Ein neues Transportmanagement für die Bundeswehr (Teil 1)

Feature | 15. Juni 2004 von admin 0

Eine effiziente Logistik, insbesondere der Transport zählt zu den zentralen Funktionen jeder militärischen Organisation, so auch bei der Bundeswehr. Die Teilnahme an der ISAF-Friedenstruppe in Afghanistan ist hierfür nur ein Beispiel. Innerhalb kürzester Zeit überführte die Bundeswehr zu Beginn des Jahres 2002 Truppen und Material für einen 1.200 Soldaten starken Einsatzverband nach Kabul. In Summe folgten über die 8.000 Kilometer lange Entfernung während des Jahres mehrere tausend Tonnen Material – darunter schweres Gerät wie etwa der minensichere Truppentransporter DINGO.
Auch im Frieden ist die Bundeswehr ständig gefordert, Menschen und Material von A nach B zu transportieren, meist unter Zeitdruck. Die verschiedensten Transporte mit einer Vielfalt an Gütern sind hierfür zu organisieren: Stückgut, Personen, Binnentransporte, Auslandstransporte, Übersee, Sperrgut, Schwergut oder Gefahrgut verschiedenster Klassen. Vor dem Hintergrund der Reform der Bundeswehr und des veränderten Aufgabenbilds ist auch die Konzentration auf die Kernfähigkeiten für den Einsatz zu sehen.

Strategisch auf SAP ausgerichtet

Die Wahl, SAP R/3 auch im Transportwesen zu verwenden, lag nahe – denn schließlich ist es die Strategie der Bundeswehr, in den kommenden Jahren flächendeckend Software von SAP einzuführen. Bestätigt wurde diese Strategie durch das überzeugende Gesamtkonzept der Mummert Consulting AG sowie durch die Kostentransparenz des Angebotes des Anbieterkonsortiums Hellmann Worldwide Logistics und Mummert.
Das Verkehrs- und Transportmanagement des neu geschaffenen Logistikzentrums der Bundeswehr setzte die Reorganisation um. „Im Mittelpunkt des Konzepts stand, das Transportmanagement der Bundeswehr mit SAP R/3 auf ein wirtschaftliches, kostenorientiertes Handeln im Rahmen gegebener Vorgaben auszurichten“, gibt Thomas Schuck, Oberst i.G. und Abteilungsleiter Verkehr &Transport im Logistikzentrum der Bundeswehr den Rahmen vor. Eine weitere Zielvorgabe war, die Transportfähigkeiten der Teilstreitkräfte Heer, Luftwaffe und Marine in Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit übergreifend zu betrachten. Zudem galt es, verstärkt zivile Dienstleister einzubinden. Diesem Umstand trägt die neue Lösung mit Schnittstellen Rechnung, die für den Datentransport in Fremdsysteme konzipiert und mit den zivilen Partnern abgestimmt wurden.

Drei Phasen

Das Projekt war in drei Phasen gegliedert. In der Phase I erfolgte von September 2001 bis März 2002 eine Ist-Analyse und anschließend eine Soll-Konzeption. Zunächst wurden dazu die Prozesse des Verkehrs- und Transportwesens der Bundeswehr identifiziert, analysiert und bewertet. Die Bundeswehr favorisierte bei der Soll-Konzeption für die IT-Umsetzung zunächst den SAP Advanced Planner and Optimizer (SAP APO). „Mit diesem Werkzeug ließen sich jedoch Bundeswehr-spezifische Anforderungen wie gebrochene Verkehre mit mehr als zwei Transportmitteln oder Umladungen bei Kapazitätsüberschreitung des Transportmittels nicht abbilden“, bedauert Olaf Lehmann, Teilprojektleiter IT bei Mummert Consulting. Aus diesem Grund griff die Bundeswehr auf SAP R/3 zurück.
In Phase II von April 2002 bis März 2003 wurde das Soll-Konzept in organisatorischer und technischer Hinsicht umgesetzt, zunächst für die Gebiete Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Bremen. Die Transportabwicklungen der Teilstreitkräfte Heer, Luftwaffe und Marine steuert nun das Logistikzentrum der Bundeswehr, das in Wilhelmshaven seinen Sitz hat. Anforderungen für Transporte laufen seitdem vereinheitlicht in dem Logistikzentrum ein. Die technische Voraussetzung bilden die Module für den Vertrieb (SD), Logistics Execution (LE) und Materialwirtschaft (MM) in SAP R/3. Ab Oktober 2002 gingen zunächst die Erfassung von Transportaufträgen und die Disposition von Straßentransporten live. Es folgten die Verkehrsarten Luft, Schiene und See. Als letzter Bereich wurde im März 2003 die Disposition von Personentransporten per Bus in die SAP-Lösung übernommen. Damit war die Realisierungsphase termingerecht abgeschlossen. Die Funktionsfähigkeit der Software wurde in umfangreichen Tests nachgewiesen. „Bereits nach dieser Phase ließ sich feststellen, dass die Kosten um 15 Prozent gesunken waren. Das erste Ziel – erhöhte Wirtschaftlichkeit – war daher schon erreicht“, gibt Matthias Martens, Projektleiter bei Mummert Consulting, eine Zwischenbilanz.
Phase III läuft von April 2003 bis Juni 2004. In dieser letzten Phase wird die Lösung sowohl hinsichtlich der Funktionalität als auch der Performance weiter optimiert. Abgesehen von Sonderfällen wie z.B. Lufttransporte in die Einsatzgebiete werden Transporte nun über die SAP-Lösung abgewickelt.

Hans-Peter Bartsch

Hans-Peter Bartsch

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