Framework-Technologie verbindet Anwendungen, Dokumente und Prozesse (Teil 2)

Feature | 22. März 2004 von admin 0

Zur Erläuterung der Framework-Technologie bietet sich ein Vergleich mit dem Betriebssystem eines Rechners an. Auf einem Computer werden unterschiedliche Programme installiert, die sich in der System-Registry eintragen. Wird dann beispielsweise im Windows Explorer eine Datei angeklickt, findet das Betriebssystem selbständig das richtige Programm zum Öffnen dieser Datei, startet es, reicht die Datei an eine andere Anwendung weiter oder schließt die Datei am Ende des Arbeitsvorgangs. Zu jedem Zeitpunkt behält das Betriebssystem die Kontrolle über das konkrete Programm, kann es minimieren, beenden oder in den Vordergrund stellen.

Vorteile der Framework-Technologie

Vorteile der Framework-Technologie

Analog verhält sich das Service Provider Framework. Am Framework registrieren sich Programme, so genannte Service Provider, wie etwa im genannten Vergleich die Programme, mit denen sich SD-Aufträge oder Kreditorenrechnungen buchen lassen. Service Provider verschalen gewissermaßen bestehende SAP Objekte oder Objekte aus Nicht-SAP- Anwendungen. In der Anwendungs-Registry werden an den Service Providern konkrete Konfigurationsvarianten vorgenommen. Beispielsweise lässt sich hier definieren, welche konkrete Workflow-Definition für einen Prozess Anwendung findet, der aus einer Akte zu einem konkreten Aktentyp gestartet werden kann – wie etwa der Prozess Bewerbungsverfahren, als Teil der Personalakte.
In dieser Registry werden auch neue Service Provider, also neue Programme, eingetragen. Das Service Provider Framework vermittelt zur Laufzeit zwischen den verschiedenen an einer SAP-Lösung beteiligten Programmen. Im Falle des SAP Records Management kommunizieren über das Framework Akten mit Dokumenten, die in Akten enthalten sind, genauso wie mit Kreditorenrechnungen oder Aufträgen. Dabei müssen Akten, Aufträge, Rechnungen und Dokumente als jeweils eigenständige Objekte betrachtet werden, die eine unabhängige Implementierung aufweisen.

Customizing oder Erweiterung durch Implementierung?

Namhafte Unternehmen wie die Deutsche Postbank, KarstadtQuelle oder die Westdeutsche Immobilien Bank setzen bereits auf SAP Records Management. Bei all diesen Kunden war gefordert, SAP Records Management mit Nicht-SAP-Komponenten zu ergänzen. Beispielsweise wurden Groupware-Systeme oder spezielle Systeme zur Bewertung von Immobilien in die Lösung für das Akten-Management eingebunden. Hier zeigte sich die Stärke des Framework-Ansatzes: Es war lediglich notwendig, die Nicht-SAP-Programme als Services zu registrieren, damit diese mit bestehenden Objekten in Wechselwirkung treten konnten. Die Lösung ist konsequent offen und gewährleistet dabei Modifikationsfreiheit.
Aus der Möglichkeit, eine Anwendung modifikationsfrei durch eine kundenspezifische Implementierung zu erweitern, ergibt sich ein weiterer Vorteil. Die Framework-Technologie erweist sich häufig dem Ansatz überlegen, ein hochkomplexes Customizing oder eine Vielzahl an Konfigurationsmöglichkeiten anzubieten, die eine Standardsoftware auf konkrete Kundenbedürfnisse zurechtstutzt. Häufig ist es einfacher, für eine spezifische Kundensituation Erweiterungen zu implementieren. Die mit einer kundenspezifischen Implementierung erzielten Ergebnisse entsprechen in aller Regel schon deshalb viel stärker den tatsächlich formulierten Kundenbedürfnissen, weil die Erweiterungen in Zusammenarbeit mit den Endanwendern entstehen.
Der Nachteil: Eine Erweiterung durch Implementierung erfordert weitaus mehr spezifisches Wissen der Projekt-Beteiligten als eine simple Systemkonfiguration durch Customizing. Welcher Ansatz letztendlich schneller zum Ziel führt, lässt sich jeweils erst für eine konkrete Problemstellung entscheiden.

Weitere Anwendungen basieren auf dem Service Provider Framework

Inzwischen bedienen sich viele weitere SAP-Anwendungen des für SAP Records Management entwickelten Service Provider Framework. So prozessiert mySAP Financials Dispute Management beispielsweise Streitfälle wie Rechnungsreklamationen und protokolliert alle in diesem Prozess anfallenden Dokumente in einer Vorgangsakte. In mySAP Financials lässt sich darüber hinaus der Prozess der Bilanzerstellung und der Quartalsberichterstattung in einer Form dokumentieren, die dem neuen US-Gesetz für mehr Transparenz im Berichtswesen (Sarbanes Oxley Act) entspricht. Die Lösung mySAP Customer Relationship Management wiederum enthält beispielsweise eine Vorgangsverwaltung für die Abwicklung von Dienstleistungsanfragen, SAP for Public Sector Records Management etwa ist eine Lösung für behördliche Akten.
SAP liefert also mehr und mehr Anwendungen, die Objekte über das Service Provider Framework miteinander in Beziehung setzen und die Funktionalität von SAP Records Management vorkonfiguriert beinhalten. Dabei entfaltet sich der volle Mehrwert des mit SAP Records Management beschrittenen Framework-Ansatzes. Die Offenheit der Lösung gewährleistet nicht nur, dass maßgeschneiderte Kundenlösungen entstehen. Von der Wiederverwendung des Frameworks und der dort realisierten Objekte in verschiedenen SAP-Anwendungen profitieren insbesondere Kunden, die in verschiedenen Anwendungen eine einheitliche Architektur und einheitliche Oberflächen wiederfinden.
Teil 1

Joachim Becker

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