Soccer team in a huddle

Gewappnet für die nächste Epidemie

Feature | 3. Juli 2015 von Judith Magyar 0

Vor wenigen Tagen starb ein 82-jähriger Mann in Südkorea, der mit Fieber und Atemnot im Krankenhaus behandelt wurde. Wie das Wall Street Journal berichtete, war bei dem Patienten eine Lungenentzündung diagnostiziert worden. Die Obduktion ergab aber, dass er an MERS (kurz für „Middle East Respiratory Syndrome“) gestorben war. Wahrscheinlich hatte er sich im Krankenhaus mit dem hoch ansteckenden Virus angesteckt. Der erste MERS-Patient hatte sich vermutlich beim Besuch einer Kamelfarm im Nahen Osten mit dem Virus infiziert. Wie die meisten Infektionskrankheiten wird auch das MERS-Virus von Tieren auf den Menschen übertragen.

Südkorea kämpft nun gegen einen weiteren Ausbruch der Krankheit. Vorsorglich wurden bereits zahlreiche Schulen und Kindergärten im Land geschlossen. Die Bevölkerung ist verunsichert.

Viren breiten sich rasant aus

Eine der größten Herausforderungen im Kampf gegen Viren ist es, die Krankheitsträger zu identifizieren und nachzuverfolgen. Nachdem die ersten MERS-Fälle in Südkorea bekannt wurden, stehen dort bereits mehr als 1.600 Menschen unter medizinischer Beobachtung.

Der MERS-Ausbruch weckt Erinnerungen an die Ebola-Epidemie, von der Westafrika letztes Jahr heimgesucht wurde. Von 24.288 gemeldeten Infizierten erlagen damals 10.000 Menschen dem Virus.

Um schwerwiegende Epidemien zu verhindern, muss das öffentliche Gesundheitswesen deshalb schnell und zuverlässig eingreifen. Es gilt, die Erreger frühzeitig bei Menschen und Tieren zu erkennen, die richtige Diagnose zu stellen und im Ansteckungsfall sofort geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Gleichzeitig muss die medizinische Arbeit international abgestimmt werden, um eine weltweite Ausbreitung der Krankheit zu verhindern.

Krankheiten mit Daten bekämpfen

Die SAP hat gemeinsam mit anderen Einrichtungen, darunter dem Hasso-Plattner-Institut in Potsdam und dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, das SORMAS-Projekt ins Leben gerufen, kurz für „Surveillance and Outbreak Response Management and Analysis System“.

Mit dieser mobilen Anwendung können medizinische Helfer systematisch Informationen zu infizierten Personen und deren Kontakte erfassen, von denen sie über medizinische Hotlines und Gesundheitszentren erfahren. Die Daten werden dann ausgewertet und an geschulte Betreuer weitergeleitet. Bei Bedarf können diese sofort reagieren und zum Beispiel Maßnahmen zur Desinfektion oder Quarantäne einleiten. Im Kampf gegen tödliche Infektionskrankheiten ist die Mitarbeit der Bevölkerung von entscheidender Bedeutung.

Was steckt hinter SORMAS?

Durch die Anwendung von Methoden des Design Thinking und der agilen Softwareentwicklung wurde die Lösung auf der SAP HANA Cloud Platform entwickelt. SORMAS analysiert die erfassten Patientendaten in Echtzeit. Prognose-Tools berechnen dann, an welchen Orten sich die Krankheit wahrscheinlich weiter ausbreiten wird. Durch Infografiken von SAP Lumira kann auch die Öffentlichkeit informiert werden. Und mit dem Ariba-Netzwerk können schnell geeignete Anbieter von medizinischen Lösungen gefunden werden.

Irfan Khan, CTO für Global Customer Operations bei SAP, stellte die Lösung kürzlich auf den IT-Messen IoTx and Big Data Show in Dubai vor.

„Unsere SAP HANA Cloud Platform ermöglicht eine Echtzeit-Verarbeitung in einer zentralen Datenbank, auf die einfach über mobile Endgeräte zugegriffen werden kann. Ärzte und Pflegekräfte können so die Symptome ihrer Patienten erfassen, eine erste Diagnose erstellen und Änderungen im Krankheitsverlauf von überall und zu jeder Zeit verfolgen“, erläutert Irfan.

Die SAP unterstützt den Global Fund zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria im Kampf gegen die Ausbreitung tödlicher Krankheiten auf dem afrikanischen Kontinent. Außerdem arbeitet sie gemeinsam mit dem brasilianischen Start-up-Unternehmen Fumajet zusammen, um durch Vektoren übertragene Krankheiten zu bekämpfen. Diese Krankheiten können durch blutsaugende Tiere wie Mücken, Zecken oder Flöhe auf andere Menschen übertragen werden. Momentan ist Fumajet in Brasilien, Angola, der Dominikanischen Republik sowie Äquatorialguinea tätig.

 

Bildquelle: Shutterstock

Tags: , , , , ,

Leave a Reply