Digitales Lernen auf dem Vormarsch

Feature | 13. März 2012 von Monisha Das 0

Apple macht es mal wieder vor: Kürzlich hat der Computerhersteller aus Kalifornien angekündigt, sich künftig auch auf dem Schulbuchmarkt tummeln zu wollen. Möglich machen soll das die Softwareapplikation „iBooks 2“ als Plattform für digitale und interaktive Lehrbücher auf dem iPad. Erhältlich sein wird „iBooks 2“ für rund 15 Dollar im iBook-Store von Apple.

Im Zuge der Ankündigung hat das Unternehmen erklärt, für sein Vorhaben bereits die drei größten amerikanischen Schulbuchverlage in den USA zwecks einer Kooperation gewonnen zu haben. Mehr als gut für das Unternehmen, das mit der Einführung von „iBooks 2“ zweifelsohne seinen Umsatz für Tablets steigern wird.

Zusätzlich bringt Apple eine Software namens „iBook Author“ für Mac-Rechner auf den Markt. Mit dieser können Texte, Bilder, Animationen und Filme in Layouts übertragen und als PDF oder Word-Dokument gespeichert werden. Für Lehrer eine optimale Software: Sie trägt dazu bei, Unterrichtseinheiten multimedial zu gestalten.

Sollte sich das digitale Schulbuch dauerhaft im Klassenzimmer etablieren, müssten Kinder außerdem nicht mehr viele Bücher mit sich herumtragen, sondern nur noch einzig und allein das iPad. Das ist allerdings teurer in der Anschaffung als Bücher und – es benötigt Strom.

Tablet-PC statt Schulbuch

Doch nicht nur das digitale Schulbuch ist in der Lage, Schulstunden zu revolutionieren. Schon bald könnten in sämtlichen Klassenzimmern dieser Welt auch Tablets anstelle von Schulheften auf den Tischen liegen. Sie bieten durch die Integration von Apps die Möglichkeit, individuelle Lerninhalte und Aufgaben zusammenzustellen und lassen sich ganz einfach mit Spezialstiften oder Fingern bedienen.

Das begrüßen beispielsweise drei Grundschulen im schwedischen Sollentuna, einem Vorort Stockholms: Sie statten ihre Erstklässler neuerdings mit einem Tablet-PC aus. Bis 2013 sollen alle Schulen in Sollentuna mit Endgeräten (Tablets oder Laptops) versorgt sein. Schulbücher wird es nach Plänen der Stadt dann nicht mehr geben.

Die Stadträtin von Sollentuna, Maria Stockhaus, begründet die Einführung der Tablets bei den Erstklässlern mit „mangelnder Feinmotorik bei den Kindern“. Ihnen solle so das Lernen von Buchstaben erleichtert werden. Erst im zweiten Schuljahr werde man zu Stift und Papier übergehen.

Vielleicht werden die Jungen und Mädchen irgendwann aber auch nur noch den intelligenten Stift verwenden. Dieser erfüllt mehr als eine Aufzeichnungsfunktion: Der Stift filmt Mitschriften und wandelt sie in eine Textdatei um. Gleichzeitig kann der Smartpen das gesprochene Wort akustisch aufnehmen. Wichtige Passagen werden, wenn man mit dem Stift drübergeht, nochmals mit Ton wiedergegeben.

Die intelligente Tafel

Die besten Chancen, sich im Klassenzimmer künftig und dauerhaft durchzusetzen, hat vermutlich aber die intelligente Tafel. Anders als das grüne Standard-Board lässt sich diese mit dem Internet verbinden. Auf ihr können Filme gezeigt sowie Blog-Einträge vorgenommen werden. Lästiges Tafelputzen entfällt und Aufzeichnungen aus früheren Stunden lassen sich problemlos wieder abrufen.

Schon jetzt wird die intelligente Tafel in mehreren Schulen weltweit benutzt. Verlässliche Daten über Stückzahlen oder Einsatzhäufigkeit beziehungsweise sonstige Erhebungen gibt es dazu aber bislang noch nicht. Fest steht allerdings, dass innovative Lern- und Unterrichtsformen rund um den Globus eine beachtliche Akzeptanz erfahren. Das geht aus der Zukunftsstudie 2011 hervor, die der Münchner Kreis herausgegeben hat.

Die gemeinnützige Vereinigung, der Informations- und Kommunikationsexperten sowie Vertreter aus Wirtschaft, Medien, Politik und Wissenschaft angehören, hat in einer repräsentativen Studie 7.231 Personen in Deutschland, Schweden, den USA, Brasilien, China und Südkorea nach ihren Einschätzungen des zukünftigen digitalen Lebens befragt.

Die Studie lässt klar erkennen, dass wirtschaftlich aufstrebende Länder wie Brasilien und China neuen modernen Lernmethoden beziehungsweise der Bildung eine größere Bedeutung zumessen als vergleichsweise mächtige Industrienationen wie Deutschland und die USA.

Die Zahlungsbereitschaft für das digitale Schulbuch etwa befürworteten in Brasilien und China jeweils 45 Prozent. In Schweden sind es 34 Prozent, in den USA 32 Prozent und in Deutschland 28 Prozent. Das Schlusslicht bildet Korea mit 25 Prozent.

Insgesamt lässt sich eine Aufgeschlossenheit gegenüber dem papierlosen Lehrmedium erkennen. Danach gefragt, ab wann eine Mehrheit der Schüler voraussichtlich im jeweiligen Land über ein digitales Schulbuch verfügen wird, gaben die Befragten den Zeitraum zwischen 2015 und 2018 an. Die Zahl derer, die davon ausgeht, dass sich das Medium niemals durchsetzt, liegt länderübergreifend im einstelligen Prozentbereich.

Ebenfalls auf breite Zustimmung ist die Frage nach dem gewünschten Zeitpunkt der Verfügbarkeit gestoßen. Für eine sofortige Einführung wären demnach in Brasilien 47 Prozent, in Schweden 42 Prozent, in China 36 Prozent, in Deutschland sowie den USA 29 Prozent und in Korea 22 Prozent.

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