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#HM18: Lieferketten über die Blockchain absichern

Feature | 10. April 2018 von Andreas Schmitz Hot Story

Den Transport von Rohstoffen und Bauteilen effizient gestalten und absichern: Das ist das Ziel der Blockchain, die SAP auf der Hannover Messe 2018 zeigt. Sowohl Konsumenten als auch Fertiger haben so Transparenz über den Ursprung von Produkten.

Elektronische Bauteile sind für die meisten technischen Geräte heute essentiell: Sie befinden sich in Kaffeemaschinen und Zahnbürsten, aber auch in Hightech-Produkten wie Flugzeugen, Autos oder medizintechnische Geräten. Versagt hier die Elektronik, bedeutet das nicht nur einen Umsatzverlust für das Unternehmen, sondern unmittelbar eine Gefährdung für Mensch und Leben. Sind elektronische Komponenten defekt, bleiben Computerprogramme stehen, Wartungskosten steigen und Rückrufaktionen werden nötig – der Ruf des Herstellers leidet. Der Grund für derartige Vorfälle liegt oft darin, dass unwissentlich nicht die Originalbauteile verwendet wurden, sondern Imitate. Auf über acht Milliarden US-Dollar beziffern Experten den Schaden durch gefälschte elektronische Bauteile allein für die Halbleiterindustrie in den USA.

Blockchain: „Deep Dive“ für Fertiger in den digitalen Zwilling

Auf der Hannover Messe zeigt SAP, wie per Blockchain sichergestellt werden kann, dass es sich bei den eingebauten Elektronikkomponenten um das Originalteil handelt. „Immer, wenn die Produkte auf dem Weg vom Produzenten zum Kunden übergeben werden, wird das per Blockchain elektronisch dokumentiert und immer wieder neu verschlüsselt“, erläutert Vladislav Semkin, Innovationsstratege von SAP Digital Business Services: „Sämtliche Informationen sind in einem zentralen Dokumentenfluss enthalten, der von allen Beteiligten einsehbar ist.“ Ob die Verladung der Originalteile in einen LKW, das Umladen in einen Container zur Verschiffung oder die Verzollung im Hafen: Per „Deep Dive“ in den digitalen Zwilling einer Abfüllanlage von Krones lässt sich jeder einzelne Transportschritt über ein Blockchain-Cockpit anzeigen.

Qualität von Nahrungsmitteln per Blockchain transparent machen

Nicht nur der Endfertiger einer Maschine oder einer Anlage muss sich darauf verlassen können, dass die Produkte den Anforderungen entsprechen, sondern auch Händler, die Bio-, Fairtrade- oder andere Siegel validieren möchten. Wie der Nachweis auf der Hannover Messe geführt wird, demonstriert SAP anhand von individualisierten Flaschen. „Besucher bekommen Zugriff auf einen Ausschnitt des Transportwegs“, erläutert Semkin. Per Touch-Screen erfahren sie, wo die Ware den Besitzer wechselt, wo Zahlungen stattgefunden haben und welche Änderungen an Dokumenten vorgenommen wurden. Semkin: „Die Blockchain schafft nicht nur Transparenz für Konsumenten, sondern einen Single Point of Truth, auf den alle Beteiligten der jeweiligen Prozesse Zugriff haben – egal ob es um Informationen, Transaktionen oder Verträge geht.“ Zudem wird der Dokumentenfluss des Transportwegs durch das Blockchain-basierte elektronischer Seefrachtbrief (engl.: e-Bill of Lading) stark vereinfacht. Produzenten und Konsumenten profitieren also gleichermaßen.

Cargo Sous Terrain: Virtual-Reality-Brille „durchleuchtet“ Tunnel-Transporte

Auch das Schweizer Projekt Cargo Sous Terrain (CST), das vor zwei Jahren als „Güterverkehrssystem der Zukunft“ vom Schweizer Förderverein CST vorgestellt wurde, soll von der Blockchain profitieren. Das Projekt hat das Ziel, einen unterirdischen Transporttunnel und eine effiziente, umweltfreundliche Feinverteilung von Gütern in städtischen Zentren zu ermöglichen. Zahlreiche Schweizer Firmen der Transport-, Logistik-, Detailhandels-, Telekom- und Energiebranche sind als Investoren, Aktionäre und Projektpartner an der Umsetzung beteiligt. Vor einem Jahr ist SAP als technologischer Partner hinzugestoßen. Dass ein derartiges Mammutprojekt aus technischer wie wirtschaftlicher Sicht realisierbar ist, hatte eine Machbarkeitsstudie vom Bundesamt für Verkehr und dem Züricher Tiefbauamt bereits 2014/15 gezeigt. Ein weiterer wichtiger Schritt wurde zudem Anfang 2018 gemacht: Denn seitdem ist klar, dass 100 Millionen Schweizer Franken für die Baubewilligung des ersten Teilstücks von Härkingen/Niederbipp nach Zürich bereitstehen, auf dem erstmals im Jahr 2030 Paletten, Behälter für Pakete, Stückgüter und Schüttgut mit Hilfe von autonomen Fahrzeugen unterirdisch befördert werden sollen.

Smart Contracts und Dokumentation per Blockchain

Über eine Blockchain also könnten Groß- und Einzelhändler wie auch Hersteller ihre Verträge elektronisch schließen (über „smart contracts“). Zum anderen werden logistische Prozesse zunehmend automatisierbar. Wärmen sich etwa Lebensmittel auf dem Transportweg zu sehr auf, registrieren Sensoren diese Veränderung. Die Ware wird dann nicht nur am Wareneingang automatisch abgelehnt. In der Blockchain wird zudem dokumentiert, warum das System autonom diese Entscheidung auf Basis von Sensordaten getroffen hat. Doch ist das erst ein kleiner Teil dessen, was softwaretechnisch denkbar ist.

Auf der Hannover Messe nimmt die SAP ihre Besucher per Virtual Reality mit auf eine Reise ins Jahr 2030. Der Besucher nimmt im Zentrum des SAP-Messestands Platz, setzt eine Virtual-Reality-Brille auf und bekommt einen Einblick in den digitalen Zwilling des Tunnelsystems, in dem sich autonome Fahrzeuge hin- und her bewegen und in Schächten (Hubs) Waren zunächst nach unten und oben sowie an ihren Bestimmungsort weiter transportiert werden.

Grafik: Das Blockchain-Szenario von SAP auf der Hannover Messe 2018, SAP.

Die Technik: SAP S/4HANA, SAP Leonardo und das SAP-Digital-Supply-Chain-Portfolio

Das Besondere: Die Transparenz soll es nicht nur auf technischer Ebene geben, etwa durch den Einsatz von Sensoren, um über die Maschinengesundheit und den Zustand der Fracht Auskunft zu geben. Zudem könnten Abverkaufsdaten von Einzelhändlern künftig die Grundlage dafür bieten, Ressourcen und Kapazitäten an der aktuellen Nachfrage zu orientieren. Es wird also ein Netzwerk an digitale Zwillingen geben, einerseits für den Markt, andererseits für die technischen Geräte, die im Tunnelsystem im Einsatz sind. Dafür bedarf es der gesamten Palette an moderner SAP-Software, angefangen beim digitalen Kern (SAP S/4HANA) über das Innovationssystem SAP Leonardo, das etwa Internet-of-Things-Services zur Verfügung stellt sowie das Lager- und Transportmanagement mit der SAP Supply Chain Execution Platform, die SAP EWM, SAP TM integriert, Track- und Trace-Lösungen enthält und für den Transport der Waren auf der letzten Meile eingesetzt werden soll.

Der VR-Blick: Drei Bildschirme vor der Tunnelkulisse

Dieser ganzheitliche technologische Ansatz von SAP wird auch auf einem der drei Bildschirme in der VR-Brille vor einer Tunnelkulisse auf dem SAP-Stand zu sehen sein. Auf dem rechten kommen die technischen Key Performance Indicators für Lager und Transport hinzu – etwa Angaben zum Durchsatz, zur Pünktlichkeit autonomer Fahrzeuge und zur Höhe der durchschnittlichen Transportgeschwindigkeit. Auf dem linken Bildschirm sind die Konsumdaten erfasst, also Informationen über die Märkte, die über das Tunnelsystem bedient werden. In welchem Zustand befindet sich die Ware? Wie stark wird der Tunnel angesichts der aktuellen Nachfrage in den kommenden Wochen ausgelastet sein?

Dass elektronische Komponenten der autonomen Fahrzeuge, der Magnetschwebebahn und IoT-Sensoren keine Imitate, sondern Originalprodukte sein werden, wird dank der Blockchain im Jahr 2030 wahrscheinlich kein Thema mehr sein. Dann wird es möglicherweise eher um die Fragen gehen, wie Waren per Drohne auf der letzten Meile befördert oder per 3-D-Druck Reparaturen beschleunigt werden.

 

Weitere Informationen:

Besuchen Sie SAP auf der Hannover Messe 2018 in Hannover.

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