EU-Vorschrift kostet Milliarden

Feature | 2. Oktober 2012 von Debra Sieloff 0

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Die Reform des Versicherungsaufsichtsrechts in der Europäischen Union (EU), die 2014 in Kraft treten soll, könnte bald weltweite Auswirkungen haben. Die EU-Richtlinie „Solvency II“ löst die seit den 1970er-Jahren geltenden „Solvency I“-Vorschriften ab und sieht vor, dass Versicherungsgesellschaften in der EU ihre Solvenz (ihre Eigenmittel zur Absicherung der verkauften Policen) nach neuen Methoden berechnen und in Berichten offenlegen.

Hintergrund für die Verabschiedung der Solvency-II-Richtlinie waren verschiedene Natur- und von Menschen verursachte Katastrophen, die viele Versicherungsunternehmen völlig unvorbereitet trafen, so dass, die Policen der Versicherungsnehmer plötzlich wertlos waren. Die EU-Kommission beschloss daraufhin, die Solvabilitätsvorschriften durch die Einführung neuer Modelle zur Berechnung des Solvenzkapitals sowie strengerer Berichts- und Überwachungsprozesse zu verschärfen.

Die Anforderungen von Solvency II sind sehr komplex. Sie beinhalten neue Berichts- und Aufsichtspflichten für Versicherungsunternehmen sowie die Einhaltung entsprechender Standards. Die neuen Vorschriften haben potenziell Auswirkungen auf das gesamte Unternehmen vom Personalwesen bis hin zur IT, unter anderem auch für die Berechnung, Verwaltung und Offenlegung von Solvenzdaten. Dies hat zur Folge, dass Versicherungsgesellschaften künftig strengere Standards einhalten müssen, um nachzuweisen, dass sie über ausreichend Eigenmittel zur Absicherung der ausgestellten Policen verfügen. Die SAP hat mit Partnern die Berichtsstruktur von Solvency II genauer untersucht.

Das Drei-Säulen-Konzept von Solvency II

Solvency II besteht aus einem Regelwerk für Risikokapital, das auf den drei Säulen quantitative Anforderungen, qualitative Anforderungen und Aufsichtsregeln sowie Berichtspflichten beruht:

  • Die 1. Säule umfasst Standards, Formeln, technische Bestimmungen, Anlagevorschriften und alle damit zusammenhängenden quantitativen Anforderungen. Innerhalb dieser Säule sind auch die Standards für die Eigenmittelausstattung des Versicherungsunternehmens geregelt.
  • Die 2. Säule definiert die Aufsichtsregeln und die Risikomanagement-Anforderungen sowohl für Versicherungsgesellschaften als auch für die zuständigen Aufsichtsbehörden.
  • Die 3. Säule umfasst die Anforderungen im Hinblick auf die Offenlegung von Informationen und die Berichtspflichten von Versicherungsunternehmen. Zwei Berichte sind vorgeschrieben: ein jährlicher Bericht für die Öffentlichkeit und ein Bericht für die Aufsichtsbehörde. Auf diese Weise soll eine angemessene Transparenz und Überwachung sichergestellt werden.

Der Umfang der Anforderungen von Solvency II hat Auswirkungen auf das gesamte Unternehmen und ist folglich auch mit Kosten verbunden. Untersuchungen zufolge werden sich die Kosten für die Umsetzung von Solvency II allein für Versicherungsgesellschaften in Großbritannien auf fast 2 Mrd. Pfund belaufen (The Economist, 3. Mai 2012).

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Übergangsfrist beginnt 2014

Wie bei allen neuen Standards wird auch die Umsetzung von Solvency II nicht vollkommen reibungslos vonstattengehen. Den Unternehmen bleibt von der Ermittlung anzupassender Prozesse bis zur Implementierung effektiver und richtlinienkonformer Berichtsprozesse nur wenig Zeit, ihr Berichtswesen auf die neuen Anforderungen abzustimmen. Dabei müssen sie zwei Fristen einhalten: Ab Mitte 2014 beginnt die nationale Umsetzung mit Testläufen und einer Übergangsfrist, ab Januar 2015 ist die Einhaltung der Richtlinie dann verbindlich vorgeschrieben. Die Unternehmen benötigen für die Aktualisierung ihrer Systeme und Prozesse deshalb geeignete Hilfsmittel, um den damit verbundenen Zeitaufwand zu verringern.

Die SAP Rapid Deployment Solution for Solvency II

Mit der SAP Rapid Deployment Solution for Solvency II bietet die SAP eine Festpreislösung mit festem Umfang, die sich schnell implementieren lässt und Unternehmen die Umsetzung der Berichtsanforderungen ermöglicht, die in der 3. Säule von Solvency II definiert sind. Die Lösung umfasst Software, Services, vordefinierte Berichtsinhalte und Unterstützung in einem Paket, das von SAP-Partnern mit umfassendem Know-how im Bereich Solvabilitätsanforderungen getestet wurde, unter anderem von Accenture und PwC.

Die auf die Anforderungen von Solvency II spezialisierten SAP-Partner können Kunden durch eine schnelle Implementierung und Anpassung der Lösung auf die individuellen Bedürfnisse des Kunden wirksam unterstützen. Das Paket stellt beispielsweise Schritt-für-Schritt-Anleitungen für Service-Teams zur Verfügung, mit denen sich Risiken bei der Implementierung vermeiden lassen.

„Die SAP Rapid Deployment Solution for Solvency II schafft eine solide Grundlage für die Implementierung von Quantitative Reporting Templates (QRTs) bei unseren Kunden im Versicherungswesen“, berichtet Dr. Maarten van Wieren. Als leitender Berater von PwC, einem bevorzugten Lieferanten von SAP, war er für ein Test-Team verantwortlich, dem auch Centre Consulting angehörte und das die SAP-Lösung entscheidend mitgestaltete. „Durch die Kombination der SAP-Lösung mit der Unterstützung von Partnern wie PwC und Centre Consulting profitieren Versicherungsunternehmen von einer stabilen QRT-Berichtslösung, mit der sie für die Zukunft gerüstet sind.“

Abstimmung lokaler Vorschriften

Frank Walter, Senior Executive von Accenture Finance and Risk Business Service, kommentiert: „Die in der 3. Säule von Solvency II definierten Anforderungen setzen ein umfassendes Datenmodell voraus, das detaillierte Analysen ermöglicht, die quantitativen und qualitativen Information aus den QRTs von Solvency II bereitstellt und zugleich die lückenlose Nachverfolgbarkeit und umfassende Abstimmung zwischen lokalen GAAP-Bestimmungen [Generally Accepted Accounting Principles], IFRS [International Financial Reporting Standards] und Solvency II sicherstellt. Darüber hinaus müssen auch die Umsetzungsfristen eingehalten werden.“

Walter führt weiter aus: „Mit der sofort einsatzfähigen SAP Rapid Deployment Solution können Versicherungsunternehmen die Risiken bei der Umsetzung der Richtlinie wirksam steuern. Die Lösung kann ohne Unterbrechung des Geschäftsbetriebs implementiert werden und ermöglicht die Abstimmung lokaler Vorschriften mit den Bestimmungen von IFRS und SII GAAP. Es stehen viele Hundert Berichtoptionen für eine detaillierte Analyse der Solvabilitätsspanne auf Ebene von Produkten und Versicherungskategorien zur Verfügung.“

Für die vollständige Implementierung der SAP Rapid Deployment Solution for Solvency II ist ein Zeitrahmen von zwölf Wochen vorgesehen. Dieser kann sich bei einer Feinabstimmung der Lösung um bis zu acht Wochen erweitern. Weitere Informationen finden Sie unter www.SAP.com/rds.

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