Fahrplan zum Unbundling

Feature | 22. August 2005 von admin 0

Bei der Liberalisierung der Nutzung von Stromnetzen soll laut Gesetzgeber ein so genannter verhandelter Netzzugang für Durchleitungsrechte erreicht werden, was bisher in Absprache mit den Versorgungsverbänden in der Verbändeverordnung II (VVII) geregelt war. Ein erster Versuch, die Verbändeverordnung I (VVI), hat sich sowohl für Kunden wie für die Anbieter noch nicht als befriedigend erweisen. Mit dem neuen Energiewirtschaftsgesetz ist das nun endgültig geregelt. Bei der Umsetzung herrscht jedoch hoher Beratungsbedarf. Denn die Vorgaben, wie das Unbundling im Detail umzusetzen ist, sind von der Bundesnetzagentur als zuständiger Regulierungsbehörde noch nicht bekannt gegeben worden.
Laut EnWG soll nun der Vertrieb der Energieversorger keinen Zugriff mehr auf die Netz-spezifischen Daten erhalten, um keinen Wettbewerbsvorteil vor anderen Netznutzern zu haben. Die Energieversorger stehen damit vor der Aufgabe, auch in ihren IT-Systemen, beispielsweise einer SAP-R/3-Lösung, diese Trennung abzubilden. Prinzipiell ist das auf drei Arten möglich: über eine Umstellung von bisher einem auf zwei SAP-Anwendungen, von einem auf zwei Mandanten (Netz und Vertrieb) oder von einem auf zwei Verträge (Zweivertragsmodell). Viele Versorgungsunternehmen warten mit der genauen Festlegung ihrer Unbundling-Strategie noch auf grünes Licht von der Bundesnetzagentur für das Zweivertragsmodell. Selbst dieses einfachste Modell bringt für die Unternehmen eine Dopplung der Verträge und der darunter hängenden Daten mit sich. Das Beratungshaus cronos zeigt den Kunden, welche SAP-Komponenten sie für ihre jeweilige Unbundling-Strategie benötigen

In drei Schritten fit fürs Unbundling

cronos

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Der Fahrplan zum Unbundling ist ein modular aufgebautes Beratungspaket, das direkt auf eventuell bereits in den Unternehmen vorhandene Strategie- oder IT-Konzepte aufsetzt. Denn am besten gehen Versorger in drei Schritten vor. Mit dem “Unbundling-Check” führen sie zunächst eine Ist-Aufnahme durch, auf deren Basis ein Projektteam dann ein individuelles Unbundling-Konzept erstellt. Mit dem dritten Schritt, der Realisierung, setzt das Unternehmen dieses Konzept in Strategie, Organisation, Prozessen und der IT um.

Unbundling-Check

Mit dem etwa zweiwöchigen Unbundling-Check, der zur Konkretisierung des Projektauftrages dient, analysiert cronos mit Hilfe von Fragenkatalogen und Interviews die Ausgangslage im Unternehmen. Die Ergebnisse des Checks werden in Form von Ergebnisprotokollen und Maßnahmenkatalogen festgehalten. Gemeinsam mit den Entscheidern des Kunden erarbeitet der Berater, wie am besten vorzugehen ist. Auf der strategischen Ebene wird bewertet, welche vorher getroffenen Entscheidungen zum Unbundling in die Phasen Konzept und Realisierung aufgenommen werden sollen. Auf der Ebene der Prozesse analysieren die Projektverantwortlichen vorhandene Abläufe und durchleuchten Prozessdokumentationen sowie die Auswirkungen künftiger Änderungen in den Prozessen. Als Leitfaden dient ihnen ein Modell von cronos, das die Prozesse eines Versorgungsunternehmens in Form einer Checkliste abbildet und somit ein strukturiertes Vorgehen sicherstellt.

SAP-Komponenten erleichern Zweivertragsmodell

Auf der Ebene der IT werden die Anforderungen an die bestehenden Lösungen erfasst. Zum einen muss hier geklärt werden, wo bei einer Umstellung auf das Zweivertragsmodell noch Handlungsbedarf besteht. Bereits beim Check trifft das Team Vorbereitungen dafür, eventuell noch benötigte SAP-Komponenten zu implementieren. Es handelt sich um die Komponenten IS-U / Intercompany Data Exchange Extended – German Electricity (IDEX-GE), IS-U/ Energiedaten-Management (EDM), IS-U/ Intercompany Data Exchange (IDE) sowie die SAP NetWeaver Exchange Infrastructure (SAP NetWeaver XI).
SAP IS-U/ EDM verwaltet unter anderem die Informationen zu Verbrauchsprofilen, ermittelt Abweichungsmengen von diesen Profilen und bildet Bilanzierungseinheiten ab. SAP IS-U/ IDE steuert den Datenaustausch mit den Marktpartnern über SAP NetWeaver XI, simuliert Versorgungsszenarien oder führt die Benutzer durch einen Lieferantenwechsel. Die SAP-R/3-Komponente IDEX-GE für den Strombereich deutscher Energieversorger enthält vorkonfigurierte Prozesse auf Basis der Ergebnisse des Projekts “Verbändeverordnung II für SAP” (VVII@SAP), einer freiwilligen Vereinbarung der Versorgerverbände mit dem Bund zur Umsetzung der Verbändeverordnung II in SAP-Projekten. Die Funktionalität bietet auch Erweiterungen für ein Unbundling-fähiges Berechtigungskonzept. Dieses soll verhindern, dass der Vertrieb Einblick in die Netzdaten erhält.

Konzeptphase

In der etwa zweimonatigen Konzeptphase geht es darum, aus den Ergebnissen des Unbundling-Check Vorschläge zur Umsetzung auszuarbeiten. Cronos überprüft gemeinsam mit dem Unternehmen dessen strategische Ausrichtung und gestaltet ein Konzept zur Umsetzung der Sollstrukturen und –prozesse. Ergebnis dieser Phase ist ein IT-Pflichtenheft, das ein konkretes Umstellungsszenario enthält.
Im Bereich der Strategie ist es besonders wichtig, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und langfristig die wirtschaftliche Selbständigkeit sicherzustellen. Entschließt sich das Unternehmen beispielsweise zum Aufbau einer eigenen “Shared-Service”-Organisation, kann es durchaus Sinn machen, eine solche Dienstleistung auch aktiv nach außen zu vermarkten. Schließlich gilt es, Unbundling nicht allein als bürokratischen Akt zu begreifen, sondern als Möglichkeit, das Unternehmen neu auszurichten und so seine Wettbewerbsfähigkeit im liberalisierten Markt zu stärken. So zeigen die Berater auch Chancen für mehr Kundenorientierung oder für eine Stärkung der internen Selbstverantwortung und Leistungsorientierung auf.
Auf Prozessebene erfasst das Unbundling-Konzept kritische Prozesse wie Lieferantenwechsel, Hausanschluss oder Forderungsmanagement. Bei einem Wechsel des Lieferanten muss dafür gesorgt sein, dass der bisherige Lieferant bis auf die historischen Daten keine Informationen mehr über seine ehemaligen Kunden vom Netzbereich erhält, da er ansonsten einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Anbietern hätte. Über neue Hausanschlüsse in Neubaugebieten muss das Netz allen Vertrieben Informationen geben, nicht nur dem “eigenen” Vertrieb. Im Falle des Forderungsmanagements, das bisher das gesamte Unternehmen betraf, muss neu geprüft werden, ob es künftig nur den Vertrieb oder auch das Netz betrifft. Neben der informationstechnischen Betrachtung sollten hier gezielte Verfahrensanweisungen entwickelt werden, mit denen sich die vom Gesetzgeber geforderte Diskriminierungsfreiheit gewährleisten lässt.
In dieser Phase erstellen die Projektverantwortlichen ein ausführliches Pflichtenheft als Grundlage für die anschließende IT-Implementierung. Es sollte dezidierte Vorgaben für die Umstellung auf das Zweivertragsmodell enthalten. Im Rahmen der Konzeption muss sichergestellt sein, dass etwa Mitarbeiter im Kundenservice oder Back Office entsprechend ihrer Rolle keinen betriebswirtschaftlichen Vorteil aus der Einsicht in wirtschaftlich sensible Daten ziehen können.

Realisierung in mehreren Schritten

Der Konzeptionsphase folgt die etwa dreimonatige Realisierung der Anforderungen. Die Umsetzung der Konzeptergebnisse geschieht sinnvollerweise in mehreren Schritten: Zunächst sollte das Unternehmen seine IT Unbundling-konform machen und erst danach seine Funktionalitäten zur Prozessunterstützung erweitern. Gerade bei der Implementierung des elektronischen Datenaustauschs mit allen Marktpartnern ist dies anzuraten: Zunächst sollte ein Unternehmen den elektronischen Datenaustausch mit dem eigenen Händler realisieren, bevor es das Verfahren auf die Kommunikation mit allen Lieferanten ausweitet. Nun setzt das Projektteam die Konzepte nach einem genauen Plan in den IT-Lösungen um – unter anderem mit Hilfe von Contract Conversion Services, einem automatisierten Verfahren der SAP AG zur Umstellung von einem auf zwei Verträge. Organisations-Templates oder Verfahrensregeln, etwa für den künftigen Umgang mit der Regulierungsbehörde, sind weitere Hilfsmittel für die Realisierung. Die gesamte Projektlaufzeit wird von qualitätssichernden Maßnahmen begleitet, so dass die Ergebnisse der einzelnen Phasen immer wieder kritisch hinterfragt und an den strategischen Vorgaben gemessen werden. Mehr Informationen:
www.cronosnet.de

Uwe Pagel

Uwe Pagel

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