Fit für den Arbeitsmarkt mit SAP

Feature | 6. September 2006 von admin 0

Die Situation ist bedrückend: Viele Schulabgänger in Berlin und Brandenburg finden keinen Ausbildungsplatz, obwohl sie ausbildungsfähig und -willig sind. Grund genug für die Schulleitung des Berliner Oberstufenzentrum für Bürowirtschaft und Dienstleistungen (OSZ), sich mit dieser Problematik zu befassen und nach neuen Lösungswegen zu suchen. Das OSZ wollte den Jugendlichen ohne Ausbildungsstelle zum einen die Chance bieten, eine vollzeitschulische kaufmännische Berufsausbildung mit Praktikum und IHK-Abschluss zu absolvieren. Doch die Schule wollte mehr. Dazu Jochen Scholz, Mitglied der Schulleitung: „Unsere Schüler sollten nicht nur einen Abschluss erhalten. Wichtig war uns eine hohe Qualität der Ausbildung mit klarem Praxisbezug. Zudem wollten wir Verständnis wecken für die Komplexität innerbetrieblicher Prozesse.“
Aus diesem Anspruch heraus entstand die Anforderung, die Bedürfnisse künftiger Arbeitgeber in der Ausbildung stärker zu berücksichtigen. In heutigen Unternehmen verändern sich die Jobprofile der kaufmännischen Mitarbeiter nachhaltig: Klassische kaufmännische Tätigkeiten nehmen ab, IT- und explizit ERP-Systeme bestimmen heute maßgeblich die betrieblichen Abläufe. Doch auf den Umgang mit betriebswirtschaftlichen Anwendungen sind viele Berufsanfänger durch ihre Ausbildung noch immer unzureichend vorbereitet. „Unser Anspruch ist es, den Unterricht komplex, bereichsübergreifend und prozessorientiert zu gestalten – so wie Unternehmen heutzutage eben arbeiten“, erklärt dazu Jochen Scholz.

Praxisnahe Ausbildung

Wie komplexe Prozesse in verschiedenen Unternehmensbereichen ablaufen, lernen die Schüler des OSZ anhand einer virtuellen Modellfirma. Bei der Suche nach einer geeigneten Software, die Geschäftsprozesse wirklichkeitsgetreu abbildet, war man schnell von den Vorteilen der betriebswirtschaftlichen SAP-Anwendungen überzeugt. Einerseits werden die Schüler durch den Einsatz von Produkten des Marktführers mit den Standards vertraut, die in zehntausenden von Unternehmen die Abläufe steuern. Zudem bietet die ERP-Software von SAP eine starke Prozessorientierung auf Basis einer bewährten betriebswirtschaftlichen Grundkonzeption. Die Anwendungen sind an praktisch alle Anforderungen des unternehmerischen (und hier: des schulischen) Geschehens anpassbar. Die Schulleitung ist von der SAP-Anwendung überzeugt: „Mit diesem ERP-System können wir alle zentralen Unternehmensprozesse aus Einkauf, Vertrieb, Produktion und Personal darstellen und anschaulich machen. Damit decken wir die wesentlichen Bereiche des kaufmännischen Curriculums ab.“
Die schulische Ausbildung mit der SAP-Software ist in zwei große Lernbereiche gegliedert: „Lernen im Modellunternehmen“ und „Lernen am Modellunternehmen“, quasi Praxis und Theorie. Sämtliche kaufmännischen Tätigkeiten erleben die Schüler im Modellunternehmen mit Hilfe der SAP-Software. Dabei wird mit jedem Ausbildungsjahrgang nach und nach ein eigener, virtueller Konzern aufgebaut, die „Außenwelt“ dabei durch die Lehrkräfte simuliert. Den Anfang bilden sechs Schülergruppen, die als Filialen eines Handelsunternehmens agieren. Jede Filiale spielt die gleichen Muster-Szenarien durch: So werden Aufträge in der Software bearbeitet, Bestellungen entgegen genommen, Kundenanfragen beantwortet. Schrittweise kommen weitere Unternehmensbereiche und -prozesse hinzu, Filialen werden in die Personalabteilung umgewandelt, in ein Profit Center oder die Einkaufsabteilung. Eine Schülergruppe übernimmt das Controlling der einzelnen Abteilungen. So wird am Ende aus einem Handelsbetrieb ein gut funktionierender, lukrativer Produktionsbetrieb.
Auf Basis des praktisch Gelernten reflektieren die Schüler die erarbeiteten Prozesse, vertiefen und ergänzen sie theoretisch. „Lernen am Modellunternehmen“, der zweite große Baustein im Lehrkonzept, führt so die klassischen Fächer wie Rechnungswesen, Wirtschaftslehre oder Bürowirtschaft in einem ganzheitlichen Kontext zusammen.
Doch nicht nur im betriebswirtschaftlichen Unterricht kommt die Anwendung zum Einsatz. „Mir gefällt die Arbeit mit der SAP-Software, da wir viel mehr als nur kaufmännische Prozesse durch dieses Programm lernen können, etwa über IT und Customizing“, berichtet Nico Neumann, Schüler des OSZ, aus seinen Erfahrungen.

Unterstützung durch SAP University Alliances

SAP University Alliances

SAP University Alliances

Ermöglicht wurde die Umsetzung dieses neuartige Lehrkonzept durch das University Alliances Programm der SAP. Als die Schule 2002 auf dieses Programm aufmerksam wurde, war es etwas Besonderes, als berufsbildende Schule daran teilzunehmen. Doch das Konzept passte zu den Anforderungen der Schule, und so wurde das OSZ als eine der ersten Schulen ein reguläres Mitglied der SAP University Alliances. Seitdem erhält die Schule über das Hochschul-Competence-Center (HCC) in Magdeburg Zugang zur jeweils neuesten SAP-Technologie. Gleichzeitig stellt das HCC die professionelle Systembetreuung sicher. Die SAP-Software ist auf einem Server des HCC installiert und wird der Schule über das Internet zur Verfügung gestellt.
Das Lehrer-Kollegium profitiert vor allem von den Inhouse-Schulungen des HCC. Bislang wurden mehr als 70 Lehrerinnen und Lehrer kostenlos im Umgang mit SAP-Produkten ausgebildet. Dabei stellen die vom HCC zur Verfügung gestellten ablauffähigen Fallstudien eine große Erleichterung für den Einstieg dar.
Durch das Netzwerk der SAP University Alliances, das verschiedenste Bildungseinrichtungen verbindet, knüpfte die OSZ Kontakte zu Fachhochschulen und Universitäten, etwa der FH Brandenburg oder der Universität Hamburg. Die Zusammenarbeit reicht heute so weit, dass Ausbildungsinhalte abgestimmt und gemeinsam Curricula entwickelt werden. Hier zeigt sich eine Stärke von SAP University Alliances: Die Curricula verbinden die theoretischen Anforderungen an die Unterrichtsinhalte mit praxisrelevanten Werkzeugen. Kein Wunder also, dass viele Schulen – selbst in Dänemark, wie das International Business College in Aabenraa – das Lehrmodell übernehmen wollen.
„Unser Ziel ist es, jungen Menschen eine moderne, praxisnahe Ausbildung zu ermöglichen. Für Studierende ist es ein enormer Vorteil, wenn sie nach ihrem Abschluss auf dem Arbeitsmarkt mit SAP-Software-Kenntnissen punkten können. Und nicht erst im Betrieb lernen müssen, was Prozessorientierung und der Umgang mit SAP-Software bedeuten“, erklärt dazu Heino Schrader, Direktor SAP University Alliances Deutschland.

OSZ

OSZ

Im OSZ hat das University Alliances Programm der SAP seine Ziele erreicht. Bei der Suche nach einer Arbeitsstelle haben die Absolventen heute gute Chancen. Viele von ihnen sind direkt in Bereichen tätig, in denen sie mit SAP-Software arbeiten, etwa bei der Bundeswehr. Mittlerweile kommen sogar Unternehmen aus der Region – wie etwa die Wasserbetriebe Berlin – aktiv auf das OSZ zu, um von der Schule und deren Auszubildenden zu lernen. Schule als Kompetenzzentrum für Unternehmen – ein voller Erfolg für das OSZ und die SAP University Alliances.

Stephanie Raabe

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