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Energie aus der Cloud

Feature | 15. Dezember 2017 von Jonas Lerch 0

Mit seinem Prosumer-Haus geht SAP-Mitarbeiter René Längert die Herausforderungen der Energiewende ganz konkret an – aber auch SAP arbeitet an Softwarelösungen, um den Energiemarkt zu revolutionieren.

„Ich möchte meinen Kindern eine gesunde Umwelt bieten und deshalb aktiv an der Energiewende teilnehmen“, sagt René Längert. Um diesen Ziel ein wenig näher zu kommen, hat Längert, der seit zehn Jahren bei der SAP in der Abteilung „P&I Tools“ arbeitet, viel Energie und Zeit in den Bau seines Hauses gesteckt. Neben der Verwendung nachhaltiger Materialien hat er auch darauf geachtet, dass keine lokale Verbrennung stattfindet. Die nötige Energie erzeugt er mit seiner Photovoltaikanlage selbst oder bezieht sie aus anderen erneuerbaren Quellen. Längert ist ein Prosumer, also gleichzeitig Energieerzeuger und Konsument. Seine Photovoltaikanlage mit einer jährlichen Leistung von etwa 9.000 Kilowattstunden, deckt rechnerisch den Bedarf von etwa 6.000 Kilowattstunden für das Haus und 3.000 Kilowattstunden für die Elektromobilität.

Sein Haus produziert damit so viel Strom, wie es verbraucht – aber leider nicht immer zu den Zeiten, an denen die Energie benötigt wird. Daher steht im Keller ein großer Lithium-Eisenphosphat-Akku, der auch Strom liefert, wenn abends der Fernseher läuft. Der Akku zeichnet sich durch eine hohe Langlebigkeit aus und gibt ebenso Strom in das öffentliche Netz ab, wenn gerade eine Unterversorgung herrscht, denn Längert ist Kunde des Start-ups SONNEN, das mithilfe intelligent vernetzter Batteriespeicher eine dezentrale Energieversorgung auf Basis erneuerbarer Energien umsetzen möchte.

Kleine Schritte führen zum Klimaziel

Jörg Ferchow, IBU Utilities: “Durch IoT oder Blockchain ergeben sich neue Geschäftsmodelle.”

Kleinste Erzeugereinheiten sind ein maßgeblicher Schritt, um die politisch gesetzten Klimaziele zu erreichen und damit die Energiewende umzusetzen, die vor dem Hintergrund endlicher fossiler Ressourcen und steigender CO2-Emissionen unabdingbar ist. Doch wie diese Umsetzung idealerweise aussieht – darüber wird oft kontrovers diskutiert. Immerhin stammen in Deutschland bereits 29 Prozent der Energie aus erneuerbaren Quellen – und stellen so bereits den größten Anteil am Strom-Mix.

Gleichzeitig ist Deutschland der größte Verbraucher von Braunkohle, einer der umweltschädlichsten Arten der Energieerzeugung überhaupt. Häufig wird erneuerbare Energie an Orten erzeugt, an denen sie nicht verbraucht wird, was auch dazu führt, dass Produktionsspitzen nicht genutzt werden können. Dabei gibt es viele Möglichkeiten Energie auf Grundlage von Daten intelligent zu verteilen und zu verbrauchen.

Mit Big Data neue Arten der Energienutzung erschließen

Wie man mithilfe von Big Data Energieverbräuche optimieren kann, zeigt beispielsweise das Schweizer Startup Enersis. Durch die Verschmelzung von Verbrauchs- und Geodaten kann das Unternehmen Karten mit Gebäudesanierungsoptionen erstellen. Stadtplaner sehen so beispielsweise, wo sich Sanierungen lohnen, und für Privatanwender ließe sich mit der Software feststellen, ob sich die Installation einer Photovoltaikanlage auszahlen würde. Hinter der schicken Oberfläche der Enersis Software verarbeitet SAP HANA die Energiedaten. „Die großen Versorger arbeiten mit SAP und da haben wir irgendwann SAP HANA kennengelernt und gemerkt, dass SAP HANA die beste und schnellste Perfomance-Plattform ist, die man aktuell nutzen kann“, erklärt Thomas Koller, Gründer von Enersis.

Der Energiemarkt wandelt sich mit enormer Geschwindigkeit. Früher gab es wenige große Anbieter, die viele kleine und einige große Kunden bedient haben. Heute kann praktisch jeder zu einem Energieanbieter werden oder etwa als Start-up innovative Leistungen, wie vernetzte Speicher, anbieten. Die großen Unternehmen werden dadurch vor gigantische Herausforderungen gestellt. Gleichzeitig ergeben sich durch neue Technologien wie dem Internet der Dinge oder Blockchain auch völlig neue Geschäftsmodelle. Wie sich diese nutzen lassen, daran arbeiten auch die Kollegen von der IBU Utilities bei SAP. Denkbar wäre beispielsweise, dass die Energieriesen sich nach und nach von einem Anbieter zu einem Dienstleister entwickeln und dabei Teile ihres Kerngeschäfts gegen neue Angebote austauschen. „Die Anbieter helfen dann zum Beispiel den Kunden, wie sie auf Grundlage der Smart Meter Daten ihren Stromverbrauch verringern können oder richten die Solaranlage auf dem Dach ein“, erklärt Jörg Ferchow, Solution Expert, IBU Utilities.

Ohne intelligentes Netz läuft nichts

Energiebilanz des Prosumer-Hauses von SAP-Mitarbeiter René Längert

Die große Herausforderung besteht darin, große Produzenten mit kleinen, dezentralen und nicht konstanten Erzeugern zusammen zu bringen, diese mit Software in einem intelligenten Netz zu verbinden und den Verbrauch an die aktuell erzeugte Energie zu koppeln.  Auch der Elektromobilität kommt hier eine besondere Rolle zu: Die Batterien der Elektroflotte könnten als Puffer fungieren, Produktionsüberschüsse aufnehmen und bei Bedarf auch wieder abgeben. SAP-Lösungen sind aus dem Energiesektor schon lange nicht mehr wegzudenken. Doch wie trägt SAP dazu bei, die Energiewende umzusetzen und eine vernetzte und digitalisierte Energiewirtschaft zu ermöglichen?

Ab 2020 sind vernetzte Stromzähler, sogenannte Smart Meter, auch in privaten Haushalten in Deutschland vorgeschrieben und werden herkömmliche Stromzähler ersetzen. Smart Meter können nicht nur in Echtzeit den aktuellen Stromverbrauch messen und an den Versorger übermitteln, sondern auch einzelne Verbraucher identifizieren und Verbrauchsmuster erkennen. Dabei fallen eine Menge Daten an, auf Grundlage derer sich beispielsweise der Verbrauch optimieren lässt oder aber Vorhersagen über den zukünftigen Energiebedarf getroffen werden können. Dieser lässt sich dann mit der erwarteten Stromproduktion, die etwa durch die Wettervorhersage zu berechnen ist, abgleichen.

Um diese Daten mit weiteren Daten, wie beispielsweise von Ladeständen von Elektroautos, zu verknüpfen und auszuwerten, arbeitet SAP an der Cloud-for-Energy-Plattform. Energieversorger können damit ihren Kunden, Energiemanagement-Leistungen anbieten, um zum Beispiel Peaks effizienter zu nutzen.

Auch die Anlagen zur Stromerzeugung werden in Zukunft vermehrt dezentral installiert sein. Ausfälle können so schnell teuer oder versorgungskritisch werden. Mit Predictive Maintenance lassen sich defektanfällige Anlagen, wie etwa der Wechselrichter einer Photovoltaikanlage, überwachen und mögliche Ausfälle frühzeitig erkennen.

In Zukunft ließen sich auch Technologien wie Blockchain für die Energiewende nutzen – etwa für einen regionalen Energiemarkt, bei dem Stromüberschüsse direkt an den Nachbarn verkauft werden und der Energietransfer automatisch über die Blockchain abgerechnet wird.

Grüne Cloud und 100 % Grünstrom

Seit 2014 verwendet die SAP in allen Gebäuden und Rechenzentren weltweit 100 % Grünstrom.

  • Auch Emissionen, die bisher bei Kunden durch den Betrieb von SAP-Software in deren Rechenzentren entstanden sind, werden durch die Verlagerung der Kundensysteme in die „grüne Cloud“ der SAP wirkungsvoll neutralisiert.
  • Die Nachhaltigkeit der SAP Rechenzentren wurde bereits ausgezeichnet.
  • Alle Offsets die zur CO2-Kompensation erworben werden, müssen zur Verbesserung der sozialen und/ oder ökologischen Bedingungen unserer Welt beitragen (z.B. Investitionen in den Livelihoods Fund).
  • Im Zuge der Umstellung auf Grünstrom ist SAP 2015 der Initiative RE100
  • Hasso Plattner, Gründungsmitglied und Aufsichtsratsvorsitzender der SAP, ist Mitglied der Breakthrough Energy Coalition.

Ein Kraftwerk für die SAP

Die SAP geht die Energiewende aber auch ganz konkret im eigenen Unternehmen an: Am Standort Walldorf wurde eine Energiezentrale zur lokalen Wärmeversorgung des Headquarters errichtet. Dort arbeiten kombiniert eine Holzpellet-Biomasseanlage, ein Blockheizkraftwerk und eine Gasturbine für Spitzenlasten. Durch die Kraft-Wärme-Kopplung ist es möglich, Wärme und Strom höchst effizient zu erzeugen – und sich gleichzeitig unabhängiger von den Energieversorgern zu machen.

Doch die Energiewende ist oft auch eine Kostenfrage – René Längert ist sich sicher, auch wirtschaftlich die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Obwohl er in eigene Anlagen und Technik investiert hat, kostet ihn seine eigene grüne Energie auf lange Sicht nicht mehr, als würde er die Energie regulär einkaufen. Seine Vision für die Zukunft: „Wenn das noch mehr Menschen machen, wird das noch günstiger, und irgendwann kann man die großen Kraftwerke abschalten.“

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