Frauenquote: Warum HP und Microsoft „nein“ sagen

Feature | 17. April 2013 von Christiane Pütter 0

Gunnar Assmy Fotolia_800

Soll es in Deutschland eine gesetzliche Frauenquote für die Besetzung von Aufsichtsräten geben oder nicht – darüber stimmt am morgigen Donnerstag der Bundestag ab. Könnte HP mitentscheiden, hieße die Antwort „nein“. Eva Faenger, Diversity Manager HP Deutschland, erklärt: „Die Quote ist zwar ein wichtiges Signal für die Entwicklungsdynamik in Deutschland, denn das Thema bleibt auf den Agenden der Unternehmen und hält den Druck im System – dennoch greift die Quote zu kurz. Erfolgversprechend ist ein nachhaltiger Veränderungsprozess, der mit der Quote allein noch nicht geschafft ist.“ Faenger plädiert für einen ganzheitlichen Ansatz, der Rahmenbedingungen, Qualifizierung, persönliche Haltung und Unternehmenskultur gleichermaßen berücksichtigt.

Auch Microsoft zeigt sich als Quoten-Gegner. Brigitte Hirl-Höfer, Director HR und Mitglied der Geschäftsleitung Microsoft Deutschland, sagte gegenüber SAP.info: „Unternehmen müssen schon zur Erhaltung ihrer Wettbewerbsfähigkeit stärker auf Frauen setzen. Da bedarf es keiner gesetzlichen Vorgabe. Um den Frauenanteil anzuheben, müssen Unternehmen umdenken. Sie müssen nicht nur die Unterschiede in den Gehaltsstufen entfernen, sondern Frauen gezielt fördern und insgesamt familienfreundlicher werden.“

So sieht es auch McKinsey. Der Unternehmensberater hatte in einer eigenen Studienreihe mit dem Titel „Women matter“ nachgewiesen, dass gemischtgeschlechtliche Teams bessere Entscheidungen treffen. Zur Quote wollte sich das Unternehmen gegenüber der SAP.info nicht äußern – keine Statements zu politischen Fragen. Nach dem Motto „Taten statt Worte“ weist eine Firmensprecherin auf ihr neues „Female Leadership Program“ hin. Damit fördert McKinsey Studentinnen ab dem dritten Semester und Doktorandinnen.

Dem steht die IT-Branche nicht nach. So startete Dell 2010 die Initiative DWEN (Dell Womens‘ Entrepreneur Network), damit sich weibliche Führungskräfte und Unternehmerinnen vernetzen können. SAP hat sich im Mai 2011 auf die Fahnen geschrieben, den Anteil von Frauen in Führungspositionen von 18 Prozent (Jahresbeginn 2011) bis 2017 auf 25 Prozent zu steigern. Jeder vierte Aufsichtsrat bei SAP ist augenblicklich bereits eine Frau.

IBM nimmt für sich in Anspruch, in Sachen Frauenförderung schon früh die Nase vorn gehabt zu haben: „Schon Jahrzehnte vor der gesetzlichen  Verpflichtung zur Gleichstellung etwa berief IBM im Jahr 1943 die erste Frau in eine Führungsposition“, sagte Uta Menges, Diversity and Inclusion Leader IBM Deutschland, gegenüber unserem Magazin. Menges weiter: „Als einer der Unterzeichner der Charta der Vielfalt ist IBM überzeugt davon, dass gelebte Vielfalt und Wertschätzung jeder und jedes Einzelnen positive Auswirkungen auf die Gesellschaft in Deutschland hat.“ Mittlerweile habe das Unternehmen weltweit zahlreiche Initiativen und Programme ins Leben gerufen, um das Potenzial von Diversity zu nutzen.

Wie aus dem Umfeld der Dax 30-Initiative zu vernehmen ist, wollen sich die Unternehmen am kommenden Montag mit einer gemeinsamen Presseerklärung zum Thema Frauenquote zu Wort melden.

Tags:

Leave a Reply