“ERP und CRM sind die heißen Themen in Indien”

Feature | 28. Juli 2003 von admin 0

Alan Sedghi

Alan Sedghi

Welchen Stellenwert hat Software in Indien?

Sedghi: Im Bereich Software ist Indien heute gut aufgestellt, die Software-Industrie ist exponentiell gewachsen. Alles begann mit der Suche nach Arbeitskräften für einfache Arbeiten im Bereich Software. Später wurden diese Arbeitskräfte in die Entwicklung neuer Produkte mit einbezogen. Es folgten anspruchsvolle Integrationsprojekte. Heute liegt der Schwerpunkt der Branche bei Beratungsaufgaben auf höchstem Niveau. Dieser Prozess zeigt deutlich, wie sich Indien die Wertschöpfungskette hinauf gearbeitet hat. Nasscom, der Zentralverband der indischen Software-Industrie, hat kürzlich eine Studie veröffentlicht, der zufolge die indische Software- und Serviceindustrie im Geschäftsjahr 2001-2002 mehr als zehn Milliarden US-Dollar brutto eingenommen hat – 26 Prozent mehr als im Jahr davor. Im Geschäftsjahr 2002-2003 werden vermutlich um die 13 Milliarden US-Dollar umgesetzt. Bis zum Jahr 2008, so die Schätzung, wird dieser Betrag auf 80 Milliarden US-Dollar steigen. Das wären dann rund acht Prozent des indischen Bruttosozialprodukts.

Wie schätzen Sie die allgemeine wirtschaftliche Situation und das Potenzial des Software-Markts ein?

Sedghi: Indien hat in den 90er Jahren große wirtschaftliche Fortschritte gemacht. Das jährliche Wirtschaftswachstum betrug im Durchschnitt sechs Prozent. Getrieben wurde dieses Wachstum vor allem vom Dienstleistungssektor. Die IT-Industrie hat sich als besonders dynamisch erwiesen und erfreut sich jetzt weltweit eines guten Rufs. Dieser Erfolg zeigt, dass Indien auf höchster internationaler Ebene mithalten kann.

Das Geschäft mit Unternehmenssoftware allerdings hat bereits einige Stürme überstehen müssen. Zunächst kam die Nachfrage nur schleppend auf Touren. Dann – so eine Studie von IDC – wurde das Segment für Anwendungen rund um Enterprise Resource Planning (ERP) vom schrumpfenden Wirtschaftswachstum schwer in Mitleidenschaft gezogen. Im Jahr 2002 ist dieser Markt nur geringfügig auf 120 Millionen US-Dollar gewachsen. Allerdings wird erwartet, dass das ERP-Umfeld von 2001 bis 2006 um insgesamt zehn Prozent zulegt – und somit stärker als der Gesamtmarkt für Software.
Das Marktumfeld bleibt also schwierig. Ermutigend ist jedoch, dass Unternehmen die Kosten für Informationstechnologie senken wollen. Außerdem möchten sie nicht mehr auf viele verschiedene Software-Anbieter zurückgreifen. Diese Unternehmen wechseln zu Anbietern, deren Lösung ihnen nachweisbar Vorteile bringt. Unternehmen beurteilen Anbieter jetzt danach, ob sie den Umfang ihres Services so erweitern können, dass diese auch die Produkte der Unternehmen unterstützen. Unternehmen aller Branchen entscheiden sich dabei klar für SAP.

Welche Branchen sind für SAP in Indien die wichtigsten?

Sedghi: Die Wachstumslokomotiven in Indien sind für SAP die Prozessindustrie, hier vor allem Oil & Gas, die Fertigungsindustrie, die Hersteller von Konsumgütern, die Luft- und Raumfahrtindustrie sowie der Rüstungssektor, die Versorgungsunternehmen, die Telekommunikationsunternehmen und die Medienbranche. Weitere Schlüsselbranchen sind das Bankenwesen und Finanzdienstleistungen, die in Indien am meisten für Informationstechnologie ausgeben.

Was ist in Indien in Hinblick auf Software das aktuelle Thema?

Sedghi: Trotz einiger positiver Wirtschaftsindikatoren sind die Investitionen der Unternehmen wegen des unsicheren wirtschaftlichen Umfelds zweifellos niedriger als sonst. Deshalb wächst der Markt für Software nicht mehr so schnell. Softwareanwendungen für ERP werden jedoch als heißer Tipp gehandelt. Dieser Markt könnte laut IDC bis 2006 um fast elf Prozent wachsen.

Und wie werden andere Lösungen der mySAP Business Suite nachgefragt?

Sedghi: Unternehmen haben erkannt, dass sie Informationen zur Definition eines Produkts in dessen gesamtem Lebenszyklus mitführen müssen. Solche Lösungen zum Product Lifecycle Management (PLM) finden bis dato am stärksten in der Luft- und Raumfahrtindustrie, der Autoindustrie, der Kommunikationsbranche und im Maschinenbau Anwendung. Diese Unternehmen führen jetzt Daten, die früher ausschließlich von technischen und produzierenden Abteilungen verwendet wurden, mit den Daten aus Verkauf und Marketing, Kundenservice, Wartung oder Betriebsführung zusammen. Sie tauschen die Produktinformationen mit der gesamten Lieferkette oder in allen Lieferketten aus. Dadurch verzahnen sie ihr Unternehmen besser mit Partnern und Kunden. Larsen & Toubro – der größte Maschinenbau- und Baukonzern Indiens – ist eines der ersten Unternehmen, das mySAP PLM eingeführt hat.

Indische Unternehmen haben darüber hinaus großes Interesse an Lösungen für das Kundenbeziehungsmanagement. Der Markt für Customer Relationship Management (CRM) ist stark gewachsen – im Gegensatz zu den aufgrund des momentanen Abschwungs zögerlichen Märkten für ERP oder Supply Chain Management (SCM). Der CRM-Markt in Indien ist erst im Entstehen. Derzeit schließen die großen Unternehmen noch die Integration ihres Backoffice ab. Danach wollen sie das Frontoffice optimieren. Die meisten mittelständischen Unternehmen richten ihre Anstrengungen jetzt verstärkt auf die Kundenbindung. Im Automobilbau, bei Telekommunikationsunternehmen, dem Einzelhandel und bei Versicherungen sind CRM-Lösungen verstärkt gefragt. Zu den großen Kunden von mySAP CRM gehören Asian Paints, L&T, DCM, Shriram, Sudarshan Chemicals, Tata Infomedia und Tata Telecom. Weltweit ist SAP nach Siebel der zweitgrößte Anbieter von CRM. In Indien ist SAP mit fast 30 Prozent Marktanteilaber jedoch die Nummer eins.

Wie sieht Ihre Strategie aus?

Sedghi: Die Investition in Unternehmenssoftware ist mehr als nur ein Weg, um unternehmensinterne Prozesse zu verbessern. Die Software ist vielmehr ein Werkzeug, damit Unternehmen besser mit Kunden, Händlern, Partnern und Lieferanten zusammenarbeiten. SAP hat verstanden, dass eine Lösung, die einem Unternehmen heute Vorteile bringt, diesem auch in fünf oder zehn Jahren noch Vorteile bringen muss. Die Markteinführung von SAP NetWeaver Anfang des Jahres stützt diese Aussage. Außerdem folgen wir mit unserem Fokus auf mittelständische Betriebe dem gegenwärtigen Trend des Markts. Der Mittelstand investiert mit langfristiger Perspektive in Software. Wir wollen deshalb gegen Ende des Jahres die zwei neuen SAP-Lösungen für mittelständische Betriebe in Indien einführen. Auch sonst hält SAP mit der Dynamik des Marktes Schritt. Das lässt sich beispielsweise an den leistungsstarken SAP-Lösung für 23 Branchen ablesen.

Wie beurteilen Sie die Aussichten für die kommenden fünf Jahre?

Sedghi: Der Wettbewerb zwischen den Anbietern einer betriebswirtschaftlichen Gesamtlösung (Best of Suite) und den Anbietern von Einzellösungen (Best of Breed) wird eindeutig zugunsten der Anbieter von Gesamtlösungen ausgehen. SAP liegt damit enorm gut im Rennen. Durch die auf die Gesamtlösung ausgerichteten branchenspezifischen Lösungen wird sich der Vorsprung von SAP auf alle anderen Anbieter weiter vergrößern. Dazu trägt natürlich auch unser klarer Fokus auf den Kunden bei.

Was ist Ihr persönliches Motto?

Sedghi: Ich arbeite gerne mit Gewinnern. Es gilt, sich von etablierten Normen zu lösen und gegen Mittelmäßigkeit anzugehen. Ein Vorgesetzter sollte eine nie versiegende Quelle von Energie und Ideen sein. Der Vorgesetzte muss die Marschrichtung vorgeben. Er muss das Klima für herausragende Leistungen schaffen, unabhängiges Denken fördern und neue Ideen unterstützen. Er muss außerdem den Willen zu kalkulierbarem Risiko unter Beweis stellen und sich die Loyalität der Mitarbeiter erarbeiten. Unsere Arbeit ist von dem geprägt, was wir tagtäglich tun: Wir konzentrieren uns vollständig auf den Kunden und setzen Projekte fehlerfrei um. Und das soll nicht als einmaliger Kraftakt betrachtet werden, sondern als Grundhaltung.

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