Dreifache Herausforderung

Feature | 4. April 2007 von admin 0

Wer kann sich schon eine Eröffnungsrede für 91 Millionen Dollar leisten? Niemand. Aber in dieser Höhe veranschlagte Amit Chatterjee, als Senior Vice President für die Markteinführung der SAP-Lösung für Governance, Risk and Compliance zuständig, die Verluste, die Unternehmen weltweit während seiner 70-minütigen Rede durch ungelöste GRC-Probleme entstehen. Dem Public Company Accounting Oversight Board zufolge haben Unternehmen im Jahr 2005 dadurch insgesamt 638 Milliarden Dollar eingebüßt. Firmen, die sich diesen Aufgaben auch weiterhin nicht stellen, verlieren somit rund 20.000 Dollar pro Sekunde.

Chatterjees Rede war eine von mehreren Eröffnungsreden von SAP-Führungskräften auf den drei parallelen Konferenzen des SAP Insider vom 12. – 14. März in Las Vegas. Der Veranstalter, Wellesley Information Services, fasste seine Events zu den Themen „Financials“, „HR“ und „GRC“ 2007 zusammen. Rund 5.000 Teilnehmer informierten sich dort drei Tage lang über neue Lösungen und erfolgreiche Strategien und knüpften Kontakte.

Doug Merritt beispielsweise, Executive Vice President und General Manager, Suite Optimization bei SAP Labs, stellte allgemeine Geschäftstrends in der IT vor. Mark White, seines Zeichens CFO von SAP Americas, trug vor, wie sich die Transparenz und Vorhersagbarkeit im Finanzwesen verbessern lässt. Als Dauerbrenner waren die Vorträge rund um Finanz- und Personalwesen sehr gefragt. Doch lässt sich wohl mit Fug und Recht sagen, dass die drängenden Aufgabenstellungen rund um GRC den anderen Themenkreisen die Show gestohlen haben.

Durchschlag bis zum Börsenkurs

Chatterjee ließ harte Fakten sprechen und forderte sein Publikum auf, das Thema GRC offensiv anzugehen. Beispielsweise zitierte er das Wall Street Journal, dem zufolge die Hälfte aller börsennotierten Unternehmen durch mangelnde Compliance schon einmal mit einer Negativ-Meldung Schlagzeilen gemacht hat. Die drastische Folge: 50 Prozent der Fortune-1000-Unternehmen büßten wegen nur einer solchen Meldung rund 20 Prozent ihres Börsenwerts ein. Und, setzte Chatterjee oben drauf, laut Forschungsergebnissen des Beratungshauses Deloitte würden sich 22 Prozent der betroffenen Unternehmen nie ganz davon erholen. Chatterjee: „Wer sich als Unternehmer fragt, ob er wirklich Geld für die Implementierung einer leistungsfähigen GRC-Software in die Hand nehmen soll, hat noch nicht verstanden, welche Risiken und Kosten entstehen können, wenn er es nicht tut.“

SAP hat daher vor rund einem Jahr eine GRC-Einheit gegründet. Die SAP-Lösung für Governance, Risk und Compliance umfasst SAP GRC Process Control, mit der sich zentrale Kontrollen für Geschäftsprozesse etablieren lassen, und SAP GRC Global Trade Services, um Außenhandelsprozessen unter Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften abzuwickeln, grenzüberschreitende Vorgänge zu beschleunigen und bestehende Handelsabkommen optimal auszunutzen.
Als erfolgreiches Kunden-Beispiel nannte Chatterjee Tesoro, eine der größten unabhängigen Mineralölgesellschaften in den USA. Tesoro hat mit der SAP-Lösung seine GRC-Prozesse weitgehend automatisiert und zudem ein transparentes Berichtswesen etabliert.

Mehr Vorschriften, höhere Kosten

Die kanadische Bill 198, der US-Sarbanes-Oxley-Act aus dem Jahr 2002 oder die Code on Corporate Governance Practices in Hong Kong sind nur einige der Bestimmungen, die bei GRC eine Rolle spielen – Tendenz steigend. PricewaterhouseCoopers schätzt, dass sich die Zahl der Verordnungen, die sich auf die IT auswirken, bis 2012 verdoppeln wird. Im Jahr 2010, so die Marktforscher weiter, geben Unternehmen mehr als 855 Millionen Dollar für GRC-Software aus. Das Dilemma: GRC-Aufgabenstellungen ziehen zwar einen beträchtlichen IT-Aufwand und zusätzliche Kosten nach sich, wer sich ihnen jedoch nicht stellt, muss mit einem finanziellen Desaster rechnen.

In einem gemeinsamen Vortrag zeigten daher Louise Stonehouse, SAP, und Daphne Teo, PricewaterhouseCoopers, Möglichkeiten auf, wie sich der ROI von Ausgaben rund um GRC steigern lässt. „Eine gute Corporate Governance zahlt sich aus. Sie zeigt sich zwar scheinbar nur in immateriellen Aspekten, etwa der Markenwirkung und dem Ruf eines Unternehmens – doch schließlich lassen sich Pluspunkte dort meist auch unmittelbar in steigende Aktienkurse ummünzen“, argumentierte Louise Stonehouse.

Vorträge wie der von Erwin Heblon vom Elektronikunternehmen Jabil rundeten die dicht gepackte GRC-Agenda ab. Heblon berichtete, wie Jabil mit SAP xApp Analytics for Corporate Governance in Verbindung mit SAP Management of Internal Controls seine Anforderungen an Corporate Governance ganzheitlich abgedeckt hat. Suzanne Flannery von Ogilvy & Mather wiederum trug vor, wie ihr Unternehmen mit einem Personalinformationssystem die Bestimmungen des Sarbanes-Oxley Act erfüllt. Flannery betonte, solche Prozesse seien immer als kontinuierliche Aufgabenstellung zu verstehen, bei denen es besonders wichtig sei, alle Vorgänge so akribisch wie möglich zu dokumentieren.

SAP Annual Finance & HR Leadership Award

GRC war zwar das dominierende Thema der Veranstaltung, aber keineswegs das einzige. Doug Merritt beispielsweise benannte in seinem Vortrag über allgemeine Trends, Finanz- und HR-Themen die fünf derzeit wichtigsten betriebswirtschaftlichen Treiber. Zum einen sieht Merritt Unternehmen im Vorteil, die völlig neue Geschäftsmodelle ausprobieren. Wichtig ist seiner Ansicht nach ebenso, den Kunden in den Mittelpunkt der Prozesse zu stellen und nicht aus den Augen zu verlieren, dass durch den globalen Zugang zu Produkten, Dienstleistungen und Kunden die Welt „kleiner“ wird. Corporate-Governance- und Compliance-Themen sorgfältig aufzugreifen, ist auch für Merritt unabdingbar, vor allem in Hinblick auf seine fünfte Anregung, sich nicht den Zugang zu globalen Geldmitteln zu verbauen.

Merritt wies zudem auf die Ergebnisse des laufenden SAP/ASUG-Benchmarking-Programms hin. Mit dieser Initiative ermöglicht es SAP ihren Kunden, den Nutzen der Technologie zu bewerten und die Ergebnisse mit denen anderer Unternehmen zu vergleichen. Als Beispiel zog Merritt Unternehmen aus der High-Tech-Branche heran. Spitzenreiter bei der HR-Performance generieren in dieser Branche ein Betriebsergebnis pro Mitarbeiter, das 16 Prozent höher liegt als der Durchschnitt. Diese Spitzenreiter haben wichtige Gemeinsamkeiten: Ihre IT ist an den Geschäftszielen ausgerichtet, die Performance der Prozesse wird gemessen und bewertet, ihre Systeme sind konsolidiert und – wo möglich – verwenden sie Shared Services.

Merritt und sein Mitreferent Chakib Bouhdary, Senior Vice President, Value Engineering, SAP Americas, vergaben darüber hinaus eine neue Auszeichnung, den SAP Annual Finance & HR Leadership Award. Die Auszeichnung ging an Slade Gorton, einen schnell wachsenden Großhändler von Meeresfrüchten mit 320 Millionen Dollar Umsatz und 225 Mitarbeitern. Mit SAP-Software hat Slade Gorton die Kosten im Finanzwesen auf ein Niveau gedrückt, dass – wie das SAP/ASUG-Benchmarking zeigt – um 70 Prozent niedriger liegen als der Durchschnitt. Auch Marathon Oil wurde mit der Auszeichnung bedacht – das Unternehmen hat mit seinen SAP-Anwendungen einen ROI von 158 Prozent erzielt.

Intuitives „People Portal“

Viel Zuspruch fand auch der Vortrag von Steve Savis, Monsanto. Das Unternehmen für Agrarprodukte erzielte 2006 6,3 Millionen Dollar Umsatz. Monsanto hat ein „People Portal“ für Manager, Mitarbeiter und HR-Generalisten aufgebaut. Basierend auf SAP NetWeaver Portal finden sich dort stets aktuelle Personal-, Stellen- und Teaminformationen. Die Mitarbeiter sind nun beispielsweise dazu in der Lage, die Bonusvergabe zu überprüfen, sich Ziele zu setzen, Reviews durchzuführen oder auch eine Nachfolgerregelung zu erarbeiten. Hierfür stehen ihnen auf dem Portal Richtlinien, Prozeduren und Kommunikationsmittel zur Verfügung.
Savis betonte, wie einfach sich die Anwendungen auf dem Portal bedienen lassen. „Wenn die Mitarbeiter erst umfangreich für das Self-Service-Portal geschult werden müssen“, so Savis, „kann das kein Erfolg sein.“ Für das Portal, das 17.000 Mitarbeiter in 64 Ländern und fünf Sprachen bedient, habe das HR-Team die interne Auszeichnung „Passion, Courage & Ability Award for Project Excellence“ erhalten.

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