Entwicklungsprozesse beschleunigen und Kosten senken

Feature | 18. April 2005 von admin 0

KUNDO SystemTechnik GmbH

KUNDO SystemTechnik GmbH

Wer meint, aus dem Schwarzwald kämen nur Kuckucksuhren, der irrt. Die mittelständischen Traditionsunternehmen dieser Region zeichnen sich durch eine hohe Innovationskraft aus. So präsentierte der Uhrenhersteller Kundo aus St. Georgen bereits in den 50-er Jahren den ersten Transistor-Wecker der Welt, in den 70-er Jahren folgte der erste Quartz-Wecker und in den 80-er Jahren die erste Funkuhr.

Technische Innovationen mit Tradition

In dieser Zeit begann bei Kundo auch die Entwicklung der Geräte zur Wärmemessung. 1992 wurde die Wärmemesstechnik aus dem Uhrenbereich ausgegliedert und unter dem Namen Kundo SystemTechnik GmbH verselbständigt. Auch hier wurden zahlreiche Innovationen zur Marktreife gebracht, unter anderem der erste elektronische Heizkostenverteiler oder das erste Funksystem zur Erfassung von Verbrauchsdaten. Mit 110 Mitarbeitern erwirtschaftet die Kundo SystemTechnik GmbH am Traditionsstandort St. Georgen durch die Entwicklung, Produktion und den Vertrieb von elektronischen Heizkostenverteilern, Wärmezählern und dem Funksystem heute einen Umsatz von rund 18 Millionen Euro.
Die SAP-Einführung erfolgte bei Kundo im Jahr 1999 mit dem Release 4.6 B. Seit 2001 wird Kundo von der ASS.TEC GmbH in Villingen-Schwenningen betreut – gemeinsam führten die beiden Firmen seitdem mehrere Projekte erfolgreich durch, unter anderem den Releasewechsel auf SAP R/3 Enterprise im Jahr 2003 sowie die Einführung des SAP Business Information Warehouse (SAP BW).

mySAP PLM mit SolidWorks verknüpft

Da SAP R/3 Enterprise bereits Verwendung fand, entschieden die Projektverantwortlichen bei Kundo, die Arbeitsabläufe in Entwicklung, Einkauf und Fertigung mit mySAP Product Lifecycle Management (mySAP PLM) eng zu verknüpfen. Diese Lösung bot zudem klare Kostenvorteile, zum einen lässt sich damit die doppelte Datenhaltung vermeiden, zum anderen die Lizenzgebühren für weitere Software einsparen.
Um nicht nur die Entwicklungsdokumentation wie gewünscht digital abzubilden, sondern zugleich die CAD-Daten in das System zu integrieren, sollte mySAP PLM mit der bereits implementierten CAD-Lösung SolidWorks verknüpft werden. Ziel dieser Verknüpfung war, alle Stücklisten, Artikel und Dokumente wie aus einem Guss zu verwalten.

Mittelstandsorientiert: Die Schritt-für-Schritt-Einführung

Die Implementierung sollte von einem Partner durchgeführt werden, der ein mittelständisches Unternehmen nicht nur über die Einführung und Inbetriebnahme hinaus begleitet, sondern der zugleich auch Erfahrung im Optimieren betriebswirtschaftlicher und projektbezogener Abläufe vorweisen kann. Die Entscheidung fiel auf die ASS.TEC GmbH, Villingen-Schwenningen, die bei Kundo bereits die Konfiguration und das Customizing von SAP R/3 realisiert hatte.
Anfang 2004 fand das erste Vorgespräch statt, danach wurde ein Prototyp auf dem SAP-Testsystem erstellt. Ab Mai 2004 erfolgte die Feinabstimmung und Implementierung zum SAP-Produktivsystem: Zuerst installierte man einen Content Server für die Speicherung der CAD-Originale und konfigurierte die Dokumentenverwaltung. Anschließend wurde die CAD-Schnittstelle von SolidWorks zu SAP R/3 Enterprise auf den Workstations eingerichtet und Zusatzfunktionen wie die Synchronisation von Stücklisten realisiert. Ende 2005 wird noch das Produktänderungsmanagement implementiert, eine zentrale logistische Funktion, um Dokumente mit Historie zu ändern. Kundo ist somit in der Lage, über die implementierte SAP-SolidWorks-Schnittstelle alle Stücklisten, Artikel und Dokumente zu verwalten.
Jürgen Ettwein, Projektleiter bei der ASS.TEC GmbH: “Gerade bei mySAP-PLM-Projekten hat es sich aus unserer Sicht als sehr vorteilhaft erwiesen, dass man die Lösung schrittweise einführen kann. Kleine Projektschritte in einem Zeitrahmen von drei bis fünf Monaten bieten dabei die Möglichkeit, schnelle Projektergebnisse zu liefern und dabei nah an den Anforderungen der Unternehmen zu bleiben.“

Bestens organisiert: Verwaltung und Prozesse

Mit dem Projektergebnis ist Fred Hintz, der Konstruktions-Leiter bei Kundo, auch rundum zufrieden. Als größten Vorteil des PLM-Systems nennt er die Verwaltung von Dokumenten wie zum Beispiel technische Zeichnungen, 3D-Modelle, NC-Programme und Textdokumente. In mySAP PLM werden Funktionen zur Verfügung gestellt, die eine automatische Versionsverwaltung, eine Klassifikation von Dokumenten sowie eine Suche über Merkmale ermöglichen. Das Statusnetz, das den Weg eines Dokuments durch das Unternehmen bis zur Freigabe beziehungsweise bis zur Archivierung vorschreibt, lässt sich für jede Dokumentenart spezifisch definieren. Jeder Mitarbeiter verfügt an jedem beliebigen Ort über sämtliche erforderlichen Dokumente. Ein flexibles und leistungsfähiges Berechtigungskonzept regelt dabei den Datenzugriff.
Ein weiterer Vorteil des PLM-Systems ist die Erzeugung und Verwaltung der verschiedenen Stücklistentypen. So werden beispielsweise Material-, Kundenauftrags- oder Dokumentenstücklisten für unterschiedliche Verwendungen verwaltet, beispielsweise für Fertigung, Konstruktion, Vertrieb und Kalkulation. Der Abruf von Verwendungsnachweisen für Materialien und Dokumente ist ebenso möglich wie der Massenaustausch von Komponenten. Der Änderungsdienst bildet die Basis stets aktueller Datensätze.
Seit der Einführung von mySAP PLM arbeiten bei Kundo die Bereiche Entwicklung, Arbeitsvorbereitung, Einkauf und Fertigung eng zusammen. Jeder Projektbeteiligte hat Einblick in den Fortschritt der anderen Fachbereiche. Über das webbasierte Design-Collaboration-Modul, das später aktiviert werden soll, können diese Abstimmungsprozesse noch schneller ablaufen.

Deutlich reduziert: der Zeitaufwand und die Kosten

Die bei Kundo realisierte PLM-Lösung mit CAD-Anbindung ermöglicht die direkte Verwaltung der SolidWorks-Modelle und -Strukturen in SAP und gleichzeitig den unmittelbaren Zugriff auf alle wichtigen SAP-R/3-Enterprise-Funktionen. Der Anwender in der Konstruktion öffnet nun die SAP-Fenster von seinem CAD-System aus und greift in einem durchgängigen Workflow direkt auf objektbasierende Metadaten und die Möglichkeiten der bidirektionalen Kommunikation zwischen SolidWorks und SAP R/3 Enterprise mit mySAP PLM zu. “Durch die Einführung von mySAP PLM als durchgängige Lösung wurden unsere Entwicklungsprozesse vom ersten Musterteil bis zur Serienfreigabe optimiert und damit auch zeitlich verkürzt“, resümiert der Konstruktionsleiter. “Rund 20 Prozent Zeitersparnis über die komplette Wertschöpfungskette haben wir bereits jetzt schon als Nutzenpotenzial ermittelt.“
Das Ziel, ein größeres Maß an Durchgängigkeit zu erreichen, hat sich nicht zuletzt durch die vollautomatische Integration bei der Freigabe der Zeichnungen erfüllt: Die Stücklisten aus dem CAD-System werden bei der Freigabe des Modells automatisch aktualisiert. “Aber auch unser Einkauf profitiert von dem System”, ergänzt Fred Hintz, “wenn der Konstrukteur ein neues Einkaufteil in eine Baugruppe einfügt, legt er im ERP-System gleichzeitig Materialstammdaten an, so dass diese für den Einkauf grundlegende Information automatisch in SAP R/3 Enterprise generiert und den zuständigen Mitarbeitern bereitgestellt wird.” Dank mySAP PLM sind alle Beteiligten stets auf dem aktuellen Stand. Wer wann was geändert hat, ist jetzt ebenso transparent wie die Information darüber, welche Version einer Datei freigegeben und damit aktuell ist. Fred Hintz sieht darin vor allem auch handfeste wirtschaftliche Kriterien: “Die Vorteile der SAP-Lösung lassen sich im gesamten Unternehmen anwenden – daraus entstehen Synergien, die es uns ermöglichen, statt ineffektiver Verwaltungs- oder Doppelarbeit unsere eigentlichen Aufgaben zu erfüllen, nämlich innovative Produkte zu entwickeln.“

Volker A. Holzapfel

Volker A. Holzapfel

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