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Drohnen: Fluch oder Segen?

Blog | 22. Juli 2015 von Daniel Wellers 0

Drohnen sind heute noch nicht in unseren Alltag integriert. Die Zukunft sieht sie allerdings in unterschiedlichen Lebensbereichen vor, was radikale Veränderungen mit sich bringen wird. Zum Guten oder zum Schlechten?

Genau in diesem Moment, irgendwo auf der Welt, nimmt eine Drohne aus der Luft ein Bild auf: vom Geheimversteck eines Aufständischen – oder von einem Sonnenaufgang in den Tropen. Eine Drohne feuert eine Rakete über einem Kampfgebiet ab – oder sie liefert einen Kasten Bier aus. Jemand steuert sie zum Spaß durch einen Hindernisparcours – oder sie tastet sich in eine für Menschen zu unwirtliche oder gefährliche Umgebung vor. Das ist jedoch nur ein Bruchteil der zahlreichen Möglichkeiten, die Drohnen uns in Zukunft noch bieten werden.

Die ersten Drohnen waren ferngesteuerte Modellflugzeuge, die das Militär im Ersten Weltkrieg zur Überwachung von Schlachtfeldern verwendete. Heute versteht man unter einer Drohne meist ein unbemanntes Luftfahrzeug, das über eine Energiequelle, über Sensoren oder Kameras, über intelligente Software und vor allem über eine Kommunikationsverbindung verfügt. Doch Drohnen sind viel mehr als das. Drohnen bringen im Grunde das Internet – und andere Fortschrittstechnologien – überall dorthin, wo wir Menschen sie haben wollen. Mehr noch: Wie im Mooreschen Gesetz beschrieben, werden sie mit exponentieller Geschwindigkeit einfacher, sicherer, kleiner und leistungsfähiger. Wir rasen auf eine Zukunft zu, in der Drohnen problemlos verfügbar, unglaublich leistungsfähig und zunehmend autonom sind. Es wird Zeit, über das Für und Wider dieser Technik nachzudenken.

Schon jetzt im Höhenflug

Die heutigen Drohnen sind eine ideale Plattform, um die zahllosen Varianten von Sensoren (thermische, chemische, biologische sowie Druck-, Audio- und Bildsensoren) an Orten zu installieren, die für Menschen schwer zugänglich oder gefährlich sind. Dank einer effizienteren Energiespeicherung und fortschrittlichen Solartechnologien sind Batterien heute leichter, kleiner und haben eine längere Laufzeit, sodass Drohnen für längere Zeit in Betrieb sein können. Bereits jetzt können die Betreiber mithilfe von Software sogenannte Geofences einrichten, um den Flug der Drohne zu kontrollieren. Durch Fortschritte bei der Automatisierung und künstlichen Intelligenz wird ihr Funktionsspektrum künftig noch erweitert. In Zukunft werden Drohnen mit 3D-Druckern, Roboterarmen und verschiedensten Technologien ausgestattet sein, die es ihnen ermöglichen, die Welt um sie herum nicht nur wahrzunehmen, sondern entscheidend zu beeinflussen.

Es ist also kein Wunder, dass Drohnen in einer Vielzahl von Branchen eingesetzt werden. Mit ihren speziellen Fähigkeiten ergänzen sie den Menschen bei bestimmten Tätigkeiten oder sie übernehmen Aufgaben, die sich zuvor gar nicht durchführen ließen. Hier sind nur einige der Gebiete aufgeführt, auf denen Drohnen bereits jetzt erfolgreich eingesetzt werden.

  • Landwirtschaft: Überprüfung der Ernte sowie Überwachung der Bewässerungssysteme und Viehherden
  • Notfalleinsätze: Erkennung von Waldbränden, Durchführung von Such- und Rettungsaktionen sowie Lieferung von Lebensmitteln und Medikamenten in Kriegsgebiete oder abgelegene Dörfer
  • Versorgungssektor: Inspektion von Leitungen, Strommasten, Kraftwerken und Pipelines
  • Wissenschaftliche Forschung: Verfolgung von Tierwanderungen, Erkennung von Wettermustern oder Erkundung archäologischer Stätten
  • Immobilien: Inspektion von Baustellen und Erhöhung der Sicherheit
  • Nachrichten und Unterhaltung: Aufnahme von Fotos und Videos von bisher unzugänglichen Stellen

Bei einem südafrikanischen Musikfestival belieferte eine Drohne die Festivalbesucher sogar mit Bier. In den USA verbietet jedoch die Luftfahrtbehörde zurzeit den Einsatz von Drohnen für kommerzielle Zwecke. Das hat Amazons Pläne vereitelt, Päckchen künftig per Drohne auszuliefern. Und auch Eisfischer in Wisconsin mussten sich damit abfinden, dass ihr Biervorräte aus einer nahegelegenen Brauerei nun nicht mehr per Drohne geschickt werden. Trotz der Zurückhaltung einiger Behörden und öffentlicher Stellen macht die Drohnentechnologie so schnelle Fortschritte, dass eine breite kommerzielle Anwendung nun unmittelbar vor der Tür steht.

Deine eigene Drohne

Der erste GPS-Empfänger wog 50 Pfund und kostete mehr als 100.000 Dollar. Heute wiegt ein GPS-Chip 0,3 Gramm und kostet weniger als 5 Dollar. Das Apollo-Raumfahrtprogramm gab Millionen von Dollar für die Entwicklung einer inertialen Messeinheit aus, um die Position und Bewegung eines Objekts durch den dreidimensionalen Raum zu verfolgen. Das Gleiche kann man heute mit ein paar Chips im Wert von einem Dollar erreichen. Digitalkameras sind viele tausend mal kleiner, billiger und höher auflösend als bei ihrer Einführung im Jahr 1976.

Jetzt stellen Sie sich eine vergleichbare Entwicklung bei der Drohnentechnologie vor. In den nächsten fünf bis zehn Jahren könnten Drohnen tausendmal besser werden. Doch was heißt in diesem Fall „besser“?

  • Unglaubliche Fähigkeiten: Die Drohnen werden immer kleiner – einige Experten gehen von der Größe einer Stubenfliege, einer Mücke oder noch kleiner aus – ihr Einfluss auf die Umwelt wird jedoch wachsen. Die Weiterentwicklung der Nanotechnologie könnte dazu führen, dass winzige injizierbare Drohnen auch innerhalb des Körpers arbeiten, um Krankheiten zu diagnostizieren, Patienten medikamentös einzustellen oder mikrochirurgische Eingriffe durchzuführen. Künftig könnten Drohnen in allen Größen auf immer mehr Gebieten zum Einsatz kommen, etwa beim Bestäuben von Blumen oder beim Wolkenimpfen. Man könnte sogar den 3D-Druck und Drohnenlieferungen kombinieren, um marode Verkehrsinfrastrukturen zu reparieren. Oder Drohnen könnten herkömmliche Infrastrukturen ganz verdrängen. Diese These vertritt J. M. Ledgard, Direktor der futuristischen Robotik-Initiative Red Line an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in der Schweiz. Er geht davon aus, dass die wirtschaftliche Entwicklung Afrikas, wo nur 16 Prozent der Straßen gepflastert sind, durch den Einsatz von Frachtdrohnen erheblich profitieren könnte. Denn so wie Afrika mit dem Mobiltelefon das schwache Festnetz übersprungen hat, könnte mit dem Transport durch Drohnen die schlechte Verkehrsinfrastruktur ganz überwunden werden.
  • Erstaunliche Intelligenz: Software wird die Drohnen dabei unterstützen, autonome Entscheidungen darüber zu treffen, was sie suchen, über ihre Sensoren wahrnehmen und übertragen sollen. Sie könnten lernen, in Schwärmen zu arbeiten, in einer Formation zusammenzufliegen und Daten zu übermitteln, die ihnen helfen, Hindernissen auszuweichen und die effizienteste Route zu wählen. Stellen Sie sich beispielsweise ein Geschwader von solarbetriebenen Ultraleicht-Drohnen vor, die eine kostengünstige drahtlose Internet- und Mobilfunk-Abdeckung für Gebiete ermöglicht, die zuvor keinen guten Zugang zu einer Breitbandverbindung hatten. Facebook verfolgt diese Möglichkeiten bereits im Rahmen seiner Aquila-Initiative.
  • Breite Verfügbarkeit: Durch bessere Materialien und Batterien und einen optimierten Antrieb werden die Kosten für einzelne Drohnen so deutlich sinken, dass sie in der Lage sein werden, eine hohe Leistung für nur ein paar Dollar zu erbringen. Organisationen und auch Einzelpersonen werden sich ein Dutzend Drohnen leisten können – oder auch eine ganze Flotte.

Dies wird wiederum enorme wirtschaftliche Möglichkeiten eröffnen. Das globale Marktforschungsunternehmen MarketsandMarkets schätzt den Gesamtmarkt für kommerzielle Drohnen auf 15,22 Millionen Dollar im Jahr 2014. Bis zum Jahr 2020 soll er auf 1,27 Milliarden Dollar steigen. Das wäre noch eine Größenordnung schneller als im Mooreschen Gesetz beschrieben.

Wo ist die Drohne sinnvoll?

Selbstfahrende Autos nutzen Fortschrittstechnologien, um uns ohne unser eigenes Zutun an einen Ort unserer Wahl zu bringen. Ähnlich werden Drohnen diese Technologien nutzen, um uns an Orte zu bringen, wo wir selbst nicht physisch sein können. Eine Welt voller Drohnen könnte einen Wandel in zahlreichen Branchen herbeiführen. Gleichzeitig werden Drohnen auch enorme Auswirkungen auf die persönliche Sicherheit und Privatsphäre haben. So könnten überbesorgte Eltern eine Drohne mit hochauflösender Kamera und Gesichtserkennungssoftware verwenden, um Kinder auf dem Nachhauseweg von der Schule zu kontrollieren. Mit der gleichen Drohne könnte ein Bekleidungshersteller die Träger seiner Produkte überwachen – oder ein Einbrecher könnte ein lohnenswertes Objekt ausspionieren. Und was passiert mit unserer Gesellschaft, wenn überall Mikrodrohnen sind? Wir müssten davon ausgehen, dass alles, was wir tun und sagen, aufgezeichnet, überwacht und indiziert wird und jederzeit abrufbar ist.

Zukünftige Drohnen werden in der Lage sein, jede Art von Informationen von jedem Ort aus zu erfassen. Sie werden unsere Möglichkeiten, unsere Umgebung zu verstehen – und was noch wichtiger ist, zu beeinflussen –, in einer Art und Weise steigern, die wir uns bisher kaum vorstellen können. Und ganz nebenbei bringen sie uns noch eine Flasche von unserem Lieblingsbier vorbei.

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Dieser Artikel erscheint auch im Digitalist Magazine und auf SAP Business Trends.

Bildquelle: Shutterstock

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