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Hasso Plattner Founder‘s Award: SAP HANA kann jetzt Geo

Feature | 4. November 2014 von Paul Baur 0

Zwei Teams gewannen den ersten Hasso Plattner Founder‘s Award. Ein Gewinner ist das Entwicklungsteam SAP HANA Spatial, das der In-Memory-Plattform die Verarbeitung von Geodaten beigebracht hat.

Geodaten in Sekundenschnelle mit SAP HANA zu verarbeiten war bisher eine Vision. Ein kleines Entwicklerteam wagte sich an das große Thema heran – mit Erfolg und ging als einer von zwei Gewinnern des ersten Hasso Plattner Founder‘s Award hervor. Die Gewinner wurden aus sechs Finalisten und insgesamt über 250 eingereichten Nominierungen ausgewählt.

Top_left_HANA_Spatial_Team_founders_700x500-248x177Seit Mai dieses Jahres konnten Mitarbeiter Projekte und Initiativen für die neue, jährlich zu vergebende Auszeichnung nominieren. Gesucht waren Mitarbeiter, die auf den Spuren des SAP-Mitgründers und Aufsichtsratsvorsitzenden wandeln und „Innovationsgeist, Unternehmertum, Vereinfachung und Mut“ demonstrieren, wie Vorstandssprecher Bill McDermott kürzlich in einer Mitarbeiterversammlung formulierte.

Geodaten zu verarbeiten gewinnt an Bedeutung

Das kleine Entwicklerteam hat SAP HANA die Verarbeitung von Geodaten beigebracht und dabei gezeigt, dass es auch in einem großen Unternehmen noch so etwas wie eine Start-up-Kultur geben kann. Welche Möglichkeiten Geodaten bieten, zeigt das einfache Beispiel eines Navigationsgeräts. Doch es geht um viel mehr, als nur die optimale Strecke von Paris nach Prag zu berechnen. Die Besonderheit von Geodaten liegt darin, dass sie die räumliche Position, Form und Ausrichtung von Objekten beschreiben. Fast 80 Prozent aller Daten weltweit enthalten eine räumliche Komponente, die somit eine entscheidende Rolle dabei spielt, Daten zu visualisieren und aussagekräftige Informationen daraus abzuleiten.

Für Unternehmen wird es immer wichtiger, große Mengen von Geodaten zu verarbeiten, auch vor dem Hintergrund aktueller Trends wie Big Data, mobile Geschäftsentwicklung oder Internet der Dinge. In Branchen wie dem Versicherungswesen, der Energie- und Versorgungsindustrie, dem Transportwesen oder dem Einzelhandel schafft die Echtzeitverarbeitung von räumlichen Daten die Basis für völlig neue Szenarien und Geschäftsmöglichkeiten. Dazu jedoch später mehr.

Doch nicht nur diese Branchen nutzen Geodaten. Jeder Smartphone-Besitzer kann räumliche Daten erzeugen und für unterschiedlichste Zwecke verwenden. Viele dieser Möglichkeiten können wir uns heute noch gar nicht vorstellen. Für Einzelhändler beispielsweise sind Geodaten so etwas wie der Heilige Gral: Sie möchten den Verbrauchern auf der Grundlage ihres jeweiligen Standorts, ihrer Urlaubspläne und anderer digitaler Spuren, die sie im Internet hinterlassen, maßgeschneiderte Angebote unterbreiten.

Die Entstehung des Projekts
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Gerrit Simon Kazmaier

Die Sache hat allerdings einen Haken. Bislang mussten Unternehmen, die große Mengen von räumlichen Daten verarbeiten wollten, eine separate „Spatial Engine“ installieren und die Daten in einer Geodatenbank replizieren – und zwar außerhalb ihres ERP-Systems. Bei diesem komplexen und langsamen Verfahren liegen die Ergebnisse mitunter erst nach mehreren Stunden oder gar Tagen vor. Das wird jetzt alles anders – dank Gerrit Kazmeier, Vice President Analytics, und seinem Entwicklerteam, das wahren Unternehmergeist zeigte.

Kazmeier und sein Entwicklerteam schafften es ohne Expertenwissen im Bereich Geodaten innerhalb kurzer Zeit, eine schnelle Spatial Engine zu entwickeln. Das Team kümmerte sich um die Entwicklung, die gemeinsame Innovation mit Kunden, die Zusammenarbeit mit Hochschulen, die Vermarktung und selbst um vertragliche Angelegenheiten. „Entscheidend war, dass wir alle fest an das Projekt glaubten und bereit waren, wahnsinnig hart zu arbeiten und niemals aufzugeben“, erzählt Kazmeier.

Schnelle und einfache Analysen mit hoher Performance
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SAP HANA analysiert Twitter-Nachrichten mit politischem Inhalt und veranschaulicht das Ganze auf einer Afrika-Karte.

Dem Team gelang es, neuartige Algorithmen für die Verarbeitung von Geodaten zu entwickeln, die weit über die Funktionen vergleichbarer Produkte hinausgehen. In Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Michael Gertz, Dekan der Fakultät für Mathematik und Informatik an der Universität Heidelberg, wurden algorithmische Konzepte getestet und immer weiter optimiert, bis das Team mit der Geschwindigkeit zufrieden war.   Damit konnte sich das Unternehmen einen Vorsprung vor der Konkurrenz verschaffen und SAP HANA um eine Spatial Engine erweitern, die durch die Kombination von Unternehmensdaten und Standortinformationen in einer einzigen Datenbank völlig neue Geschäftsszenarien ermöglicht. Durch die Integration der Geodatenverarbeitung in SAP HANA lässt sich außerdem die Performance zahlreicher Prozesse von der Modellierung und Speicherung bis hin zur Analyse und Präsentation von Geodaten um ein Vielfaches steigern.

„Indem wir die Geodatenverarbeitung in SAP HANA integrieren, können wir die Komplexität der Systemlandschaften unserer Kunden deutlich verringern“, erläutert Bernd Leukert, der als Vorstandsmitglied den Bereich Products & Innovation bei SAP verantwortet. „Durch diesen neuen, integrierten Ansatz können wir Szenarien direkt mit SAP HANA umsetzen, ohne dass hierfür eine zusätzliche Komponente benötigt wird.“

Dem Sturm einen Schritt voraus

Mit der Spatial Engine, die nun in SAP HANA integriert ist, ist das Vorzeigeprodukt der SAP nun noch attraktiver für Kunden und Interessenten, die große Datenmengen in den Griff bekommen und gewinnbringend nutzen möchten.

Hier sind einige Beispiele für Partnerschaften und große Kunden, die die Spatial Engine bereits erfolgreich nutzen:

Versicherung und Risikoanalyse: Wetterbedingte Naturkatastrophen wie Hurrikane und Taifune haben zugenommen und bringen hohe Kosten für Versicherungs- und Rückversicherungsgesellschaften mit sich. Um die finanziellen Risiken besser einschätzen und geeignete Maßnahmen zur Risikominimierung ergreifen zu können, müssen Versicherungsunternehmen in der Lage sein, große Datenmengen auszuwerten. Versicherungs- und Rückversicherungsgesellschaften setzen SAP HANA deshalb zur Vorhersage möglicher Schäden ein. Dabei werden Daten zu den versicherten Vermögenswerten mit Geodaten zur tatsächlichen oder vorhergesagten Zugbahn eines Sturms kombiniert. Auf diese Weise können die Versicherer voraussichtliche Schäden, etwa durch Überschwemmung, Sturm oder Hagel berechnen. Mit der Spatial Engine von SAP HANA konnte der Zeitaufwand für solche Risikoanalysen von mehreren Stunden auf wenige Sekunden verringert werden.

Sportanalysen: Die Geodatenverarbeitung von SAP HANA bildet auch die Grundlage für die Analyselösung, die beim Bundesligisten TSG 1899 Hoffenheim im Einsatz ist. Die Spieler werden beim Training mit Sensoren ausgerüstet, die ihre Position auf dem Spielfeld verfolgen. Diese Geodaten werden an die SAP-HANA-Datenbank übertragen und sofort analysiert – bis zu eine Million Datenpunkte pro Minute. Dadurch kann der Trainer die Leistung der Spieler besser auswerten und den Trainingsplan optimieren. SAP HANA verarbeitet raumbezogene Daten so schnell, dass es theoretisch sogar möglich wäre, die Bandenwerbung im Fußballstadion dynamisch an den von der Fernsehkamera gezeigten Spielfeldausschnitt anzupassen.

Telematik: Der Nutzen der Spatial Engine von SAP HANA für das Transportwesen liegt klar auf der Hand. Durch die Geodatenverarbeitung im Fuhrparkmanagement können Bewegungsmuster von Fahrzeugen erfasst und analysiert werden. Reifenhersteller können die Reifenabnutzung überwachen, und Automobilhersteller können ihren Kunden maßgeschneiderte Dienstleistungen anbieten.

Schon jetzt gibt es zahlreiche Kunden und Interessenten, die nur darauf gewartet haben, dass die Vision von der schnellen Geodatenverarbeitung Wirklichkeit wird.

Bildquelle: Shutterstock

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