Datenschutz plagt SAP-Anwender

Feature | 18. September 2013 von Iris Nagel-Martin 0

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Jim Hagemann Snabe (l.) und DSAG-Chef Marco Lenck (Foto: DSAG).

Die grauen Wolken haben sich verzogen, und wie der Himmel über Nürnberg, hell und klar, so ist auch die Stimmung auf dem 14. DSAG-Jahreskongress. Das ist zum einen auf die Teilnehmerzahl der Tagung vom 17. bis 19. September zurückzuführen, wurde doch tatsächlich die 4.000er-Marke geknackt. Zum anderen freuen sich DSAG und SAP-Kunden über einen entscheidenden Erfolg in der Lizenzpolitik: die Möglichkeit zur Teilstilllegung von Lizenzen.

So eröffnete Dr. Marco Lenck, Vorstandsvorsitzender der DSAG, in seiner Keynote frohgemut: „Wir sind in puncto Veranstaltungen in der Klasse der Senatoren angekommen.“ Das gewichtigere Thema jedoch betraf den Erfolg in Sachen Lizenzierung: beim Neukauf von SAP-Lösungen lassen sich im Gegenzug bereits vorhandene Nutzungsrechte und Pflegegebühren in Teilen stilllegen. Das spart Wartungskosten. Damit werde eine jahrelange Forderung endlich erfüllt, freut sich Lenck und weist auf das partnerschaftliche Verhältnis mit den Walldorfern hin. Das sei nicht immer so gewesen, aber in den letzten drei Jahren wurde auf beiden Seiten kontinuierlich Vertrauen aufgebaut und in die Beziehung investiert. Dem stimmt auch Jim Hageman Snabe, Vorstandssprecher der SAP zu.

Lizenzgebühren sparen, in Innovation investieren

Das neue Lizenzierungsmodell macht den Weg frei für innovative Investitionen. Denn es geht nicht allein darum, den Kunden Geld zu sparen, sondern den finanziellen Spielraum der freien Mittel zu nutzen. Diese können Unternehmen wiederum in innovative Lösungen investieren.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Snabes Vision der “trusted secure cloud” für Europa

Dieser Durchbruch wurde zwar bereits im August erreicht, doch wird auf dem DSAG-Kongress noch ein bisschen nachgefeiert. Dass die Lizenzierung ein Riesenthema ist, zeigt auch das Lob von Wolfgang Honold, der die österreichische Seite der DSAG vertritt, sowie seinem Schweizer Kollegen Christian Zumbach. Beide Alpenländer können zudem ein Mitgliederwachstum vorweisen. Allein in der Schweiz traten in den letzten fünf Jahren 75 Prozent neue Unternehmen hinzu.

Doch die DSAG kam auch mit neuen Forderungen: Die Datensicherheit ist ein wichtiges Thema, besonders im Cloud-Bereich – und angesichts der NSA-Affäre brisanter denn je. „Datensicherheit betrifft nicht nur die Privatsphäre. Es wird noch zu wenig diskutiert, inwieweit die Unternehmen und das Intellectual Property, die Patentrechte, betroffen sind“, gibt Lenck zu Bedenken. Snabe nahm diese Bedenken durchaus ernst. Dass deutsche Kunden den Datenverkehr in Deutschland nach deutschen Regeln gestaltet haben wollen, hat die SAP erkannt und darauf reagiert.

Snabes Vision: Einheitliche europäische Cloud-Sicherheitsregeln

Derzeit baut sie ihr Rechenzentrum in St. Leon aus. „Doch das Internet wurde Konsumenten gebaut, nicht für Geschäftsleute“, wirft der SAP-Chef ein und sagt voraus, dass sich das Thema Cloud, bedingt durch die NSA-Affäre, schneller entwickeln wird als bis dahin angenommen. Seine Vision ist eine sehr europäische: In einer „trusted secure cloud“ für Europa werden die Regeln für Unternehmen bereits in der Infrastruktur eingebaut sein, ein einheitliches europäisches Regelwerk diene der Sicherung der Cloud und erlaube auch kleinen Unternehmen einen Zugang zu Innovationen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Welche Trendthemen SAP-Anwender beschäftigen

Doch neben zukünftigen Ideen sind natürlich auch die drei neuen Technologien ein großes Thema in Nürnberg. In einer Blitzumfrage hat die DSAG bei 622 Kunden nachgehakt:

  • 66 Prozent der befragten Unternehmen nutzen inzwischen mobile Anwendungen (Schweiz: 80 Prozent, Österreich 67 Prozent).
  • 40 Prozent nutzen Cloud (Schweiz: 51 Prozent, Österreich: 45 Prozent).
  • 22 Prozent der Unternehmen arbeiten bereits mit In-Memory-Technologie ( Schweiz: 34 Prozent, Österreich: 18).
  • 14 Prozent haben bereits konkrete HANA-Projekte gestartet, 40 Prozent sehen HANA als relevante Technologie zur Verbesserung der Geschäftsprozesse.
  • Unternehmen, die SAP HANA bereits im Einsatz haben, gehören in der Regel zu den Branchen Consumer, High Tech oder Chemie und haben mehr als 5.000 Mitarbeiter.

Dieses positive Ergebnis bestätigt das der großen Investitionsumfrage im Frühjahr.

Bosch und Edeka nutzen SAP Business Suite on SAP HANA

Dass der Bedarf an mobilen Anwendungen weiter steigt, betont auch Hartmut Thomsen, Geschäftsführer der SAP Deutschland. 200 Applikationen gibt es bereits. Die Cloud umfasst 30 Millionen User und für die SAP Business Suite on SAP HANA hat er auch neue Zahlen im Ärmel: Fujitsu, Bosch Siemens Hausgeräte, Edeka, Trilux, König und Bauer sowie Techniker Krankenkasse lauten die Namen der Kunden, die erst jüngst Verträge unterzeichnet haben.

Weitere interessante Details zu den neuen Technologien nannte Jim Hageman Snabe, Vorstandsprecher der SAP AG. Etwa, dass sich mit der Cloud komplexe Probleme bei geringen Gesamtkosten lösen lassen. Oder, dass SAP HANA mit dem Bewältigen der enormen Datenmengen den Begriff „realtime“ neu geprägt hat. Nicht nur die Geschwindigkeit an sich sei ein Mehrwert – die eingesparte Zeit schafft auch Raum für neue Ideen. Im Kerngeschäft wachse die SAP zweimal so schnell wie ihre Wettbewerber, obwohl die Walldorfer nach wie vor Nummer Eins sind. Betrachtet man den Umsatz, rangiert die SAP im Cloud-Bereich auf Platz drei. Trotzdem kann sie durch das Pflegen der Private Cloud dreimal mehr Kunden nachweisen als die Nummer Eins.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Welche Neuigkeiten die DSAG in eigener Sache verkündete

In eigener Sache gab die DSAG folgende Veränderungen bekannt:

  • Sie schafft mehr Sichtbarkeit durch neue Formate wie die Sprechstunde mit dem Vorstand. Und das DSAG-Mitgliedermagazin blaupause erscheint nun auch online (Zugang zu den Artikeln nur für Mitglieder).
  • In den Vorstandsbereichen finden Veränderungen statt: Neben dem Ressort „Branchen und Geschäftsprozesse“, das sich vor allem Bestandslösungen sowie Innovationen widmet, gibt es noch das Ressort „Anwendungsportfolio“, welches einen produktbezogenen Fokus hat.
  • Das DSAG-Engagement in der Sugen wurde zurückgefahren, allerdings hat das keine Auswirkungen auf den Kontakt zu anderen Usergroups. Hier findet weiterhin weltweit ein strategischer Austausch statt.

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