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Ein CIO aus den eigenen Reihen

Feature | 4. Mai 2016 von Paul Baur 0

Im Interview erläutert der neue Chief Information Officer, Thomas Saueressig, wie er den digitalen Wandel der SAP voranbringen will.

Mit der Ernennung von Thomas Saueressig zum Chief Information Officer (CIO) setzt die SAP ein klares Zeichen, dass sie den eigenen Wandel zum digitalen Unternehmen gezielt vorantreiben und ihre Belegschaft verjüngen möchte. Saueressigs Aufgabe wird es sein, im Unternehmen die nötigen Voraussetzungen für den digitalen Wandel innerhalb der SAP zu schaffen. Damit steht er vor ganz ähnlichen Herausforderungen wie auch viele Kunden der SAP.

Mit gerade einmal 31 Jahren ist Saueressig vermutlich der jüngste CIO unter den Fortune-500-Unternehmen. Er kam ein Jahr nach der Einführung des Apple Macintosh, der Erfindung des Flash-Speichers und dem Aufkommen des Begriffs „Cyberspace“ auf die Welt und bezeichnet sich daher auch selbst als typischen „Millennial“. Saueressig kam als Stundent zu SAP und fing zunächst als Berater an. 2010 wurde er zum Vorstandsassistenten berufen und wechselte anschließend zur IT-Organisation der SAP, wo er schnell Karriere machte. Als Leiter verschiedener Organisationen hatte er stets die Vision, den Anwendern ein herausragendes Benutzererlebnis zu ermöglichen. SAP News hat sich mit dem neuen CIO über seine Pläne unterhalten.

Was reizt Sie an der Position des Chief Information Officer von SAP?

Manchmal kommen an einem bestimmten Punkt im Leben plötzlich mehrere Faktoren zusammen. Es öffnet sich eine Tür, und man hat das Gefühl: diese Möglichkeit ist wie für mich geschaffen. Ich war schon immer sehr neugierig und mag Herausforderungen, bei denen ich meine Komfortzone verlassen muss. Deshalb war es ein logischer Schritt, diese Chance zu ergreifen.

Es geht dabei aber nicht um mich. Wir reden bei SAP zwar viel darüber, wie wir den digitalen Wandel unserer Kunden unterstützen, doch befinden wir uns in Wirklichkeit selbst mitten in diesem Wandel – mit allen Herausforderungen, die sich daraus ergeben. Diese sind nicht trivial, und für die SAP heißt es: jetzt oder nie. Wir müssen beweisen, dass wir uns auch selbst erneuern können. Unser Erfolg ist letztlich auch der Erfolg unserer Kunden.

Die IT-Organisation der SAP kann und wird einen wesentlichen Beitrag zu diesem Wandel leisten, und ich habe auch schon ganz konkrete Vorstellungen, wie dieser Beitrag aussehen soll. Für mich liegt darin ein enormes Potenzial, und ich freue mich über die Chance, diesen Wandel mitzugestalten.

Mit 31 sind Sie der bislang jüngste CIO bei SAP. Was sind die Gründe dafür, dass die SAP auf einen so jungen CIO setzt?

In den zwölf Jahren, die ich jetzt bei SAP bin, hat das Unternehmen schon die eine oder andere mutige Entscheidung getroffen. Es ist Teil der Unternehmenskultur und auch das Erfolgsrezept der SAP. Dieser Mut zeigt sich unter anderem darin, dass Mitarbeitern Verantwortung übertragen und ihnen Vertrauen entgegengebracht wird, wenn sie bereit sind, neue Aufgaben zu übernehmen. In anderen Unternehmen wäre das in diesem Ausmaß nicht möglich. Dies ermöglicht eine Modernisierung und Verjüngung des Unternehmens und ist zugleich ein Signal an die jungen Talente, die wir für uns gewinnen möchten.

Was befähigt Sie als Vertreter der Generation Y, diesen Wandel der SAP voranzubringen?

Ich gehöre der ersten Generation an, die mit Computern aufgewachsen ist. Ich habe schon mit vier Jahren am Computer gespielt und mit sechs meinen ersten Basic-Code programmiert – bevor ich überhaupt grammatikalisch korrekte Sätze formulieren konnte. Für mich war es prägend, in diesem digitalen Umfeld aufzuwachsen und auch zu lernen, mit der Komplexität umzugehen, die damit verbunden ist.

Als anspruchsvoller Anwender kenne ich die Probleme und Herausforderungen, die sich aus dem Einsatz von Technologien ergeben, aus eigener Erfahrung. Ich habe daher bestimmte Erwartungen an die Benutzerfreundlichkeit und auch daran, wie Technologie zur Vereinfachung von Abläufen beitragen sollte. Wir müssen für die Studenten und Mitarbeiter, die neu zur SAP kommen, ein attraktives Arbeitsumfeld schaffen, da wir so auch ihre Produktivität deutlich steigern können. Alle Lösungen müssen intuitiv sein, und alle Geräte müssen unabhängig vom Betriebssystem oder Hardwarehersteller reibungslos funktionieren.

Macht die SAP nicht diesbezüglich Fortschritte?

Natürlich gibt es auch Highlights, was das Mitarbeitererlebnis betrifft. Wenn ich mir zum Beispiel das Fiori Launchpad, unsere mobilen Apps und SAP Mobile Secure anschaue, dann haben wir viel erreicht. Mitarbeiter können damit praktisch alle internen Prozesse über ein mobiles Gerät abwickeln, von Reisekostenabrechnungen und Urlaubsanträgen über Rechnungsgenehmigungen bis hin zum Austausch und der gemeinsamen Bearbeitung von Dokumenten.

Wir arbeiten mit Hochdruck daran, sowohl unseren Mitarbeitern als auch unseren Kunden ein erstklassiges Erlebnis auf der Grundlage unserer digitalen Plattform SAP S/4HANA zu bieten. Unsere Kunden möchten in der Lage sein, unsere Cloud-Produkte mit wenigen Klicks online zu testen und zu kaufen. Hierfür müssen wir den gesamten Prozess – von der Wahrnehmung des Produkts bis hin zur Bereitstellung des Systems –vollständig automatisieren, damit er ohne jegliche Interaktion ablaufen kann.

Warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt dafür?

Wir sind jetzt an einem Punkt angelangt, an dem unsere Cloud-Produkte so ausgereift sind, dass wir mit ihrer Hilfe die SAP neu definieren können. SAP S/4HANA ermöglicht uns einen Bruch mit der Vergangenheit und die Entwicklung völlig neuer Geschäftsmodelle, mit denen sich unsere Prozesse digitalisieren und optimieren lassen und wir ein modernes, digitales Arbeitsumfeld unterstützen können. Voraussetzungen hierfür sind eine Umgestaltung unserer Geschäftsprozesse und ein solides Change Management, doch für mich gibt es dazu keine Alternative.

Das hört sich nach einem Projekt an, das einem jungen CIO nicht nur ein paar graue Haare beschert.

Es wird mit Sicherheit eine turbulente Zeit, und angesichts der ehrgeizigen Ziele der SAP ist der Erwartungsdruck hoch. Aber dem müssen wir uns stellen. Wie man an der d-school in Stanford so schön sagt: „Du kannst es nur tun, indem du es tust.“

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Mit 31 Jahren ist Thomas Saueressig der bislang jüngste CIO bei SAP.

Sie haben 2004 im Rahmen eines Dualen Studiums bei SAP angefangen. Sehen Sie es als Nachteil, nie in einer anderen Firma gearbeitet zu haben? 

Mir war es immer wichtig, Erfahrungen in vielen Bereichen zu sammeln, und das ist mir meiner Meinung nach in meinen verschiedenen Positionen hier bei SAP auch gelungen. Meinen Executive MBA habe ich beispielsweise berufsbegleitend gemacht, da ich kontinuierliches Lernen für absolut wichtig halte. Durch dieses MBA-Studium konnte ich enge Kontakte zu Führungskräften in vielen anderen Unternehmen knüpfen. Als SAP-Berater und Projektmanager habe ich 40 Implementierungsprojekte im Bereich Customer Relationship Management bei Kunden durchgeführt und dementsprechend auch verschiedene Branchen kennengelernt.. Als Berater habe ich mir bei den Kunden vor Ort Einblick in die Implementierung und Prozesse verschaffen können und dabei auch die Herausforderungen großer IT-Projekte kennengelernt. Ich betreibe außerdem aktives Networking, da ich finde, dass man sehr viel erreichen kann, indem man die richtigen Leute zusammenbringt.

Als CIO der SAP müssen Sie Computerfreak, Vertriebsprofi, Visionär und Botschafter zugleich sein. Wie sehr werden Sie im Kontakt mit den Kunden stehen?

In Vertriebsgesprächen kommt man mit reiner Theorie nicht besonders weit. Für mich sind Glaubwürdigkeit und Authentizität sehr wichtig. Deshalb kann ich im Vertriebsprozess nur dann wirklich Hilfestellung geben, wenn es in unserem Unternehmen ein erfolgreiches Vorzeigeprojekt gibt und wir damit die Vorteile für die Anwender aufzeigen können. Dann dürfte es auch einfach sein, den Kunden zu überzeugen. Ebenso gilt, dass die Kollegen im Vertrieb die intern verwendeten Produkte eher und mit größerer Überzeugung verkaufen werden, wenn sie selbst damit zufrieden sind.

Da ich sehr technikaffin bin, wird es mir immer wichtig sein, unsere Lösungen genau zu kennen und zu wissen, wie sie bei unseren Mitarbeitern ankommen. Nur so kann ich die Anliegen der Anwender wirklich nachvollziehen und in meiner Rolle als Führungskraft glaubwürdig sein. Auf der anderen Seite gibt es aber auch den klaren Auftrag, die Botschaft „SAP Runs Simple“ nach außen zu tragen und offen, ehrlich und authentisch zu kommunizieren, wie wir den digitalen Wandel ermöglichen.

Welche Schwerpunkte verfolgen Sie für 2016?

Ausgangspunkt für alles, was wir vorhaben, ist ein zuverlässiger Betrieb unserer Services. Denn die Produktivität unserer Mitarbeiter ist absolut entscheidend.

Ende des Jahres wollen wir den Produktivbetrieb mit einer neuen Version von SAP S/4HANA aufnehmen, mit der sich Geschäftsprozesse neu definieren lassen. Wir möchten uns außerdem stärker an den Bedürfnissen der Anwender orientieren und ihr Feedback als Grundlage für weitere Verbesserungen nutzen. Dies wird durch eine IT Kampagne unterstützt, um die Anwendung unserer Lösungen weiter zu steigern. Durch die Einführung agiler Entwicklungsmethoden in der gesamten Organisation möchten wir häufigere Updates ermöglichen und flexibler auf neue Anforderungen reagieren. Wir werden zudem weitere Anwendungen in die Cloud bringen und neue Anwendungen auf Basis der SAP HANA Cloud Platform entwickeln.

Letztes Jahr haben wir mithilfe der Plattform die unterschiedlichen Meldungssysteme für das Personalwesen, die IT und die Reisekostenabrechnung zusammengeführt. Mit dem einheitlichen Meldungssystem ‚Unified Ticketing‘ können die Mitarbeiter nun nach Lösungen suchen und über beliebige SAP-Geräte Meldungen anlegen und verwalten – und das ist nur ein Beispiel dafür, wie wir unsere eigenen Abläufe nach dem Grundsatz „Run Simple“ vereinfachen. Darüber hinaus werden wir auch die Möglichkeiten bereits ausgereifter Technologien wie maschinelles Lernen, Künstliche Intelligenz, Augmented Reality und Spracherkennung ausschöpfen. 

Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?

Ich bin der Meinung, dass Führungskräfte ihren Führungsstil auf die jeweilige Situation ausrichten müssen. Dabei muss man jedoch stets authentisch und den eigenen Grundsätzen treu bleiben. Nur so kann man Vertrauen aufbauen. Als Führungskraft lege ich großen Wert auf Eigenverantwortung und Mitarbeiterentwicklung, denn letztlich kann ich nur erfolgreich sein, wenn auch mein Team erfolgreich ist – das Team steht also an erster Stelle!

Entscheidend ist es, dass das Team die richtige Einstellung, Kultur und Denkweise entwickelt, indem wir zum Beispiel die Anwender ganz klar in den Mittelpunkt stellen, flexibler werden und durch teamübergreifende Zusammenarbeit Tatkraft zeigen. Damit sich die SAP zum Cloud-Unternehmen weiterentwickeln kann, müssen Führungskräfte ihren Mitarbeitern zeigen, welche Vorteile neue Methoden und Ansätze und vor allem auch spannende Neuerungen mit sich bringen.

Wichtig ist auch, das eigene Verhalten stets kritisch zu hinterfragen. Deshalb sind interne und externe Mentoren und Coaches so wichtig.

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