Einem offenen Zugang zum EPCglobal-Netzwerk verpflichtet

Feature | 30. August 2004 von admin 0

Michael Di Yeso

Michael Di Yeso

In welcher Weise werden RFID oder EPCglobal Innovationen bei Unternehmensprozessen oder der entsprechenden Software anstoßen?

Di Yeso: Jedes Unternehmen, das das EPCglobal-Netzwerk später nutzen will, sollte auch schon jetzt aktiv daran mitarbeiten, die Normen von EPCglobal mit zu entwickeln. Die Business Action Group (BAG) dient Endanwendern dazu, ihre realen unternehmerischen Bedürfnisse zu definieren. Die solcherart formulierten Prozesse werden dann von der Hardware Action Group (HAG) und der Software Action Group (SAG) zu technischen Rahmenbedingungen des EPCglobal-Netzwerks umgesetzt.

Wird das Arbeitskonzept für das Design der EPC-Etiketten der nächsten Generation noch diesen Sommer veröffentlicht?

Di Yeso: Die Norm “EPCglobal UHF Gen 2” geht voraussichtlich diesen Herbst an den Start. Produkte, die dieser Norm entsprechen, verfügen über mehr Fähigkeiten und Funktionalitäten im Vergleich zu älteren Produkten – etwa eine höhere Lesegeschwindigkeit für EPC-Etiketten und breitere Frequenzbereiche. Die Norm “UHF Gen 2” komplettiert die ersten Investitionen in Ausrüstung nach den Normen “EPCglobal Class 0” und “EPCglobal Class 1”. Die Entwicklung der Spezifikation “UHF Gen 2” ist Teil der derzeit laufenden Norm-Entwicklung und Kommerzialisierung der EPC-Technologien.

Unterstützen Mitglieder, die Hardware und Software im Bereich RFID anbieten, die Vereinbarung von EPCglobal über geistiges Eigentum?

Di Yeso: EPCglobal schafft zusammen mit Einzelhändlern, der Industrie sowie Anbietern von Hardware, Software und Vernetzungslösungen geistiges Eigentum und tauscht dies unter seinen Mitgliedern aus. Das ist möglich, weil EPCglobal eine von Anwendern getragene Organisation ist. Nach unseren Grundsätzen steht bei uns geschaffenes geistiges Eigentum zum Nutzen aller Teilnehmer zur Verfügung. Mehr als 100 Unternehmen haben bis heute diese Vereinbarung unterzeichnet, Tendenz steigend.

EPCglobal will sicherstellen, dass weiterhin jeder einen offenen Zugang zum EPCglobal-Netzwerk hat. Deshalb fördern die verabschiedeten Grundsätze eine solche freie Nutzung, schützen gleichzeitig aber auch die Integrität des Netzwerks. Die Grundsätze über geistiges Eigentum (Intellectual Property Policy) von EPCglobal stellen sicher, dass alle an der Organisation beteiligten Unternehmen einen offenen, neutralen Zugang zur Netzwerktechnologie und zu den Normen von EPCglobal haben. Die Vereinbarung garantiert, dass die Technologie nicht-proprietär bleibt. Erst nachdem potenzielle Teilnehmer diesen Grundsätzen zugestimmt haben, dürfen sie in der Hardware Action Group (HAG) und der Software Action Group (SAG) mitwirken und somit die technische Entwicklung des EPCglobal-Netzwerks vorantreiben und beeinflussen.

Wie sehen die Beziehungen von EPCglobal zum Auto-ID-Zentrum am Massachusetts Institute of Technology (MIT) aus? Am 31. Oktober endet offiziell die administrative Funktion des Auto-ID-Zentrums. Was wird danach geschehen?

Di Yeso: Die Forschungsaufgaben werden nach Ablauf der administrativen Funktion des Zentrums an neu zu gründende Auto-ID-Labors übertragen. Wir werden eng mit diesen Auto-ID-Labors zusammenarbeiten, um die Technologie zu verbessern und zukünftige Anforderungen zu erfüllen. Der Dialog zwischen Forschern und End-Anwendern bleibt dadurch erhalten.

Wie funktioniert das Netzwerk und was bietet EPCglobal in Hinblick auf Zertifizierung und Kompatibilität?

Di Yeso: Bei dem elektronischen Produktcode handelt es sich um eine einmalig vergebene Nummer, mit deren Hilfe sich ein ganz bestimmter Artikel innerhalb einer Lieferkette zweifelsfrei identifizieren oder auffinden lässt. Der Produktcode wird auf einem RFID-Etikett gespeichert und wird beim Lesevorgang mit dynamischen Daten verknüpft, etwa über die Herkunft des Artikels oder über das Herstellungsdatum. Er funktioniert ähnlich wie die Global Trade Item Number oder die Fahrzeugnummer. Der Code ist der Schlüssel zu den Informationen, die im EPC-Netzwerk gespeichert sind.

EPCglobal leistet umfassende Unterstützung bei der Einführung. Dazu zählt etwa die Zertifizierung oder die Frage nach der Kompatibilität mit dem EPC-Netzwerk. Wir entwickeln und pflegen weltweit gültige Normen für Technologien und Anwendungen. Wir entwickeln Programme für Aus- und Weiterbildung sowie für die Zertifizierung und Einhaltung von Anforderungen und bieten diese an. Diese Normen und Programme sollen für alle Branchen zur Verfügung stehen und weltweit gültig sein.

Wann wird EPCglobal seinen Teilnehmern Zugang zu Kompatibilitäts-Tests für Ausrüstung gewähren?

Di Yeso: EPCglobal hat bereits ein erstes Programm für Kompatibilitäts-Tests im Bereich RFID-Hardware gestartet. In Phase I hatten Anbieter die Möglichkeit, die Art der Zusammenarbeit festzulegen und für EPCglobal den Kompatibilitäts-Testplan im Betatest auszuführen. Phase II fand Ende Juli 2004 statt. Als Ergebnis entstand eine Matrix, in der kompatible Produkte verzeichnet sind.

Wie bringt EPCglobal den Datenschutz und die wirtschaftliche Praxis auf einen Nenner?

Di Yeso: Im neu gegründeten EPC Public Policy Steering Committee arbeiten Vertreter von Unternehmerverbänden, Konsumgüter-Herstellern, Einzelhändlern und Normierungsorganisationen Hand in Hand. Ihr gemeinsames Ziel ist es, EPC-Technologien und das EPCglobal-Netzwerk auf verantwortungsbewusste Art und Weise zu kommerzialisieren. Der vom Auto-ID-Zentrum am MIT ins Leben gerufene Internationale Beirat “International Public Policy Advisory Council” hatte die Aufgabe, grundlegende Rechtsprinzipien zu formulieren, die das EPC Public Policy Steering Committee nun umsetzt. Er wird Unterstützung bei der Einführung leisten und den Teilnehmern etwa mit Weiterbildungsmaßnahmen unter die Arme greifen. Der Ausschuss arbeitet darüber hinaus in wichtigen Rechtsfragen mit der Wirtschaft zusammen.

Warum wurde für die Einführung des EPC-Netzwerks eine neue Organisation ins Leben gerufen?

Di Yeso: Die Technologie für den elektronischen Produktcode wurde in einem wissenschaftlichen Umfeld entwickelt. Es war immer geplant, diese Technologie durch ein erfahrenes Normierungsgremium kommerzialisieren zu lassen, sobald die Zeit dafür reif war. Der Uniform Code Council (UCC) und die europäische Artikelnummer-Organisation EAN wurden als Partner für die Einführung gewählt, weil sie über jahrelange Erfahrung bei der Verwaltung und Pflege weltweit gültiger Normen verfügen.

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