Funkchip im Jogurtbecher

Feature | 15. Juni 2005 von admin 0

Voraussetzung für effiziente Abläufe im Zusammenhang mit der Erfassung und Verfolgung von Chargen ist die in der EU-Richtlinie 178/2002 geforderte Warenkennzeichnung. Hier spielen die standardisierten Identifikationssysteme wie RFID oder EAN (Europäische Artikelnummer) künftig eine besondere Rolle: Auf Paletten und Transportverpackungen aufgebracht, ermöglichen es die RFID-Label, winzige Computerchips mit Antenne, die individuellen Produkte von der Produktion bis ins Ladenregal genau zu lokalisieren.

Integriert kommissionieren

Speziell mittelständische Lebensmittelbetriebe sowie Kühlhäuser (zum Beispiel für Tiefkühlmahlzeiten) mit eigener Lagerverwaltung, die Waren oder Materialien kommissionieren und somit für den späteren Versand zusammenstellen und vorbereiten, benötigen einen schnellen und genauen Überblick über ihre Bestände. Das ist nur mittels integrierter Prozesse, die Materialwirtschaft und Warenwirtschaft verbinden, sinnvoll möglich. „Viele kleinere Mittelständler verlangen bereits heute eine direkte Integration ihrer Kommissionierungsprozesse in die Geschäftssoftware“, erklärt Riccardo Sachse, CEO des im sächsischen Ehrenfriedersdorf ansässigen SAP Business Partners Artefact4you. Die SAP-Software bot dem Softwareunternehmen eine ideale Plattform, um eine integrierte RFID-Zusatzlösung für die Kommissionierung zu entwickeln, denn „sie ist zukunftsfähig und investitionssicher“, so der Geschäftsführer.

Die Zusatzlösung von Artefact4you ist modular aufgebaut und unterstützt sowohl EAN als auch RFID. Über einen RFID-Scanner, der in einen PDA integriert ist, werden die auf einem RFID-Label elektronisch gespeicherten Daten eines Produktes ausgelesen. Als zentrale Schnittstelle zwischen SAP Business One und den Prozessen im Lager fungiert das Modul QS.b1.WarehouseManagement. Es ermöglicht dem Lagerverwalter, verschiedene Aktionen für die am System angemeldeten Lagerarbeiter zu erstellen und problemlos zu koordinieren. Dazu gehören beispielsweise so genannte Abarbeitungslisten, welche Positionen für Warenein- oder -umlagerung sowie Kommissionierung beinhalten, die dann einzelnen Lagerarbeitern zugewiesen werden. Eine eigene Bedienoberfläche visualisiert das Lager und unterstützt den Verwalter bei der Koordinierung von Lagerbewegungen und beim Verteilen von Aufträgen. Über zusätzliche Funktionen lassen sich freie Lagerplätze, die auf ein bestimmtes Filterkriterium (beispielsweise die Artikelnummer, eingelagerte Menge etc.) passen, einfach ermitteln und anzeigen.

Wertschöpfungskette abdecken

Das WarehouseManagement-Modul ermöglicht den Zugriff auf die für eine Lieferung in SAP Business One erstellten Kommissionsaufträge. Dabei werden die einzelnen Positionen der Kommissionierung den Abarbeitungslisten der jeweiligen Mitarbeiter zugeordnet oder Rückmeldungen aus dem Lager im Anschluss automatisch mit einem entsprechenden Beleg in SAP Business One abgeglichen. Nachdem eine Ware eingegangen und nach der Abarbeitungsliste im Lager verteilt wurde, erstellt SAP Business One zudem automatisch einen Eingangsbeleg über die betreffenden Artikelpositionen. „SAP Business One und die RFID-Zusatzlösung decken somit die gesamte Wertschöpfungskette von der Warenannahme im Lager bis zur Kommissionierung ab“, stellt Riccardo Sachse fest.

Mittels erweiterter Suchfunktionen in SAP Business One können einzelne Produkte nach Artikelnummer, Artikelname, Artikelschlüssel sowie Hersteller-Katalognummer gesucht werden. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, nur Artikel zu suchen, die vom Hauptlieferanten bezogen werden oder deren Lagerbestand größer Null ist. Die jeweiligen Suchergebnisse werden dann in Tabellenform ausgegeben.
Des Weiteren ist eine Anbindung des Dokumentenmanagementmoduls QS.b1.DocuScan, eine Lösung in Zusammenarbeit mit Kodak, möglich. Eingescannte Dokumente werden so den verschiedensten Belegen sowie den Stammdaten der Geschäftspartner und Artikel zugewiesen. Artefact4you optimiert die RFID-Zusatzlösung zudem kontinuierlich weiter. Sie wird künftig auch um eine integrierte Tourenoptimierung erweiterbar sein, die aus einem gemeinsamen Entwicklungsprojekt mit dem Partner Map&Guide stammt.

Hände frei mit Pick by Voice

Fester Bestandteil und zugleich ein Highlight der Artefact4you-Zusatzlösung ist die sprachgestützte Kommissionierung über das so genannte Pick-by-Voice-Verfahren. Dabei werden den Mitarbeitern im Lager die zu erledigenden Arbeitsschritte per Sprachausgabe über einen Kopfhörer übermittelt. Die Lagerarbeiter bestätigen die einzelnen Arbeitsaufgaben aus einem Pool vordefinierter Befehle jeweils durch Sprachkommandos. Für Riccardo Sachse liegen die Vorteile auf der Hand. „Gerade wenn die RFID-Tags auf Paletten statt auf einzelnen Artikeln angebracht sind, ist mit Pick by Voice eine nahezu fehlerfreie, artikelgenaue Erfassung möglich.“ Ein weiterer Vorteil: Mitarbeiter, die mit Hubwagen oder Gabelstapler im Lager unterwegs sind, bleiben jederzeit erreichbar und haben beim Arbeiten beide Hände frei. „Das ist besonders in Kühlhäusern mit Temperaturen unter minus 20 Grad Celsius relevant, wo die Lagerarbeiten aufgrund der Kälte zügig durchgeführt werden müssen“, hebt der Geschäftsführer hervor.

Mit Pick by Voice lassen sich auch bei der Fehlerbehebung, zum Beispiel wenn Ware aufgrund eines leeren Lagerplatzes nicht kommissioniert werden kann, die Arbeitsschritte von bisher zwölf auf lediglich fünf reduzieren. Dabei werden Parameter wie Wegoptimierung automatisch berücksichtigt und die Lagerarbeiter über entsprechende Sprachbefehle gesteuert. „Langes und umständliches Suchen sowie die damit verbundenen unnötigen Laufwege fallen künftig weg. Das beschleunigt die Arbeitsprozesse“, verdeutlicht Riccardo Sachse.

Schneller ROI, günstiger Preis

Firmen, welche die RFID-Zusatzlösung zu SAP Business One mit Pick by Voice einsetzen, realisieren durch die fast fehlerfreie Erfassung erhebliche Einsparpotenziale. Der Geschäftsführer von Artefact4you beschreibt dies anhand einer Beispielrechnung: Bei einem Unternehmen mit insgesamt 900.000 Auftragspositionen pro Jahr fallen trotz RFID-Scannereinsatz etwa 4.500 fehlerhafte Positionen an (0,5 Prozent). Mit dem Pick-by-Voice-Verfahren lässt sich die Fehlerquote auf 0,1 Prozent (= 900 Auftragspositionen) senken. Dadurch verringert sich die Anzahl der Kundenreklamationen um 3.600 Auftragspositionen, was den administrativen Aufwand, beispielsweise für Gutschriften oder Nachlieferungen, deutlich reduziert. Wird dieser mit zehn Euro pro Reklamation angesetzt, ergibt sich ein jährlicher Return on Investment (ROI) von 36.000 Euro.
Da der SAP Business Partner die RFID-Zusatzlösung überdies zu einem günstigen Preis anbietet, „amortisiert sich diese Investition für mittelständische Firmen relativ schnell“, wie Riccardo Sachse betont. Bei drei Usern unter SAP Business One kostet die Lösung ab 15.000 Euro aufwärts. Die vorkonfigurierte Hardware, einen PDA von Fujitsu Siemens FSC LOOX 710 mit Palmcase und RFID-Scanner, gibt es ab 1.999 Euro. „Mit der RFID-Kommissionierungslösung und SAP Business One gelingt es Mittelständlern nicht nur, jeden einzelnen Jogurtbecher lückenlos zurückzuverfolgen, sondern sie erhalten auch ein integriertes Lösungspaket, das Warenwirtschaft und Lagerhaltung verbindet“, erklärt Riccardo Sachse. „Das sorgt für transparente, flexible und effiziente Prozesse, senkt die Kosten und schafft letztlich Wettbewerbsvorteile.“

Weitere Informationen:

www.a4u.ag/rfid und www.sap.de/rfid

Dr. Andreas Schaffry

Dr. Andreas Schaffry

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