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Gemeinsam gegen Menschenhandel

Feature | 6. August 2015 von Stephan Magura 0

Schon seit Jahrhunderten ist die Sklaverei abgeschafft. Dennoch ist Menschenhandel nach wie vor eine Realität. Schätzungen zufolge gibt es derzeit 20 bis 30 Millionen Zwangsarbeiter, die unter unmenschlichen Bedingungen schuften – vom Abbau von sogenannten Konfliktrohstoffen im Kongo über die Fischerei in Thailand bis hin zu Wanderarbeitern in den USA und Nordamerika. Die Gesetzgebung in den USA, Großbritannien und vielen anderen Ländern fordert, dass Unternehmen ihre Lieferketten offenlegen müssen. Zudem sollen sie überprüfen, dass die Zulieferer ihrer Lieferanten faire Löhne und Arbeitsbedingungen bieten.

„Sklaven- und Kinderarbeit ist weltweit allgegenwärtig. Das muss aber nicht sein“, sagt Justin Dillion, Gründer und CEO des Netzwerks „Made In A Free World“. In der Initiative haben sich Privatpersonen, Gruppen und Unternehmen gemeinsam dem Kampf gegen Sklaverei und Menschenhandel verschrieben. „Wir leben in einer digital vernetzten, datengestützten Wirtschaft. Und wir verfügen über die nötigen Instrumente und Informationen, um sklavenähnliche Zustände aufzudecken und zu beenden.“

Dillon und sein Team bei Made in a Free World setzen große Hoffnungen auf die Zusammenarbeit mit Ariba: Die Kooperation soll Unternehmen helfen, mögliche sklavenähnliche Arbeitsverhältnisse in ihren Logistikketten zu erkennen und entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten.

„Unternehmen haben die Macht, eines der größten Menschenrechtsprobleme unserer Zeit zu lösen“, sagt Chris Haydon, SVP im Bereich Product Management bei Ariba. Denn durch die Kombination des Ariba Network mit der FRDM-Datenbank von Made In A Free World (FRDM steht für Forced Labor Risk Determination & Mitigation) könnten Unternehmen mehr Transparenz über ihre Lieferanten – und deren Lieferanten – erhalten.

In folgendem Video sprechen die Inhaber von Made in a Free World über ihre Arbeit für mehr Freiheit:

Chris Haydon, SVP im Bereich Product Management bei Ariba, spricht im folgenden Interview über die Kooperation mit Made in a Free World:

Wie kam es zur Kooperation mit Made in a Free World?

Auf Made in a Free World – kurz MIAFW – hat uns ein Vertriebsmanager von Ariba aufmerksam gemacht. Er hatte Justin Dillon, den Gründer und CEO von MIAFW, bei einer Veranstaltung sprechen hören. Dabei kam ihm sofort der Gedanke, dass wir helfen könnten, diese Zustände zu ändern: Wir machen den Ariba-Kunden das wirklich sehr reale Problem des Menschenhandels in Lieferketten bewusst. Und wir kombinieren unser Netzwerk mit der Datenbank von MIAFW. Dadurch könnten wir dem ein Ende setzen, was als nichts anderes als moderne Sklaverei zu bezeichnen ist.

Welches konkrete Ziel wollt ihr durch diese Zusammenarbeit erreichen?

Chris Haydon: „Wir glauben, dass moderne Sklaverei nur durch die Macht der freien Märkte ausgemerzt werden kann.“

Chris Haydon: „Wir glauben, dass moderne Sklaverei nur durch die Macht der freien Märkte ausgemerzt werden kann.“

Wir glauben, dass moderne Sklaverei nur durch die Macht der freien Märkte ausgemerzt werden kann. Die 2.000 größten Unternehmen der Welt geben jährlich 12 Billionen US-Dollar für Waren und Dienstleistungen aus. Diese Unternehmen, von denen über 75 Prozent dem Ariba Network angehören, haben eine enorme Kaufkraft. Damit können sie sicherstellen, dass ihre Lieferanten ihre Lieferketten und die vorgelagerten Lieferketten offenlegen und faire Arbeitsbedingungen gewährleisten. Sie können somit dazu beitragen, eines der größten Menschenrechtsprobleme unserer Zeit zu lösen. Genau hierfür wollen wir sie gewinnen.

Gibt es international anerkannte Zertifikate für gute Lieferanten, die Ariba und Made in a Free World als Richtschnur nutzen?

Unser Ziel ist es, Tools anzubieten, mit denen Einkäufer ein potenzielles Risiko von Sklaverei in ihren Logistikketten aufdecken können. Zum Einsatz kommen hierbei öffentlich verfügbare Informationsquellen. Die FRDM-Datenbank schlüsselt zahlreiche Produkte und Dienstleistungen bis auf ihre einzelnen Bestandteile auf. Dies reicht bis zu den verwendeten Rohstoffen und den eingesetzten Arbeitskräften. Unternehmen können ihre Einkäufe und Logistikkette mit dieser Datenbank abgleichen und Bereiche erkennen, in denen möglicherweise Zwangsarbeit vorkommt.

Das Ariba Network hilft Unternehmen, auf künftige Risiken aufmerksam zu werden. Denn sie können dort verschiedene Informationen, wie Lieferantenbewertungen, Zahlungshistorie und vieles mehr, miteinander verknüpfen. Zudem haben sie die Möglichkeit, alternative Lieferquellen mit transparenten Lieferketten und fairen Arbeitsbedingungen zu finden. Dadurch lassen sich Risiken eindämmen. In unserem Netzwerk finden Unternehmen auch so genannte Playbooks für einzelne Warengruppen mit Informationen, wie sie Zwangsarbeit erkennen und was sie dagegen unternehmen können.

Sind auch SAP-Kunden in der FDRM-Datenbank gespeichert? Und welche Regeln gelten für Ariba- und SAP-Lieferanten?

Wir stellen Tools zur Verfügung, mit denen man verantwortungsvolle Lieferanten für eine Zusammenarbeit finden kann. Die FRDM-Datenbank wird von MIAFW verwaltet und überwacht. Auf der folgenden Webseite können sich SAP-Kunden näher über diese Datenbank informieren und registrieren lassen: http://www.madeinafreeworld.com/.

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