Frisches Design für ein angenehmes Software-Erlebnis

Feature | 21. Mai 2008 von Perry Manross 0

SAP GUI im neuen Gewand Frisches Design für ein angenehmes Software-Erlebnis

Premiere auf der SAPPHIRE 2008 in Orlando: Das neue Oberflächendesign von SAP steht zum ersten Mal im Licht der Öffentlichkeit. In Zukunft wird es charakteristisch für SAP-Software sein. Schon jetzt sind unter anderem SAP Customer Relationship Management 2007 (SAP CRM), SAP Business ByDesign und SAP Business All-in-One sowie SAP Graphical User Interface (SAP GUI) mit dem neuen Look ausgestattet. SAP-intern ist er unter dem Namen „Nova“ bekannt.

Mit dem einheitlichen neuen Aussehen der Benutzeroberflächen ist viel Arbeit verbunden. Eine durchgängige Farbgestaltung allein reicht nicht aus, betont Esther Blankenship, die Leiterin des Teams SAP User Experience (Ux) – Visual Design: „Es klingt einfacher, als es ist. Man kann ein Design, das speziell für ein Eingabemodell gilt, nicht ohne weiteres auf ein vollständig anderes Eingabemodell verwenden“, erklärt sie. Jedes Produkt muss individuell angepasst werden – und hier sind die Grafikdesigner, Interaction-Designer und vor allem auch die Entwickler gefragt.

Chief Development Architect Peer Hilgers ergänzt: „Unsere Produkte bauen auf unterschiedlichen Technologien auf. Das zeigt zum Beispiel der Vergleich von SAP CRM, das webbasiert ist, mit SAP Business One, das als Smart Client auf Basis von C++ läuft. Um das Design optimal an die jeweilige Technologie anzupassen, müssen wir eng mit der Entwicklung zusammenarbeiten.“

Seit die Mittelstandslösung SAP Business ByDesign im vergangenen Jahr im neuen Look auf den Markt kam, hat das SAP Ux – Visual Design Team daher fieberhaft mit verschiedenen Entwicklungsteams zusammengearbeitet, um die gesamte Produktreihe von SAP mit dem neuen Erscheinungsbild auszustatten.

Modegags meiden

Trotz aller technologischen Unterschiede spiegeln die neu gestalteten Software-Produkte eine gemeinsame Designbasis wider. Für den neuen Look hat sich das Team von alltäglichen Gegenständen inspirieren lassen, die man anfassen und fühlen kann. Die Inhaltsseiten besitzen beispielsweise einen Hintergrund wie weißes Porzellan und sind mit einem dunkelblauen Rahmen eingefasst, der an Metall erinnert.

Erinnert an Porzellan und Metall

Geschäftliche Inhalte in greifbarer Form darzustellen, ist für Esther Blankenship ein gutes Gegengewicht für Anwender, die in virtuellen Umgebungen arbeiten und dabei schnell das Gefühlt haben, von der realen Welt abgeschnitten zu sein. Bei der Gestaltung der Oberflächen spielten Modetrends daher keine Rolle. Das Ziel ihres Teams war ein frisches und zeitloses Design auf der Basis solider gestalterischer Prinzipen, etwa Ausgewogenheit bei Spannung und Kontrast sowie Genauigkeit bei den Details. „Wir wollen Anwendern ein einzigartiges Design bieten, das ihnen die Arbeit mit unserer Software noch angenehmer macht: Jedes Produkt soll zeigen, dass unsere Kunden uns sehr wichtig sind“, betont sie.

Dieser Aspekt ist vor allem für Anwender wichtig, die täglich mit einer Lösung arbeiten – die sogenannten „Business User“. „Wenn man Business User für seine Anwendungen gewinnen möchte, muss man sie so gestalten, dass sie gern damit arbeiten“, weiß Blankenship. „Unser Ziel ist intuitive Bedienbarkeit. Leicht bedienbare Funktionen machen unser komplettes Lösungspaket attraktiver. Das verbessert die Wirkung der Software auf die Kunden und unterstützt damit letztlich auch den Vertrieb.“

Gestaltung und Leistung im Gleichgewicht

Der Handlungsspielraum für das Team ist allerdings begrenzt. Häufig diktiert die Leistung, was geht und was nicht. „Das ist ein Kampf um Millisekunden“, betont Lief Jensen-Pistorius, User Experience Development Architect. „Damit sich Design und Leistung nicht behindern, müssen Entwickler so effizient wie möglich programmieren. Und unsere Aufgabe im Visual Design Team ist es herauszufinden, wo wir Bytes von den Komponenten der Benutzeroberfläche einsparen können.“

SAP Business ByDesign

Wie wichtig es für einen Designer ist, den gestalterischen Gewinn eines jeden Designvorschlags gegen den Leistungsverlust abzuwägen, erläutert Peer Hilgers am Beispiel eines Eingabefelds. Ein durchschnittliches HTML-Eingabefeld kann ein äußerst anspruchsvolles Design besitzen, mit abgerundeten Ecken, Farbverläufen und großer Tiefe. Dafür ist allerdings die bildhafte Darstellung der Ränder und des Hintergrunds notwendig, der auf Kosten der Leistung geht. Bei einer Oberfläche mit 30 Eingabefeldern ist der Prozessor schnell überlastet und der Browser arbeitet schwerfällig – zum Ärger der Anwender. Das Team löst diese Anforderung, indem es sich für abgespeckte Eingabefelder entschied. Zum Ausgleich wurden weniger häufige Oberflächenelemente mit mehr gestalterischen Details ausgestattet. „Solche kleinen Kompromisse müssen Designer und Entwickler gemeinsam finden, um das richtige Verhältnis von ansprechender Grafik und hoher Leistung zu erzielen“, betont Hilgers.

Bei browserbasierten Anwendungen, die nicht den gleichen Durchsatz wie installierte Software bieten können, ist der Konflikt zwischen Leistung und Design noch größer. Im Gegensatz zu browserbasierter Software können installierte Programme auf moderne Grafikkarten zugreifen. Hinzu kommt, dass das Team weniger Kontrolle über das Erscheinungsbild einer browserbasierten Anwendung hat, da der Browser selbst eine eigene Anwendung und damit immer als Rahmen um die eigentliche SAP-Lösung sichtbar ist.

Mit dem Design der browserbasierten Anwendungen ist Hilgers dennoch sehr zufrieden: „Alle, die nicht direkt in den Designvorgang involviert waren, konnten die Unterschiede zwischen SAP NetWeaver Business Client und SAP NetWeaver Portal for Business ByDesign nur schwer erkennen“, sagt er. „Daher wissen wir, dass wir auf beiden Seiten gute Arbeit leisten.“

Ein gutes Gefühl

Über die Wirkung einer Software entscheiden die ersten zehn bis 15 Sekunden, weiß Hilgers. Ruft ein Design beim Anwender prompt positive Gefühle hervor, wird er mit größerer Wahrscheinlichkeit weiterhin mit der Lösung arbeiten – und sie weiterempfehlen. Aus diesem Grund nimmt das SAP Ux – Visual Design Team seine Aufgabe sehr ernst. Es entscheidet unter anderem, für welche Bereiche einer Anwendung ein neues Design sinnvoll ist und wie ein einheitliches Aussehen gewährleistet werden kann.

Die Präsentation des Designs auf der SAPPHIRE 2008 war also nur der Anfang eines Weges, auf dem noch viele Meilensteine zu passieren sind. Unter anderem soll bald auch die Anwendungsfamilie SAP Business Suite im neuen Look erstrahlen.

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