Gut vorbereitet zu besseren Krediten

Feature | 19. Oktober 2005 von admin 0

Ab Anfang 2007 müssen Banken bei der Vergabe von Krediten die im Regelwerk Basel II vorgegebenen Richtlinien einhalten. Sie sind dann verpflichtet, die Bonität ihrer Kreditnehmer im Rahmen so genannter Ratings zu überprüfen und festzustellen. Basel II ist damit zunächst eine aufsichtsrechtliche Anforderung an die Kreditgeber (in der Regel Banken), sich stärker an betriebswirtschaftlichen Risikomanagementprinzipien zu orientieren. Dreh- und Angelpunkt ist die systematisierte Einschätzung der Kreditwürdigkeit eines Unternehmens auf Basis interner und/oder externer Ratings. Diese beruhen auf umfangreichen Analysen von quantitativen sowie qualitativen Informationen und sollen das Kreditrisiko minimieren. Bei modernen Rating-Verfahren werden künftig besonders qualitative Kriterien, aus denen Aussagen über die zukünftige Entwicklung der Unternehmenssituation abgeleitet werden können, immer stärker in den Vordergrund rücken. Das stellte eine Untersuchung der Unternehmensberatung Haarmann Hemmelrath Management Consultants (HHMC) fest. In die Beurteilung fließen nämlich auch Kriterien wie Geschäftspolitik, Qualität des Managements, Produkte und Produktinnovationen, branchenbedingte Marktentwicklung, Prozesse zu Kunden und Lieferanten sowie das Zahlverhalten mit ein. Die Daten, die dafür erfasst werden, gehen damit weit über bloße Bilanz-, Gewinn- und Verlustrechnung oder die Berechnung einiger Kennzahlen hinaus.

Wissen um Basel II erweitern

Der HHMC-Studie zufolge hat der Mittelstand die Bedeutung von qualitativen Kriterien für die Kreditvergabe inzwischen auch erkannt. Doch was das Wissen mittelständischer Unternehmen um die konkreten Anforderungen von Basel II angeht, gehen die Meinungen auseinander.

Nach einer Umfrage der WGZ-Bank unter rund 1.700 mittelständischen Unternehmen im Rheinland und in Westfalen gaben knapp die Hälfte der Befragten (49 Prozent) an, detaillierte Kenntnisse über Basel II zu besitzen. Immerhin noch 43 Prozent glauben, zumindest grobe Informationen über Basel II zu haben. Die Anzahl der Nicht-Informierten liegt bei lediglich acht Prozent.

Weiter fand die Studie heraus, dass der Wissensstand zu Basel II umso detaillierter ist, je mehr Mitarbeiter ein Unternehmen hat. Eher kritisch sieht Dr. Hans-Joachim Massenberg, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), den Kenntnisstand. „Leider stellen wir immer wieder fest, dass sich ein Teil der mittelständischen Unternehmen, und dies trifft wohl insbesondere für kleinere Mittelständler zu, bis heute noch nicht in ausreichendem Maße mit dem Thema befasst hat“, klagt er. Diese Einschätzung bestätigt auch eine Studie der deutschen Postbank. Demnach sind knapp 18 Prozent der Betriebe mit einem Umsatz bis zu zehn Millionen Euro schlecht oder sehr schlecht über Basel II informiert.
Unter österreichischen Mittelständlern ist offenbar bisher auch noch wenig Bewusstsein für Basel II vorhanden, sagt eine Studie des Instituts für empirische Sozialforschung (IFES), die im Auftrag der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) durchgeführt wurde. So hätten zwar schon 70 Prozent der Befragten von Basel II gehört, 41 Prozent gehen jedoch davon aus, dass sie von den neuen Richtlinien nicht betroffen sind. Erst 16 Prozent hätten mit konkreten Vorbereitungen auf die Herausforderungen von Basel II, etwa im Bereich Controlling oder Bilanztransparenz, begonnen. Die meisten der in Österreich ansässigen Mittelständler scheinen den neuen Regelungen generell sehr gelassen entgegenzusehen.
„Auch bei kleinen und mittleren Unternehmen in der Schweiz könnte die Vorbereitung auf Basel II besser und konsequenter umgesetzt sein“, meint Thomas Steinmann, Geschäftsführer des Schweizer SAP Business Partners ITS Atlantis. Da Schweizer Banken bereits seit etwa zwei oder drei Jahren eine eher restriktive Kreditpolitik auf der Basis von Unternehmensbewertungen verfolgen, hält Steinmann die Mittelständler in der Schweiz gegenüber dem Thema Basel II aber für ausreichend sensibilisiert.
Auch viele deutsche Mittelständler scheinen die Anforderungen von Basel II erkannt zu haben. Laut WGZ-Bank haben bereits jeweils 33 Prozent ihre Eigenkapitalquote erhöht, Planungs- und Controllinginstrumente optimiert oder die entsprechenden Maßnahmen zumindest geplant. Ein Viertel der Befragten (25 Prozent) will die Kommunikation mit ihrer Bank in Zukunft aktiver gestalten. Ebenso viele wollen für kommende Kreditgespräche künftig aussagekräftigere Unterlagen erstellen als in der Vergangenheit. 16 Prozent sehen in der Einführung und Verbesserung des internen Qualitätsmanagements eine Möglichkeit, ihre Kreditwürdigkeit zu erhöhen.

Chance für den Mittelstand

Einig sind sich die Experten, dass die neuen Eigenkapitalrichtlinien Kredite tendenziell verteuern werden (vgl. Postbank-Studie). Allerdings birgt Basel II auch eine Chance für mittelständische Unternehmer. Sie bekommen nämlich ein adäquates und ehrliches Gesamtbild ihres Betriebs. So können sie seine Schwachstellen identifizieren, gezielt Verbesserungsmaßnahmen einleiten und Stärken noch schärfer definieren und konturieren. Das führt zu einem besseren Rating und letztlich zu attraktiveren, weil günstigeren Kreditkonditionen. Für Mittelständler ist es deshalb essenziell, eventuelle Informationslücken beim Thema Rating zu schließen. Je besser die Geschäftsführung eines kreditnachfragenden Unternehmens über den Rating- und Kreditvergabeprozess informiert ist, desto besser kann sie diesen Prozess unterstützen und die Bewertung positiv beeinflussen.
Dabei gibt es die Möglichkeit des internen wie auch des externen Ratings. Bei Letzterem übernimmt nicht das Unternehmen selbst, sondern eine damit beauftragte Rating-Agentur die Bewertung. Mittelständler, die eine Agentur hinzuziehen, sollten allerdings darauf achten, dass diese mittelstandskonform ist, entsprechende Referenzen aufweisen kann und sich verpflichtet, die hohe Qualität ihrer Ratings laufend sicherzustellen und den Schutz vertraulicher Daten und Informationen zu garantieren.
Positiv zu Buche schlagen bei den Banken Maßnahmen, die die Eigenkapitalquote erhöhen oder die Liquiditätsplanung und Planungs- sowie Controllinginstrumente verbessern, aber auch alternative Finanzierungsformen wie Leasing, welche bilanzneutral sind. Sie schonen die Eigenkapitaldecke und verbessern die Wettbewerbsfähigkeit, Kriterien also, die das Rating unter Basel II beeinflussen. Leasingmodelle sind vor allem für Investitionsgüter interessant, deren Innovationszyklen sehr kurz sind. Dazu gehören besonders Produkte und Lösungen der Informations- und Kommunikationstechnik.

Weniger Kreditzinsen mit moderner Software

Kauft ein Mittelständler heute eine Unternehmenssoftware, ist diese möglicherweise schon in den nächsten Jahren veraltet oder – schlimmstenfalls – der Anbieter vom Markt verschwunden. Eine sich in permanentem Wandel befindliche moderne Wissens- und Kommunikationsgesellschaft verlangt auch von Mittelständlern State-of-the-Art-Technologien. Die SAP und ihre Partner bieten daher mittelstandsgerechte Software wie SAP Business One oder mySAP-All-in-One-Lösungen zu günstigen Finanzierungs- und Leasingmodellen an. Das schont einerseits den Geldbeutel der Mittelständler, andererseits erhalten sie von der SAP und ihren qualifizierten Partnern zukunftsfähige und -sichere Softwarelösungen, die ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern.
Auch aus sicherheitstechnischen Aspekten sind moderne IT-Systeme ein Muss. Mit Inkrafttreten von Basel II kontrollieren die Banken nämlich auch die Risikovorkehrungen für IT-Systeme in Unternehmen (zum Beispiel Ausfallsicherheit, Datensicherung etc.). Firmen mit (sicherheitstechnisch) veralteten, schlecht gewarteten oder gar ungesicherten Systemen strafen die Banken durch höhere Kreditzinsen ab. Auch anderweitig kann dies teuer zu stehen kommen. Wenn nicht wenigstens ein umfassender IT-Grundschutz umgesetzt wurde, verweigern die Versicherungen betroffenen Firmen bei Datenverlust die Übernahme von Restrisiken.

Weitere Informationen:

Allgemein: www.bis.org (Website der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, BIZ)
Studien: www.bankenverband.de, www.hhmc.de, www.oenb.at/de/img/newsletter_basel_ii_q1_2005_tcm14-25576.pdf, www.postbank.de/presse, www.wgz-bank.de
SAP AG: www.sap.com, Finanzierung: www.sap.com/germany/solutions/smb/finanzierung/index.aspx

Dr. Andreas Schaffry

Dr. Andreas Schaffry

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