Enterprise SOA ein Gesicht geben

Feature | 8. August 2007 von admin 0

Technologie und betriebswirtschaftliche Funktionalität, das verbindet SAP mit dem Konzept der Enterprise SOA. Es vereinigt die Technologie von SAP NetWeaver mit den betriebswirtschaftlichen Anwendungen von SAP zu einer umfassenden Geschäftsprozessplattform. Diese Plattform ist für SAP-Kunden die Grundlage, um neue Geschäftsprozesse mit Enterprise Services zu erstellen. Technisch gesehen sind diese – wie die „normalen“ Web-Services – Softwarebausteine, die auf offenen Standards wie WSDL, XML oder SOAP basieren. Darüber hinaus enthalten die Enterprise Services von SAP jedoch eine betriebswirtschaftlich harmonisierte Semantik und bilden so klar strukturiert Geschäftsfunktionalität ab. Werden sie kombiniert, lassen sich Prozess-Schritte definieren und service-orientierte Geschäftsszenarien aufbauen.

Betriebswirtschaftlich sinnvoll bündeln

In den Enterprise Services Bundles (ES Bundles) fasst SAP verschiedene Enterprise Services und deren Dokumentation unter einer gemeinsamen betriebswirtschaftlichen Fragestellung zusammen. Hierzu zählen etwa Abläufe beim Management von Kreditrisiken oder die Bedarfsplanung in der Produktion.
SAP beschreibt mit den ES Bundles Lösungsansätze und -szenarien und zeigt auf diese Weise den geschäftlichen Nutzen einer Enterprise SOA auf. Informationen über die Bundles stehen in einem interaktiven Wiki-Format im SAP Developer Network bereit, das Kunden und SAP-Partnern zudem eine Plattform bietet, Erfahrungen auszutauschen.
Mit den ES Bundles erhalten SAP-Anwender die notwendigen Bausteine, um auf Grundlage ihrer bestehenden Geschäftslösungen zielgerichtet und betriebswirtschaftlich sinnvoll service-orientierte Geschäftsabläufe zu implementieren – etwa für die Rechnungslegung oder die Kommunikation mit Kunden.

Den Rechnungsprozess zum Kunden bringen

Nach wie vor sind Rechnungsprozesse in vielen Unternehmen weitgehend papiergebunden. Rechnungen werden geschrieben, ausgedruckt, kuvertiert und per Post an Kunden verschickt. Dieses Vorgehen ist indessen zeitaufwändig und kostenintensiv. Mithilfe der Enterprise Services aus dem ES Bundle Electronic Bill Presentment and Payment (EBPP) lässt sich der Rechnungsprozess – unterstützt von einem Internetportal – nun direkt auf den Desktop von Kunden bringen. Über einen individuellen Portalzugang rufen die Auftraggeber eine Liste auf und sehen dort, welche Rechnungen wann bezahlt wurden und welche noch offen sind. Zwei Enterprise Services – „Find Open Item by Customer“ und „Find Cleared Item by Customer“ – holen die hierfür erforderlichen Daten aus dem ERP-Backend des Auftragnehmers.
Weitere Enterprise Services wie „Create Due Payment“ sorgen dafür, dass die Kunden die Rechnungen über das Portal auch bezahlen können. Um diese Funktionen auszuführen, ist lediglich ein Standard-Web-Browser und ein Internetzugang nötig, zusätzliche Software muss nicht installiert werden. Das Szenario lässt sich sukzessive mit weiteren Services, die nicht zwingend aus dem ES Bundle EBPP stammen müssen, ausbauen. Beispielsweise bietet der Service „Change Due Item Payment Method“ dem Auftraggeber Wahlmöglichkeiten bei der Zahlungsart. Wird etwa mit Kreditkarte gezahlt, überprüft ein weiterer Service die Kreditwürdigkeit. Auf diese Weise erhalten die Anwender bei Auftragnehmer und Auftraggeber einen End-to-End-Prozess, über den sie reibungslos Informationen austauschen und Transaktionen ausführen.

Kundendaten auf einen Blick

Die Rechnungslegung ist nur ein Bereich im B2B-Umfeld, der sich auf diese Weise straffen lässt. Gleiches gilt für Service- und Vertriebsprozesse mit Kunden. Oft stehen dort Mitarbeiter und Management vor dem Problem, sich Informationen zu einem Kunden aus mehreren Anwendungen zusammensuchen zu müssen. Die Enterprise Services im ES Bundle Customer Fact Sheet (CFS) stellen diese Informationen in aggregierter Form bereit.
So lassen sich mit dem ES Bundle CFS sämtliche Informationen zu einem Kunden, die aus so unterschiedlichen SAP-Anwendungen wie SAP ERP, SAP Customer Relationship Management, SAP NetWeaver Business Intelligence oder der Kreditmanagementlösung von SAP stammen, sammeln oder mit anderen Web-Services zusammenführen. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu Customer-Fact-Sheet-Lösungen, die keine Enterprise Services verwenden. Beispielsweise holen Enterprise Services wie „Read Customer Bank Details“ oder „Find Customer Quote Basic Data by Buyer and Basic Data“ oder „Read Sales Order“ Informationen zu Kundenfinanzdaten, Angeboten und Kundenaufträgen aus den unterschiedlichen SAP-Backend-Lösungen. Das Kundenstammblatt als Frontend lässt sich für beliebige Anwendungen realisieren, etwa Web-Applikationen, Microsoft Outlook oder für Mobile-Handheld-Lösungen.
Zu den Enterprise Services aus dem ES Bundle CFS, die sich in diesen Frontends integrieren lassen, zählen unter anderem Dienste, um Kundenbestellungen aufzunehmen und zu ändern sowie Kundenstammdaten zu berichtigen. Weitere Services dienen dazu, Kreditinformationen zu überprüfen sowie Kundenumsätze, Bestellungen oder Außenstände zu analysieren. SAP NetWeaver Master Data Management unterstützt diese Prozesse zusätzlich, etwa wenn die Daten über Systemgrenzen hinweg inhaltlich abgeglichen werden müssen.
Auch die Kommunikation mit dem Kunden lässt sich über Services steuern. Ruft dieser beispielsweise im Service Center an und ändert seine Bestellung, identifiziert ihn der Enterprise Service „Find Customer Address Basic Data by Name and Address“ automatisch über die Basisdaten Name und Adresse. Über einen weiteren Service – „Find Sales Order Basic Data by Elements“ – ruft der Servicemitarbeiter die verkaufsrelevanten Informationen auf. Ist die Änderung der Bestellung bestätigt, fließt sie – wiederum via Enterprise Services – sofort in die entsprechenden Backend-Systeme und steht über das Kundenstammblatt auch allen anderen am Kundenprozess beteiligten Abteilungen und Personen zur Verfügung. Der Servicemitarbeiter wiederum erhält auf Anfrage über andere Enterprise Services weitere Informationen zum Kunden, etwa was vorangegangene Bestellungen oder die Zahlungsmoral betrifft. Fazit: Sämtliche Daten über einen Kunden, die in SAP-Backend-Systemen lagern, sind über Enterprise Services in einem anderen Kontext wieder verwendbar und führen zu mehr Transparenz.
Derzeit stellt SAP rund 40 ES Bundles zu Verfügung, bis Jahresende sollen es über 60 sein. Hierzu zählen beispielsweise ein ES Bundle für den Handel, das eine effiziente Preisfindung ermöglicht, ES Bundles für Fertigungsunternehmen, um deren Bedarfsplanung zu optimieren, sowie für Zulieferer, um sich rasch in Liefernetzwerke zu integrieren.

Nicht mehr Enterprise Services als nötig

Um service-basierte Abläufe aufzubauen, wählen SAP-Anwender aus einem ES Bundle diejenigen Enterprise Services aus, die sie benötigen. Eine Reihenfolge, in der die Enterprise Services zu verwenden sind, ist hierbei formal nicht festgelegt, jedoch sollte sie sich am betriebswirtschaftlich Sinnvollen orientieren. Ebenso können Enterprise Services aus verschiedenen ES Bundles kombiniert werden.
Da die ES Bundles die Enterprise Services nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten gruppieren, enthalten verschiedene Bundles unter Umständen dieselben Services. So ist etwa für Finanzbuchhaltung, Vertrieb oder Service gleichermaßen wichtig zu wissen, ob ein Kunde offene Posten hat. Deshalb ist der Enterprise Service „Find Open Item by Customer“, der anzeigt welche Rechnungsposten ein Kunde noch nicht bezahlt hat, sowohl im ES Bundle EBPP als auch im ES Bundle Customer Fact Sheet enthalten. Beide ES Bundles enthalten übrigens auch den Service „Read Customer Basic Data“, mit dem Kundenstammdaten aufgerufen werden.

Grundlage für Composite Applications

Technisch gesehen erweitern ES Bundles die Funktionalität von SAP ERP, den weiteren Anwendungen der SAP Business Suite sowie der SAP-Branchenlösungen, etwa für Banken, Versicherungen, Handel und den Öffentlichen Dienst. Für SAP ERP liefert SAP die gebündelten Services mit den dazugehörigen Dokumentationen über die Enhancement Packages aus, für die anderen Lösungen der SAP Business Suite sowie die Branchenlösungen werden diese als Software-Add-Ons bereitgestellt.
Die über ES Bundles ausgelieferten Enterprise Services bilden überdies die Grundlage für den Bau von Composite Applications. Diese setzen auf einer bestimmten Zahl von Enterprise Services auf, die sich einem ES Bundle zuordnen lassen. Sie konsumieren die Enterprise Services in einer definierten Reihenfolge und haben überdies eigene Benutzeroberflächen. Somit sind Composite Applications – im Unterschied zu ES Bundles – bereits ausgestaltete Software-Anwendungen.

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