Einsparpotenzial für den Mittelstand

Feature | 30. November 2006 von admin 0

Zu teuer und zu komplex – so denken auch heute noch viele Mittelständler über die Einführung von Standard-Software für das Enterprise Resource Planning. Eine 2006 von Forrester durchgeführte Studie rechnet jedoch vor, dass auch unter üblichen Rahmenbedingungen die mit einer ERP-Standard-Lösung realisierten finanziellen Vorteile die Kosten überwiegen. Die Studie „The Total Economic Impact of Standardizing on the SAP Platform – Focus: Small to Mid-Sized Enterprises” wurde von SAP bei Forrester Consulting in Auftrag gegeben und von Jon Erickson und Shaheen Zojwalla erstellt.
Als Basis der Studie dienten Interviews mit fünf mittelständischen SAP-Kunden. Forrester führte bei diesen Kunden Einsparungen durch Konsolidierungseffekte, höhere Effizienz, verbesserte Prozesstransparenz und Visibilität direkt auf die Implementierung der SAP-Software zurück. Das erste und wohl wichtigste Teilergebnis: Mit der SAP-Standardisierung können Unternehmen in nur fünf Jahren einen ROI von 35 Prozent erzielen. Zweitens ergeben sich für die Mittelständler erhebliche Vorteile durch geringere Technologiekosten und verbesserte operative Abläufe. Im dritten Teil geht die Studie auf Aspekte wie Lizenzkosten, Wartung oder Integration ein, um dem Mittelstand einen Überblick zu verschaffen, für was genau die Investitionen verwendet werden.

Modellierung und Methodik

Mit Hilfe der Forrester-eigenen Methodik „Total Economic Impact (TEI)” schlüsselten Erickson und Zojwalla Kosten und Einsparungen, den Wert der Effizienzsteigerung bei den Geschäftsprozessen und das Risiko bei der Umsetzung auf. Anschließend führten sie einen vierstufigen Prozess durch. In Gesprächen mit SAP-Mitarbeitern verschafften sie sich ein Bild davon, welche Wertsteigerung diese von der SAP-Implementierung beim Kunden erwarten. Anschließend wurden die fünf Mittelständler befragt, die gerade ein SAP-Standardisierungs-Projekt durchführten. Aus diesen Befragungen resultierte zunächst ein Finanzmodell und schließlich ein „zusammengesetztes“ Durchschnittsunternehmen, an dem die Daten abgeglichen wurden.
Bei diesem Verbundunternehmen handelt es sich um eine US-amerikanische Produktionsgesellschaft mit etwa 1.000 Mitarbeitern, Distributionszentren auf der ganzen Welt und einem Jahresertrag von 150 Millionen US-Dollar. Ziel war es, für dieses Unternehmen die finanziellen Auswirkungen zu berechnen, die beim Übergang von einer dezentralisierten, verteilten Umgebung, in der einzelne Geschäftseinheiten ihre eigenen Plattformen verwenden, auf eine einzige, standardisierte Plattform entstehen – und damit realen Mittelständlern einen validen Rahmen bei der Evaluation eines solchen Übergangs abzustecken. Das Ergebnis: Ein solches Verbundunternehmen gibt – Risikoberechnung inklusive – für die SAP-Implementierung 5,8 Millionen US-Dollar aus, spart aber in Summe 7,8 Millionen Dollar ein. Unterm Strich erzielt ein Mittelständler somit zwei Millionen Dollar netto.
Forrester ging bei dem Verbundunternehmen von verschiedenen Annahmen aus. So nahmen die Analysten beispielsweise an, dass das Unternehmen für seine ERP-Prozesse über fünf verschiedene Legacy-Systeme verfügt, etwa für Finanzen, Lager- oder Personalverwaltung. Diese Legacy-Systeme waren über Schnittstellen miteinander integriert – sie konnten somit zwar auf der einen Seite Informationen austauschen, ließen sich jedoch nur mit beträchtlichem Aufwand instandhalten oder weiterentwickeln. Zudem sollte das Verbundunternehmen gleich mehrere Gründe haben, seine dezentralisierte IT-Landschaft abzulösen. Beispielweise hatten mehrere Firmenübernahmen die Komplexität der vorhandenen IT kontinuierlich erhöht. Ein Wechsel des IT-Managements forcierte den Wunsch, IT-Kosten zu sparen und die Effizienz zu steigern. Außerdem sollte das Unternehmen am Ende dazu in der Lage sein, seine Standardprozesse über verschiedenen Technologien aufzuspannen – alles in allem typische Merkmale eines expandierenden, mittelständischen Unternehmens.

Zusammensetzung des ROI

Break Out of Costs

Break Out of Costs

Wie setzt sich aus diesen Annahmen nun der ROI von 35 Prozent über fünf Jahre zusammen? Einsparungen bei den Lizenzgebühren machen mit rund 58 Prozent – von 35 Prozent ROI – den Löwenanteil aus. Da das Verbundunternehmen nur Gebühren an einen Software-Lieferanten zahlt, verringern sich die Gesamtkosten drastisch. „Das Beispielunternehmen bezahlt nach unserer Schätzung pro Lizenz rund 300.000 US-Dollar jährlich. Pro Jahr entfallen also 1,5 Millionen US-Dollar an Lizenzkosten“, so die Studie.
Weitere 26 Prozent des ROI entfallen auf eine Reduzierung des Personalbestands. Wie in der Studie zu lesen ist, geht Forrester davon aus, dass sich infolge der Konsolidierung der redundanten IT-Systeme naturgemäß die operativen und Supportaufwände verringern. Die entsprechend entlasteten Mitarbeiter können nun Aufgaben erfüllen, die Mehrwert versprechen.
Das Verbundunternehmen spart des Weiteren einen Anteil von acht Prozent an Lagerkosten. „Da nur eine Plattform verwendet wird, entfallen die Integration via Schnittstellen und der notwendige Datenabgleich. Konsistente Daten ermöglichen es dem Unternehmen, die Lagerbestände zu senken und den Barbestand zu erhöhen“, so die Studie.
Kleinere Beiträge zum ROI liefern auch Einsparungen bei Schulungen, Verbesserungen bei der Umsatz- und Gewinnrealisierung (Revenue Recognition), im Finanzwesen und bei der Hardware. Bei der Umsatz- und Gewinnrealisierung beispielsweise zieht eine Verbesserung der Liefertreue von 60 auf 75 Prozent einen zusätzlichen Umsatz von 22,5 Millionen nach sich – bezogen auf die geschätzten 150 Millionen Dollar Gesamtumsatz.. Bei zehn Prozent Kapitalkosten ergibt sich hieraus ein Ertrag von 187.500 US-Dollar jährlich.
Natürlich entstehen beim Aufbau der standardisierten Umgebung auch Kosten – für Lizenzen, die Planung, die eigentliche Implementierung, Wartung und Support, Service und Schulungen. Forrester hat diese Ausgaben ausgehend von den initialen Kosten von rund 3,2 Millionen US-Dollar auf die einzelnen Jahre heruntergebrochen. In der Regel, so erschließt sich aus dieser ROI-Betrachtung, beginnt sich die SAP-Plattform nach zwölf bis 18 Monaten auszuzahlen. Die Amortisationsdauer berechnet sich im Modell der Studie zu rund 2,8 Jahren.
Forrester hebt hervor, dass sowohl der ROI als auch die Amortisationsdauer letztendlich vom jeweils konkreten Unternehmen abhängen. So ist, wie schon an der Beispielrechnung zu sehen, die Anzahl der Altsysteme, die konsolidiert werden, ein wichtiger Faktor, ebenso wie die Geschwindigkeit, mit der die standardisierten Prozesse umgesetzt und im Unternehmen angenommen werden. Die Studie gibt hier nur einen Rahmen vor, entlässt die Mittelständler jedoch nicht aus ihrer Verantwortung, die bei ihnen herrschenden Rahmenbedingungen genau zu prüfen und auf dieser Basis die Entscheidung für oder gegen eine standardisierte ERP-Software zu treffen.

Sarah Z. Sleeper

Sarah Z. Sleeper

Tags:

Leave a Reply