„Ein System ist nur so gut wie seine Daten“

Feature | 14. Februar 2011 von Marina Titova, Christoph Zeidler 0

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Interview mit DSAG: Ohne Stammdatenmanagement laufen Systeme nicht rund (Foto: Fotolia)

Datenqualität wird häufig nur punktuell in IT-Projekten betrachtet, beispielsweise im Rahmen von Datenbereinigungen bei ERP-Migrationen. Ist das ERP-System erst einmal produktiv, lässt bei Unternehmen die Aufmerksamkeit für die Datenqualität nach.

Doch wer das Datenqualitätsmanagement vernachlässigt, arbeitet schnell mit fehlerhaften Informationen. Wie es richtig geht und wo die Vorteile liegen, wissen die Sprecher des zuständigen DSAG-Arbeitskreises Master Data Management, Data Quality und Data Governance Reiner Schaaf und Martin Nußbaumer. SAP.info im Gespräch.

SAP.info: Ihr Arbeitskreis beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit dem Thema Stammdatenmanagement mit  SAP Produkten. Kürzlich haben Sie Ihren Fokus um die Themen Datenqualität und Data Governance erweitert. Warum sind die Themen so wichtig?

Reiner Schaaf: Grundsätzlich sammelt und verwaltet jedes Unternehmen Daten und je besser es das tut, desto verlässlicher lassen sich geschäftliche Abläufe steuern. Für ein zentrales Berichtswesen oder konsistente Workflows sind qualitativ hochwertige Daten unerlässlich. Wer außerdem seine Geschäftsprozesse ideal aufeinander abstimmen will, der kommt nicht drum herum, Stammdatenmanagement mit entsprechenden Prozesse, Regeln und Verantwortlichkeiten zu betreiben.

Martin Nußbaumer: Die Verbesserung von Prozessen und Abläufen ist entscheidend und birgt einen großen Wettbewerbsvorteil in sich. Dadurch können Unternehmen schneller am Markt und auf den Markt reagieren – und durch die höhere Datenqualität in Form von Fehlerreduzierung in den Folgeprozessen profitieren.

SAP.info: Wie ist Ihr Arbeitskreis aufgestellt? Wie gehen Ihre Mitglieder das Thema an?

Reiner Schaaf: Die Struktur unseres Arbeitskreises ist sehr heterogen. Der Arbeitskreis ist eine Netzwerkplattform, die Best Practices und Lösungswege darbietet und sich weiterentwickelt.

Es gibt Unternehmen, die schon Produkte in diesem Umfeld einsetzen. Andere versuchen sich noch zu orientieren und schauen sich zuerst die Erfahrungen anderer an. Deswegen ist es wichtig, dass man nicht zu produktnah in dem Arbeitskreis diskutiert. Präsent ist das Thema Stammdatenqualität in größeren Mittelstandsunternehmen. Vergleichsweise schwierig ist es, das Interesse der kleineren Unternehmen zu wecken. Bei den ganz großen Unternehmen hängt die Implementierung von der verteilten IT-Landschaft und der Datenhaltung in verschiedensten Systemen ab, die dort anzutreffen sind.

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Martin Nussbaumer, IBSolution GmbH, berät Kunden bei Stammdatenprozessen (Foto: SAP AG)

Martin Nussbaumer, IBSolution GmbH, berät Kunden bei Stammdatenprozessen (Foto: SAP AG)

SAP.info: Was hindert viele Unternehmen daran, genauer auf ihre Daten- bzw. Informationslandschaft zu schauen und hier aktiv zu werden? Wo liegen mögliche Schwierigkeiten?

Martin Nußbaumer: Eine Schwierigkeit ist, dass sich häufig niemand für Datenqualität verantwortlich fühlt. Das Thema ist nicht institutionalisiert, also passiert nichts. Erst wenn irgendwo Fehler auftauchen, wird gehandelt. Aus unserer Sicht ist aber ein kontinuierliches Datenqualitätsmanagement notwendig. Das heißt, verantwortliche Stellen müssen über alle Bereichsgrenzen hinweg geschaffen werden. Data Governance geht alle an.

Reiner Schaaf: Schwierig ist auch, dass die Kosten aufgrund mangelnder Datenqualität extrem schwer zu messen sind. Zusätzliche Prozesskosten und mögliche Fehlentscheidungen, die auf falscher Datengrundlage getroffen werden, lassen sich nicht immer sofort in Euro und Cent ausdrücken. Dadurch wird es schwer, den entsprechenden Aufwand für solche Datenqualitätsorganisation bzw. einzelne Projekte errechnen und begründen zu können.

SAP.info: Haben Sie eine Empfehlung, wie Unternehmen das Thema Datenqualitätsmanagement am besten angehen können? Wie können sie profitieren?

Martin Nußbaumer: Der ganzheitliche Ansatz ist wichtig. Ich empfehle, klein anzufangen nach dem Motto „think big, start small“. Ein nachhaltiges und dauerhaftes Datenmanagement ist essentiell, aber man sollte einen Schritt nach dem andern tun. Ein konkretes Projekt, das einen schnellen Erfolg bringt und den Mehrwert klar ersichtlich macht, ist eine gute Grundlage für einen unternehmensweiten Rollout.

Reiner Schaaf: Ich würde dort beginnen, wo’s am meisten unter den Nägeln brennt. Je nach Geschäftsbereich können das die Lieferantenstammdaten, einheitliche Produktkataloge oder eine Global Spend Analysis sein. Wichtig ist, dass man nicht nur einmal seine Daten bereinigt und das Thema danach vergisst. Sonst tauchen später wieder Datenprobleme auf. SAP bietet dazu unterschiedliche Szenarien an Daten Qualitätsmanagement nachhaltig zu betreiben.

SAP.info: Wie sehen Sie SAP hier strategisch und produktseitig aufgestellt?

Martin Nußbaumer: SAP ist mit ihren Produkten zum Stammdaten- und Datenqualitätsmanagement recht breit aufgestellt. Es gibt hierbei nicht „die eine“ Stammdatenlösung, die für alle Unternehmen passt. Vielmehr hängt es stark von der konkreten Situation bzw. der vorhandenen Systemlandschaft ab. Die Herausforderung ist, herauszufinden welche Lösungskomponenten den Anforderungen des Kunden am besten entsprechen.

In heterogenen Landschaften, in denen Datenkonsolidierung eine große Rolle spielt, stellt oftmals SAP NetWeaver MDM die Komponente der Wahl dar. Ergänzt wird das Werkzeug häufig um Komponenten wie SAP NetWeaver Business Process Management zur Prozessteuerung und SAP BusinessObjects Data Services für Datenqualitätsprüfungen und zur Unterstützung von Datenmigrationen.

Vor allem für Unternehmen mit einer weniger heterogenen Systemlandschaft ist die vergleichsweise neue Anwendung SAP Master Data Governance sehr vielversprechend. Diese ermöglicht die Abbildung von Stammdatenworkflows als AddOn in einem bestehenden SAP-ERP-System.

Reiner Schaaf Leiter von ZF Friedrichshafen AG bei derZF Friedrichshafen AG (Foto: SAP AG)

Reiner Schaaf, Leiter Cross Application Supply bei derZF Friedrichshafen AG (Foto: SAP AG)

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