Schrauben anziehen per Software

Feature | 23. März 2011 von Daniel Hardt, Ralf Weinmann 0

Branchen ERP-Tradesprint:

Branchen-ERP Tradesprint: Software für den KFZ-Teilehandel (Foto: Fotolia)

Als für den Bosch-Vertragsgroßhändler Lorch ein Wechsel der betriebswirtschaftlichen Unternehmenssoftware anstand, fürchtete Geschäftsführer Axel-Christof Schmid-Lorch, dass eine SAP-basierte Lösung zu komplex und Lizenz- und Beraterkosten für einen mittelständischen Betrieb zu teuer wären. Die cormeta ag – selbst aus dem Mittelstand – räumte diese Bedenken aus.

Das Unternehmen entschied sich für die spezifisch auf den KFZ-Teilehandel ausgerichtete Version von Tradesprint. Bei der auf  SAP Business All-in-One basierenden integrierten ERP-Lösung von cormeta sind bereits 80 Prozent aller typischen Abläufe vorkonfiguriert,  das gesamte Projekt war nach acht Monaten abgeschlossen.

Bereits im ersten Jahr sanken die EDV-Kosten um 35 Prozent, die Anbindung der IT neuer Niederlassungen ging geräuschlos und zügig über die Bühne. Auch ein Releasewechsel von Tradesprint wurde vor zwei Jahren durchgeführt.

Neues Vertriebs- und Werkstattcockpit

Das neue Vertriebs- und Werkstattcockpit  ist eine Weiterentwicklung innerhalb von Tradesprint und wurde auf der diesjährigen „REIFEN“ erstmals vorgestellt. Wesentliche Funktionen werden in der anwenderspezifischen Bildschirmmaske gebündelt.

Alle Abläufe im Kfz-Teilehandel einschließlich Monteursabwicklung/-abrechnung, Thekenverkauf, Verwaltung von Wartungsterminen, Lager- und Filialbestandsführung sowie die Kassenbuchführung inklusive automatischer Übergabe an die Finanzbuchhaltung werden hierüber gesteuert.

Gleiches gilt für Online-Anfragen an die Hersteller via TecCom, einer B2B-Plattform für den europäischen KFZ-Ersatzteilmarkt, während der Belegerstellung.  Das Cockpit ist variabel in der Nutzung und kann durch das Ein- und Ausblenden von Feldern an die Bedürfnisse des Anwenders angepasst werden.

Hauptnutzen: Mitarbeiter in der Zentrale und in den Filialen erhalten ein System aus einem Guss und müssen nicht zwischen verschiedenen Anwendungen hin und her wechseln.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Expansion & Kostenfaktor Personal

Neues Vertriebscockpit (Screenshot: cormeta ag)

Neues Vertriebscockpit (Screenshot: cormeta ag)

sg

Geschäftsführer Axel-Christof Schmid-Lorch (Foto: cormeta ag)

Auf Expansion gepolt

Die intuitive Benutzerführung von Tradesprint erlaubt, dass sich neue Mitarbeiter schnell einarbeiten können und somit der Schulungsaufwand reduziert wird. Ein wichtiger Aspekt findet Schmid-Lorch, besonders im Hinblick auf die Eröffnung neuer Niederlassungen und die damit verbundene Anbindung der IT-Infrastruktur.

Denn seit der Einführung des neuen Systems ist das Unternehmen stark expandiert: sieben Übernahmen und Zukäufe, dazu eine große Akquisition in der Schweiz. Die Software ist währenddessen quasi „mitgewachsen“.

Zudem berücksichtig die ERP-Software landesspezifische Besonderheiten wie die Fünf-Rappen-Rundungs-Regel oder Schweizer Zollvorschriften. „Neue Anforderungen lassen sich relativ einfach umsetzen, seien sie nun gesetzlicher oder unternehmensspezifischer Natur. Man fängt nicht bei null an.“ so Schmid-Lorch. Inzwischen ist die Firma mit insgesamt 16 Standorten im süddeutschen Raum inklusive Anrainerstaaten einer der führenden Händler in ihrem Segment.

Kostenfaktor: Personal und Logistik

„Der Personal- und der Logistikbereich sind die größten Kostenfaktoren in unserer Branche. Daher muss man vor allem hier mit der Optimierung von Prozessen beginnen“, sagt Schmid-Lorch. Deshalb sind für den Geschäftsführer auch durchgängige Prozesse und eingesparte Ressourcen die wichtigsten Vorteile einer integrierten SAP-Software.

Mittels Tradesprint lassen sich Einsparpotenziale erschließen – etwa durch Funktionen für eine automatisierte, zeit- und regionengesteuerte Versandsteuerung, wie sie die Ernst Lorch KG demnächst umsetzen will.

Auch die Etablierung einer detaillierten Rückholtransaktion, wie sie bei Lorch praktiziert wird, erzielt Einsparungen, da die Übersicht über Kundenrückgaben verbessert wird. Es lässt sich beispielsweise klären, ob die Rückläufer aus eigenen Beständen oder Lieferantenbestellungen stammen und ob fehlerhafte Ware oder eine Fehllieferung der Grund für die Rückgabe ist.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Online-Umsätze & Tipps für Mittelstand

Kommissionierung

Kommissionierung bei der Ernst Lorch KG (Foto: cormeta ag)

Firmenzentrale der Ernst Lorch KG (Foto: cormeta ag)

Firmenzentrale der Ernst Lorch KG (Foto: cormeta ag)

Bestellwesen: 40 Prozent Umsatz Online

Auch das Bestellwesen wurde optimiert: So kann der Disponent direkt aus dem Vertriebscockpit heraus auf die TecCom-Plattform  zugreifen. Er muss also nicht erst ins Internet wechseln, sondern bestellt direkt im SAP-System, das den Auftrag automatisch an den entsprechenden Lieferanten weiterleitet. Ebenso erhält er die digitale Auftragsbestätigung über die Plattform.

Insgesamt unterstützt das neue System laut Schmid-Lorch das Online-Geschäft, das sich im Kfz-Teilehandel als ernstzunehmender Vertriebskanal etabliert hat. Auch Lorch erzielt inzwischen 40 Prozent seines Gesamtumsatzes über das Internet. Vor fünf Jahren waren es gerade mal zehn.

Demnächst plant das Unternehmen einen neuen Online-Shop einzuführen. „Ein integriertes ERP-System wie Tradesprint macht Prozesse effizienter,  so dass eingesparte Ressourcen für das Kerngeschäft oder den Ausbau neuer Geschäftsfelder genutzt werden können“, sagt Vertriebsleiter Max Knobel. Ein für expandierende Betriebe ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Tipps für den Mittelstand

Mittelständischen Betrieben der Branche rät Schmid-Lorch, bei ERP-Projekten klein zu beginnen. Statt alle Ideen sofort umzusetzen, sollte sukzessiv vorgegangen und mit den Bereichen begonnen werden, die für die eigene Wirtschaftlichkeit essenziell sind. Desweiteren rät der Unternehmenschef, nah am vorgegebenen Softwarestandard zu bleiben.

Erst recht, wenn man expandiert und ständig neue Richtlinien berücksichtigt werden müssen. „Eine Lösung, die auf einem marktgängigen Standard wie SAP basiert, ist hinsichtlich Compliance und Ausbaufähigkeit besser als es Anwendungen von Nischenanbietern sind“, ist Schmid-Lorch überzeugt. Sicher – es werde immer Bereiche wie den Werkstattbereich geben, wo Spezialprogramme manche Abläufe genauer abdecken können, so der Geschäftsführer.

Doch die Vorteile einer integrierten Datenhaltung, wie sie ERP-Lösungen bieten, sind nicht von der Hand zu weisen, zumal sie alle Unternehmensbereiche betreffen, den Vertrieb genauso wie die Buchhaltung. Daher fällt sein Resümee eindeutig aus: „Die Entscheidung für eine Lösung, die auf einem marktgängigen Softwarestandard basiert, haben wir keine Sekunde bereut.“

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