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Elbdudler: Eine ganz andere Unternehmenskultur

Feature | 10. März 2015 von Andreas Schmitz 0

Bei der elbdudler GmbH diskutieren die 38 Mitarbeiter in Peer-Groups über das Gehalt von Kollegen, jeder weiß Bescheid über Einnahmen und Ausgaben der Firma und demnächst macht Geschäftsführer Julian Vester (31) aus dem Unternehmen eine Aktiengesellschaft, damit sich auch die Mitarbeiter daran beteiligen können.

Herr Vester, in Ihrem Unternehmen läuft einiges anders als in herkömmlichen Agenturen und Medienunternehmen, nicht nur in denen, die Social Media in Ihrem Geschäftsmodell haben. Wie kam es dazu?

Wir sind nicht anders um anders zu sein. Mich hat an Agenturen schon immer gestört, wie begrenzt Mitarbeiter dort eingesetzt werden und wie wenig sie dort mitbekommen. Sie werden für einen Teilbereich in einem Projekt gebucht, dessen Ganzes sie nicht ansatzweise begreifen. Zudem ist der Umgang untereinander nicht so, wie ich es mir vorstelle. Bei den elbdudlern haben alle Transparenz – über die Geschäftszahlen, Ausgaben für Projekte, Gehälter bis zu den Kosten fürs Klopapier. Unser wichtigster Wert jedoch ist Respekt – für den Kunden und auch untereinander.

Was bedeutet dies für den täglichen Arbeitsalltag?

Die zentrale Frage ist doch, wie man Leute dazu bringt, Ihre Bedürfnisse zu formulieren. Als ich noch zur Schule ging, hatten wir Probleme mit einer Lehrerin. Da waren sich alle einig. Das habe ich dann im Unterricht angesprochen. Und plötzlich hat keiner mehr seinen Mund aufgekriegt und ich stand alleine da. Schon damals habe ich mich gefragt, warum sich meine Mitschüler nicht getraut haben. Ganz einfach: Weil sie eine Strafe erwartet haben, klar Ihre Kritik zu äußern. Das sollte in einem Unternehmen einfach nicht passieren. Bei uns ist es anerkannt, kritisches Feedback zu geben. Auch wenn es anstrengend sein kann, manches zu diskutieren: Streits werden so geschlichtet, bevor sie eskalieren und zudem einer Ellbogenmentalität vorgebeugt. Gerade für Mitarbeiter, die aus anderen Unternehmen zu uns kommen und nicht aus der Freiberuflichkeit heraus ist diese Art des Umgangs miteinander ein Kulturschock. Sie haben gelernt, Aufgabenhäppchen zu bekommen und dafür gelobt oder bestraft zu werden.

Der Geschäftsführer der elbdudler GmbH Julian Vester wird sein innovatives Konzept auf dem SAP-Forum für Personalmanagement 2015 in Stuttgart vorstellen.

Ist es nicht Aufgabe der Geschäftsführung oder Teamleiter, solche unbequemen Gespräche zu führen?

Als Geschäftsführer sind wir dafür da, Dienstleister für unsere Mitarbeiter zu sein und dafür zu sorgen, dass sie exzellente Arbeit leisten. Warum beispielsweise sollte ich mich in Gespräche über das Wunschgehalt meiner Mitarbeiter einmischen? Die Kollegen können doch viel besser beurteilen, ob ihre Teamkollegen ihren Job gut machen oder nicht. Meine Aufgabe ist dann, zu schauen, ob die Gehälter machbar sind oder nicht. Wir setzen uns ein Ziel, das erreicht werden muss, um sie zu verwirklichen. Wird es erreicht, zahlen wir die höheren Gehälter auch aus. Das Prinzip fördert zudem die Solidarität der Mitarbeiter. Es kommt sogar vor, dass Einzelne mehr Geld für ihre Kollegen fordern.

Als sie vor fünf Jahren die elbdudler gegründet haben, haben Sie sich zunächst kein Gehalt ausgezahlt. Erst als genug auf dem Konto war, wurde Arbeit auch honoriert. Verstehen die Mitarbeiter das?

Wer nichts verdient, kann auch kein Gehalt ausbezahlen. Als wir dann die ersten Projekte gemacht hatten, bekam jeder zunächst 2500 Euro brutto. Inzwischen ist uns allen klar geworden, dass wir mehr bezahlen müssen, für Kollegen mit Familie, wenn wir erfahrene Mitarbeiter bei uns haben und halten wollen. Heutzutage ist Veränderung ja auch der Normalzustand und wir können nicht davon ausgehen, jeden Monat gleich viel Budget zur Verfügung zu haben. Wir müssen ständig überlegen, was man anders machen sollte, über neue Ansätze diskutieren. Dabei entwickeln sich die Mitarbeiter mit, die in die Höhen und Tiefen einbezogen werden. Um noch mehr die Möglichkeit zu schaffen, sie zu beteiligen, baue ich die elbdudler gerade in eine AG um. Es schafft eine einfach Möglichkeit für die Mitarbeiter, sich zu beteiligen und letztlich mehr Selbstbestimmung.

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