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Hannover Messe: Der individuelle Schlüsselanhänger von SAP

4. April 2016 von Andreas Schmitz 0

Individuelle Fertigung erfordert digitalisierte Prozesse. Manufacturing Execution Systeme spielen hier eine Schlüsselrolle. Auf der Hannover Messe 2016 zeigt SAP anhand der Fertigung eines Schlüsselanhängers, wie die Losgröße 1 möglich wird.

Die zunehmende Individualisierung und Produktvarianz, eine Datengrundlage für Controlling und Management in der Produktion sowie eine gute Basis für das Zusammenwachsen von Produktion und IT in Hinsicht auf Industrie 4.0: Das sind nach einer Befragung des Beratungshauses Bearing Point einige der wichtigsten Treiber für Manufacturing Execution Systeme (MES) in Deutschland. MES fungieren als Brücke zwischen den betriebswirtschaftlichen Prozessen und der Maschinensteuerung und sind damit die Voraussetzung für die Digitalisierung der Fertigung.

Manufacturing Execution: Systeme werden immer wichtiger (Bearing Point)

Die produzierende Industrie ist sich einig: Die große Mehrheit (88 Prozent) geht von einer wachsenden Bedeutung von MES aus und drei von vier Befragten planen konkrete Investitionen, so Ergebnisse der Branchenbefragung. Besonders wichtig für die Auswahl eines entsprechenden Systems sind einerseits deren möglichst gute Integration in die ERP-Software, eine exzellente Bedienbarkeit in der Fertigung sowie standardisierte Schnittstellen zu anderen Systemen. Gelingt dies, ist MES als Informationsdrehscheibe zwischen dem ERP und der Automatisierungstechnik ein gutes Vehikel auf dem Weg des Unternehmens hin zu Industrie 4.0.

Hannover Messe 2016: So entsteht ein Schlüsselanhänger mit Smart Chip

Wie eine derartige Prozesskette aufgebaut sein kann, zeigt die SAP in einem Vorzeigeprojekt auf ihrem Stand auf der Hannover Messe 2016 anhand der Produktion eines Schlüsselanhängers mit (oder ohne) integriertem Smart Chip mit personalisierbarer Oberschale. Der Ablauf klingt ganz einfach: Ein Kunde bestellt über einen Webshop von Hybris einen Schlüsselanhänger, den er sich individuell konfigurieren kann. Er wählt zwischen drei Farben aus, überlegt sich, ob er etwa seinen Namen oder seine Telefonnummer auf der Schale stehen haben möchte – wenn gewünscht gar in 3D. Zudem ist der Smart Chip eine Option, denn mit ihm ist ein hilfreicher Service verbunden, der Menschen helfen wird, die oft ihren Schlüssel verlegen. Eine Smartphone-App lokalisiert auf Wunsch den mit Sender ausgestatteten Anhänger. Zwischen der Bestellung und der Lieferung sind diverse Teilschritte zu erledigen.

Schlüsselanhänger: Sieben Co-Innovation-Partner mit dabei

Sieben Co-Innovation-Partner der SAP – der Spezialist für Automatisierungstechnik Beckhoff, Roboterhersteller Stäubli, der Spezialist für industrielle Bildverarbeitung asentics, die Messtechnik-Sektion aus dem Honeywell-Konzern, das Industriedruckunternehmen CAB, der Spezialist für 3-D-Druck Stratasys sowie Wearable-Hersteller Proglove – sind dafür zuständig, dass Roboterarme Einzelteile auf das Transportsystem verfrachten, Laserdrucker individuelle Namen und Texte auf Oberschalen schreiben und Digitalkameras nach vollendeter Fertigung die Qualitätssicherung der Schlüsselanhänger vornehmen. Die Individualisierung von Produkten liegt im Trend: „Der Markt fordert immer häufiger individuell angepasste, im Konsumgüterbereich sogar zunehmend personalisierte Produkte“, erläutert der Director für das Product Management SAP Plant Connectivity Rüdiger Fritz von SAP.

SAP Manufacturing Execution schlägt Brücke zwischen Betriebswirtschaft und Automatisierung

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Diese vereinfachte Illustration zeigt, dass die klassische Automatisierungspyramide mit ihrer strikten Trennung in die Bereiche der Automatisierungstechnik, der Supervisory Control and Data Aquisition (SCADA), der Manufacturing Execution Systeme (MES) und des Enterprise Resource Planning (ERP) nicht mehr zeitgemäß ist. Die Datenmodelle dieser Schichten müssen nahtloser als bisher ineinander greifen und zugleich ist die Interoperabilität auch auf neue Prozesse im Zusammenspiel mit Kunden, Lieferanten und Dienstleistern auszurichten. Grafik: SAP

Dass einerseits die Gravur in der Oberschale und das Vorbereiten der Chips parallel möglich sind und 70 so genannte „Mover“, die die Einzelteile im Produktionskreislauf bewegen, gleichzeitig im Einsatz sind, ist dem Manufacturing Execution System der SAP zu verdanken. SAP Manufacturing Execution (SAP ME) schlägt die Brücke zwischen der Betriebswirtschaft und der Automatisierungstechnik, schafft sekündlich Transparenz über die Prozesse und damit die Grundlage für schnelle Entscheidungen auf Basis von aktuellen Fertigungsdaten und überwacht zudem sämtliche Arbeitsfortschritte. Zusammen mit SAP Manufacturing Integration and Intelligence (SAP MII) und SAP Plant Connectivity (SAP PCo) übernimmt SAP ME die Kommunikation zwischen Produktion und ERP. „Die Welt der betriebswirtschaftlichen und der automatisierungsnahen Daten gehören zusammen. Das vermeidet Medienbrüche und ermöglicht aus kombinierten Daten neue Erkenntnisse“, ist Fertigungsexperte Fritz überzeugt. Erfasst man während der Produktion etwa Mess- und Prozesswerte und führt sie mit Informationen über Kundenbeschwerden zusammen, ist die Ursache für einen Fehler nun schneller zu finden. Grundlage für das „neue Verständnis zwischen Maschine und ERP“ ist der M2M-Standard OPC Unified Architecture, der Maschinendaten transportiert und maschinenlesbar semantisch beschreibt.

Individuelle Produktion: Jede Maschine hat ihren „Job“

Roboter, Laserdrucker, Digitalkamera und das Transportsystem führen in dem Vorzeigeprojekt auf der Hannover Messe eigenständig ihre Jobs aus. Und es interessiert sie nicht, was um sie herum geschieht. In hoher Geschwindigkeit laufen diverse Prozesse parallel ab. Direkt nach dem Kundenauftrag sind die Details der „Rezeptur“ des individuellen Produktes bekannt und jedes Rädchen im Getriebe der Fertigung weiß – letztlich auch dank des durchgängig verwendeten Standard OPC Unified Architecture – was zu tun ist. Das Besondere: „Die Produktion ist in wilder Abfolge machbar – obwohl es um individuelle Produkte geht“, erläutert Martina Weidner aus dem Center of Excellence Internet of Things/Industrie 4.0 der SAP, „es gibt keine hart verdrahteten Einstellungen mehr.“ Selbst Losgrößen von 1.000 sind künftig eher unüblich. „Jeder möchte individueller werden“, ist Weidner überzeugt.

Vertikal integrierte Fertigung: KPIs zwischen Produktionslinien vergleichen

Neben der individuellen und über SAP ME nun vertikal integrierten Fertigung liegt einer der großen Vorteile der Nutzung von Manufacturing-Execution-Systemen als Informationsdrehscheibe darin, jederzeit Informationen über die Effizienz der Anlagen und Maschinen, über deren Auslastung und die aktuellen Bestände parat zu haben. „Es ist nun möglich, KPIs zwischen einzelnen Produktionslinien zu vergleichen“, erläutert SAP-Experte Fritz von SAP. Selbst der Status von Einzelaufträgen lässt sich nun über das System abfragen. „Das war früher erst nach Schichtende möglich“, erläutert Fritz.

Bearing Point: Jedes fünfte Unternehmen „denkt“ ERP und MES nicht mehr getrennt

Nach Aussage der Bearing-Point-Studie bevorzugen die meisten Befragten (39 Prozent) derzeit noch reine MES-Anbieter in der Auswahl ihrer Software. Doch gibt es deutliche Zeichen dafür, dass Unternehmen die Themen ERP und MES immer häufiger nicht mehr getrennt denken. Mehr als jeder Fünfte sieht inzwischen die Perspektive bei Softwareunternehmen, die ihr ERP um MES erweitern oder deren Software sie bereits im Einsatz haben. Diesen Trend sieht auch SAP-Fertigungsexperte Fritz, der in SAP zudem das einzige Unternehmen sieht, „das die Automatisierungspyramide komplett überspannt – vom ERP über das MES bis in die Maschinen hinein“. Das Vorzeigeprojekt der SAP auf der Hannover Messe 2016 zeigt, dass SAP die von Bearing Point benannten wichtigsten Treiber von MES bereits in seinen Systemen im Einsatz hat – Produktvarianz, Datentransparenz in der Produktion inklusive Blick auf Industrie 4.0.

Bild: Shutterstock

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