Erfolgreich mit dem vierten Faktor

Feature | 26. November 2003 von admin 0

In modernen Industrienationen vollzieht sich derzeit ein struktureller Wandel von arbeitsintensiven zu wissensintensiven Geschäftsfeldern. Immer mehr Geschäftsprozesse werden im Zeitalter globalisierter Märkte mit den Mitteln und Möglichkeiten moderner Informationstechnologie abgewickelt. Die Anforderungen, wettbewerbsrelevantes Wissen stets abrufbar zu haben, steigen. Und sie stellen „im Zeichen weltweiter digitaler Vernetzung insbesondere für SMBs eine große Herausforderung dar.“ So beschreibt die vom Beratungsunternehmen KPMG im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums veröffentlichte Studie „Wissensmanagement in mittelständischen Unternehmen“ den Status quo. Daher bezeichnen Volkswirtschaftler das Wissen neben den traditionellen Produktionsfaktoren Boden, Arbeit und Kapital auch als vierten Produktionsfaktor.

Wissensnetze organisieren

Ziel von Wissensmanagement ist, das geistige Kapital von Unternehmen enger mit den Wertschöpfungsprozessen zu verbinden und damit letztlich sowohl Innovationsprozesse zu beschleunigen als auch die Produktivität zu erhöhen. Als „Querschnittstechnologie“, so der Branchenverband BITKOM, kann Wissensmanagement wesentlich zur Wertschöpfung in Unternehmen und Organisationen beitragen. „Für Unternehmen wird es deshalb immer wichtiger, das Wissen ihrer Mitarbeiter zu erfassen, es zu vernetzen und allen Beteiligten zugänglich zu machen“, erklärt Peter Broß, BITKOM-Geschäftsführer.
SMBs sind aber keine einheitliche Gruppe, weshalb sie auch „ganz unterschiedliche Anforderungen an ein Wissensmanagement-Konzept“ stellen, erklären Professor Paul North und Laura Lamieri von der Fachhochschule Wiesbaden in einem Beitrag für die Zeitschrift „Wissensmanagement“. Zudem ist Wissen in Unternehmen und Organisationen, egal welcher Größe, in völlig verschiedenen Formen vorhanden, wie Produktwissen, Prozesswissen, Wettbewerbswissen, technisches Wissen oder Wissen über Kunden, ergänzt der Management-Berater Brad Hoyt.
Mitarbeiter brauchen daher ungehinderten und durchgängigen Zugriff auf alle Informationen und Wissensquellen im Unternehmen, um ein KM-Projekt erfolgreich zu machen. Das setzt laut Hoyt in einem ersten Schritt eine allen gemeinsame „Sprache“ (Taxonomie) sowie die Möglichkeit zur Zusammenarbeit mit so genannten Collaboration-Tools wie E-Mail, synchronen beziehungsweise asynchronen Diskussionstools oder (Desktop)-Video-Conferencing voraus. In einem zweiten Schritt geht es darum, Wissen über diese Kanäle zu verteilen. Dies kann in Form von Best-Practice-Transfers geschehen oder innerhalb von Projektteams, die auf einer gemeinsamen Datenbasis zusammenarbeiten.
Das setzt jedoch eine Wissenskultur in Firmen voraus, die das bei Mitarbeitern vorhandene Erfahrungswissen („implizites“ Wissen) kanalisiert, organisiert sowie qualifiziert und dessen Weitergabe auf den jeweiligen Bedarf fokussiert. Deshalb empfiehlt Peter Heisig vom Informationszentrum Benchmarking (IZB) am Fraunhofer Institut SMBs, nach einer Bestandsaufnahme vorhandener Geschäftsprozesse (Wissensmanagement-Audit) dort mit einem Pilotprojekt zu beginnen, wo das Unternehmen entweder seine Kernkompetenz(en) hat oder sich schnell Verbesserungen verwirklichen lassen, um diese für das interne Marketing zu nutzen.

SMBs und der Wille zum Wissen

Mittelständler haben die sich durch eine KM-Strategie bietenden verbesserten Marktchancen erkannt. So konstatiert die eingangs zitierte KPMG-Studie, dass 20 Prozent der befragten SMBs Wissensmanagement bereits eingeführt haben, zehn Prozent der SMBs haben KM in Teilbereichen im Einsatz. 26 Prozent planen eine Einführung und 24 Prozent haben sich über Wissensmanagement informiert und sind interessiert. Die Akzeptanz ist demnach ziemlich breit gestreut, auch bringen viele mittelständische Firmen positive Voraussetzungen für Wissensmanagement mit, da digitale Archive, Ablagen, Datenbanken, Aus- und Weiterbildungsprogramme bereits vorhanden sind. Defizite liegen derzeit noch in der strategischen Planung, im Ausbau und in der Koordination sowie in der Definition von unternehmerischen Zielen, wie Kundennähe, Qualität oder Marktführerschaft, die mittels KM erreicht werden sollen.
Derzeit wenden SMBs Wissensmanagement-Technologien noch primär an, um die Qualität ihrer Produkte zu sichern beziehungsweise zu steigern, sagen übereinstimmend die KPMG-Studie und eine Untersuchung vom Fraunhofer Institut. Beide Untersuchungen räumen zudem dem Wissensmanagement in Verbindung mit dem Verständnis von Kunden und Märkten einen hohen Stellenwert ein (jeweils rund 40 Prozent). Der Trend geht also dahin, Wissensmanagement als strategisches Planungswerkzeug zu definieren, mit dem erfolgreich sowohl die Beziehungen zwischen Unternehmen und Mitarbeitern , als auch zwischen den Mitarbeitern selbst sowie zwischen Unternehmen und Kunden beziehungsweise Lieferanten verbessert werden. Dies korrespondiert mit Ansätzen des US-Marktforschers Gartner sowie des Fraunhofer IAO (Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation), die beide in der Verklammerung von Kundenwissen und CRM einen „kritischen Faktor“ für langfristige Erfolge im Kundenbeziehungsmanagement sehen, so die Gartner-Analysten Kathy Harris, Esteban Kolsky und James Lundy.

Wissensmanagement im Wandel

Die META Group sieht daher auch den Markt für Knowledge Management im Wandel. Der Trend geht nach Ansicht der Marktforscher zu Internet-basierten und multifunktionalen Informationsplattformen, die eine Vielzahl von Einzelsystemen (Portallösungen, Content Management, Search & Retrieval oder E-Learning) vereinigen, was die META Group-Experten als Enterprise Information Portal (EIP) bezeichnen. „Wichtigste Funktion eines solchen Portals“, sagt Delphi Group Vice President Nathaniel Palmer, ist Collaboration. In einer Delphi Group-Umfrage gaben sogar 75 Prozent an, dass „Collaboration Teil jedes Portalangebots sein sollte.“ Der frühere META Group-Analyst und jetzige Braiconn-Berater Marc Tenbieg bezeichnet daher Portale im Zusammenhang mit Wissensmanagement „ohne wenn und aber“ als die zurzeit wichtigsten strategischen Unternehmenslösungen.
Erfüllt werden diese Anforderungen von Lösungen wie mySAP Enterprise Portal 6.0. Neben der umfassenden Portal-Technologie wartet die Portallösung mit umfangreichen Funktionen für Knowledge Management auf, die unstrukturierte Informationen in verwertbares Wissen transformieren. Dazu gehört eine intelligente Suchmaschine inklusive Text-Mining-Funktionalität sowie automatischer Klassifizierung. In virtuellen Arbeitsbereichen (Collaboration Rooms) können Gruppen und Communities Ideen und Wissen austauschen sowie gemeinsam Aufgabenlisten pflegen. Ebenso wichtig für den globalen Wissensaustausch ist eine Zusammenarbeit in Echtzeit durch Instant Messaging- oder Web-basierte Application Sharing Tools.

Quo vadis Wissensmanagement?

Mittelständische Firmen müssen ihr Wissen aber nicht nur weltweit verwalten. Das Wissensmanagement der Zukunft soll nach Ansicht der Fraunhofer IAO-Forscher Markus Korell und Dieter Spath als „Customer Knowledge Management (CKM)“ über die Grenzen eines Unternehmens hin erweitert werden, und „den Markt beziehungsweise die Kunden aktiv und systematisch in das Wissensmanagementsystem integrieren.“ Zum anderen müssen Unternehmen versuchen, KM-Prozesse einzuführen, um das „Betriebskapital Wissen“ zu organisieren, zu diesem Zugang zu erhalten und weiter darin zu investieren. Dieses Wissen wird durch Einbeziehung von Informationen, Erfahrungen, Ideen, Werten sowie einer Vernetzung vorhandener Informationen mittels IT-Technologien aktualisiert, erweitert und verdichtet. Das setzt allerdings voraus, dass Wissen als strategisches Unternehmenskapital begriffen wird, um den Erfolg eines Wissensmanagement-Projektes zu sichern. Hierfür erfüllen SMBs zwei wichtige Voraussetzungen: hohe Flexibilität und schnelle Lernfähigkeit. Am besten aber folgen sie einem Ratschlag Johann Wolfgang von Goethes, der vor rund 200 Jahren erkannte: „Es genügt nicht nur zu wissen, man muss es auch anwenden.“

Weitere Informationen:

Allgemein: www.kmnews.com, www.knowledgemarkt.de, www.kmworld.com, www.kmresource.com, www.kmmagazine.com
Messe: www.knowtech.net (mehr Informationen unter www.bitkom.org; Arbeitskreis „Knowledge Management“)
Studien: www.bmwi.de (KPMG-Studie), www.ckm.iao.fraunhofer.de, www.delphigroup.com, www.metagroup.de, www.gartner.com, www.ipk.fhg.de/Geschaeftsfelder/um/ccw_Link
SAP: www.sap.com/germany/solutions/enterpriseportal

Dr. Andreas Schaffry

Dr. Andreas Schaffry

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