Google Glass auf dem Laufsteg

Feature | 14. Oktober 2013 von David Trites 0

Foto: Shutterstock

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Bei Big Data geht es darum, aus riesigen Datenmengen verwertbare Informationen zu gewinnen. Dabei kristallisieren sich Muster, neue Ideen und Grundlagen für lohnende Entscheidungen heraus. Wichtig für Modehersteller: Ihr Erfolg hängt davon ab, dass sie für die nächste Saison die richtigen Dekors, Farben, Stoffe, Formen und Größen auswählen. Da kommt ihnen Big Data wie gerufen.

Soziale Medien als Quelle für Big Data in der Modewelt

In sozialen Netzwerken tummeln sich mehr als eine Milliarde Menschen, und sie alle müssen sich kleiden. Mode ist per se eine gesellschaftliche Angelegenheit, und so überrascht es nicht, dass Tag für Tag Millionen heiße Tipps online ausgetauscht werden – über Likes, Kommentare, Tweets, Pins, Favoriten und Instagram-Postings.

Immer mehr große Designer, Markenhersteller und Handelsunternehmen machen sich soziale Netzwerke zunutze, um ihre Kunden so intensiv einzubeziehen, wie es zuvor nur Luxushäusern möglich war. Sie holen Meinungen und Feedback zu ihren Produkten und zu den neuesten Trends ein – vom ersten Entwurf bis zum Facebook-Foto, mit dem der besten Freundin das schicke neue Kleid gezeigt wird. Bei dieser Form der Interaktion mit den Kunden fallen große Mengen nützlicher Daten an und die Branche erlebt einen Kulturwandel.

So mag es beispielsweise nach wie vor ein spannendes Vergnügen sein, die Mercedes-Benz Fashion Week zu besuchen, aber es ist nicht länger der einzige Ort, an dem man die neuesten Entwürfe der Topdesigner bewundern kann. Immer mehr führende Designer und Markenhersteller sind dazu übergegangen, ihre neuen Entwürfe vorab und während der Shows online zu stellen:

  • Oscar de la Renta zeigte eine Kollektion exklusiv auf Instagram.
  • Burberry verbreitete über seinen Tweetwalk Backstage-Aufnahmen per Twitter, noch bevor die Models die Bühne betraten.
  • Diane von Furstenberg und ihre Models setzten sich Google-Glass-Brillen auf, um ihre Fans unmittelbar an der Fashion Week teilhaben zu lassen.
  • Michael Kors schloss sich gemeinsam mit Dutzenden anderen Designern, Markenherstellern und Stilberatern mit Pinterest zusammen, um eine Fashion-Week-Seite anzubieten.
  • Designer und Blogger starteten eine Werbeaktion, um auf Tumblr im Vorfeld auf die Show neugierig zu machen.

Wenn das Model über den Laufsteg schreitet, haben also Millionen Menschen die Kreation bereits gesehen und längst entschieden, ob sie etwa lieber zarte Stick- oder grobe Streifenmuster hätten.

Für die Modebranche ist es ein Geschenk des Himmels, eine so wichtige Veranstaltung auf einer Plattform verbreiten zu können, die große und ganz unterschiedliche Kundenkreise anspricht. Besonders das Feedback, das ganz unmittelbar eingeholt werden kann, birgt erheblichen wirtschaftlichen Nutzen.

Social Media kommen der Vogue zuvor

Auch die größten Abnehmer und Modezeitschriften bekommen den Einfluss sozialer Medien zu spüren. Blogger, Berühmtheiten und Fotografen, die in den sozialen Medien über eine große Anhängerschaft verfügen, machen ihnen ihre Macht und ihre angestammten Plätze in der ersten Reihe streitig. Diese neuen Trendsetter beeinflussen das Denken von Millionen, noch bevor der Herausgeber der Vogue von der Aftershowparty nach Hause kommt.

Zukunftsorientierte Unternehmen sind dabei, über die sozialen Medien hinaus völlig neue Konzepte für Fashion Weeks zu entwerfen. Tory Burch hat eine Microsite entwickelt, die jeden Aspekt ihrer Show in Echtzeit lebendig werden lässt. Die Besucher können die Kollektion nach Kleidung und Trends filtern, Inhalte in die sozialen Medien einstellen und sogar auf dem Laufsteg gezeigte Entwürfe vorbestellen. Die Site wird während der gesamten Saison immer wieder aktualisiert, um das Interesse der Fans wachzuhalten. Tory Burch hat zwei wesentliche Aspekte der Modewelt verschmolzen, die früher völlig getrennt waren: Sie hat eine einst exklusive Veranstaltung für Besuchermassen geöffnet und eine Modenschau in einen Online-Shop verwandelt.

Analyse-Software von SAP erkennt neue Trends

Auch Technologieanbieter spielen bei der digitalen Verwandlung der Modebranche eine große Rolle. Abgesehen von den bereits erwähnten sozialen Medien bieten Unternehmen wie die SAP Analysesoftware an, die ihren Kunden durch die Auswertung riesiger Datenmengen binnen Sekunden handfeste wirtschaftliche Vorteile erschließt. Analysesoftware für Big Data gibt Herstellern und Händlern der Modebranche umgehend und in jedem Abschnitt des Produktlebenszyklus Aufschluss darüber, welche Trends im Kommen sind und welche abflauen. So können sie die Entwürfe, die Produktion und das Marketing bereits im Vorfeld neuer Kollektionen danach ausrichten und Absatzrisiken vermeiden.

Es steht außer Frage, dass Big Data die Modebranche von Grund auf verändert. Man darf gespannt sein, wie es weitergeht. Über die sozialen Medien öffnet sich die Branche für Millionen Modeliebhaber, die darauf brennen, ihre Meinung kundzutun. Die Hersteller, die die Weisheit der Vielen am klügsten und schnellsten zu nutzen wissen, werden in jeder Hinsicht die beste Figur abgeben.

 

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