennung von Lernen und Arbeiten ist künstlich“, erklärt Thomas Jenewein, der als Business Development Manager für SAP Education die Lernprodukte der SAP bei Kunden vertreibt. „Das Lernen muss heutzutage bedarfsorientiert und kontextsensitiv sein. Damit meine ich, dass man Lerninhalte „häppchenweise“ konsumieren und in dem Moment nutzen kann, in dem man sie braucht.“

openSAP – Eine SAP-Kollegin berichtet über ihre Erfahrung

Das Kulturziel vieler Unternehmen, so Jenewein weiter, sei ein selbstorganisiertes Lernen der Mitarbeiter. Ein Angebot der SAP, das diesen Ansatz unterstützt, ist „openSAP“. Über diese Plattform stellt SAP „Massive Open Online Courses“ für Kunden zur Verfügung.

Jocelyn Dart, UX Architect in der SAP S/4HANA Regional Implementation Group für die Region Asien-Pazifik-Japan, belegt regelmäßig openSAP-Kurse als Ergänzung zu internen SAP-Kursen. Sie schätzt besonders die Flexibilität von openSAP: „Manchmal belege ich zwei oder drei Kurse gleichzeitig, dann mache ich wieder einen oder zwei Monate Pause. Wenn ich keine Zeit habe, um einen wirklich interessanten Kurs ganz zu durchzuarbeiten, schaue ich mir vielleicht nur die wichtigsten Kapitel an.“ Für Dart ist es auch günstig, die Kurse auf unterschiedlichen Geräten abrufen zu können, wie Laptop, Tablet, Smartphone oder die openSAP App auf dem iPad.

Ein weiterer Vorteil: Als Beraterin erhält sie aktuelle Informationen über die SAP-Strategie und -Produkte: „Ich achte besonders auf Informationen darüber, wie wir als SAP unsere Software, unsere Lösungen, Methoden und Ideen beim Kunden positionieren. Wenn ich weiß, dass ich unsere Strategie und Standardempfehlungen korrekt vermitteln kann, hilft mir das, bei meinen Präsentationen auf Veranstaltungen oder für SAP User Groups die richtigen Erwartungen zu wecken. Außerdem kann ich mit meinen Kunden differenziertere Gespräche darüber führen, wie sie ihre Ziele erreichen können.“

Die Digitalisierung treibt uns voran

Natürlich hat SAP gute Gründe, sich an Studien zu beteiligen und Kunden durch gezielte Lernangebote zu unterstützen. Wie Thomas Jenewein erklärt: „Die SAP hat nie in so kurzer Zeit so viele Innovationen auf den Markt gebracht. Wir wollen natürlich, dass Kunden diese Innovationen kaufen, aber wir müssen sie bei der Akzeptanz und Nutzung unserer Produkte durch Lernangebote unterstützen. Die größten Innovationen bringen nichts, wenn die Kunden sie nicht verstehen.“

Fakt ist, dass die Digitalisierung nicht aufhört. Sie ist eine umwälzende Entwicklung, die die Wirtschaft und die Gesellschaft weiter vorantreibt. Unternehmen wie die SAP und ihre Kunden werden sich weiter damit beschäftigen, wie sie neue Geschäftsmodelle finden, neue Produkte entwickeln oder weiter automatisieren können. Lernen, und zwar schnelles und gezieltes Lernen, gehört untrennbar dazu.

Weitere Informationen:

Registrieren Sie sich für eine neue Studie des European Research Center for Information Systems (ERCIS) zur Digitalisierung.

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