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Heinz-Harald Frentzen: Abkehr vom Petrol Head

25. Oktober 2016 von Andreas Schmitz 3

Seit Heinz-Harald Frentzen seine Karriere als Motorsportler beendet hat, entwickelt der einstige Vizeweltmeister der Formel 1 Konzepte für hybride Motoren und energieautarkes Wohnen – der Energieeffizienz wegen.

Lange Jahre war Heinz-Harald Frentzen ein eingefleischter „Petrol Head“ wie alle anderen Formel-1-Piloten auch. Mit dem 2-Takter-Öl der Go-Karts und dem Benzin-Geruch in der Nase ist der heute 49-jährige groß geworden. Auch später – in der Formel 1 – war der Motorsport immer ein Spektakel. „Ohrenbetäubender Lärm gehörte dazu, der Geruch von Sprit und vom Gummi durchdrehender Reifen“, erinnert sich der ehemalige Vize-Weltmeister der Formel 1 Frentzen, der einst für seine Karts selbst den Vergaser repariert und einen Wagen für die Formel Ford mit gebaut hat. Doch seit seinem Ausstieg aus dem professionellen Motorsport 2007 hat der Rheinländer eine Kehrtwende hingelegt.

Hybridkonzept: Damals für den Motorsport ein Novum

„Ich habe mir Gedanken gemacht, wie man im Motorsport neue Akzente setzen kann“, erläutert Frentzen. Ein Hybridkonzept für den Motorsport musste her, die Symbiose also aus Verbrenner- und Elektromotor. „Das waren schon damals keine böhmischen Dörfer oder abstrakten Theorien“, so Frentzen, „es hat nur einfach niemand im Motosport gewagt, dieses Thema anzugehen.“


Heinz-Harald Frentzen wird im Rahmen des SAP-Forums für die Versorgungswirtschaft am 3. und 4. November 2016 in Münster in seiner Keynote über E-Mobilität und Big Data im Motorsport zu hören sein. Zudem gibt es eine Verlosung: Zwei Teilnehmer des SAP-Forums haben die Chance, mit Heinz-Harald Frentzen in seinem Tesla zur Abendveranstaltung zu fahren. 


Wie ist ein E-Motor aufgebaut? Welche Leistungscharakteristiken kennzeichnen ihn? Wie funktionieren die Lithium-Ionen-Batterien, die herkömmlicherweise als Speicher eingesetzt werden? Diesen Fragen ging Frentzen nach seiner „Emeritierung“ aus dem aktiven Rennsport nach. „Zeit hatte ich ja nun genug“, bemerkt Frentzen, der begann, ein Konzept für einen hybriden Rennwagen zu entwickeln. Als das erste Hybridfahrzeug von „HHF“ fertig war und 2008 auf dem Nürburgring seine Feuertaufe bestand, überwog dennoch die Skepsis bei den Experten an der Strecke, bei denen der Elektriker gegenüber den Mechanikern noch immer absolut lobbylos war. Die Hybridisierung und elektronische Antriebe: Das wollte einfach noch nicht so recht passen, als das HHF Hybrid Concept Car seine ersten Runden drehte. Die Fragen waren zudem, ob nicht eine große Anzahl an Lithium-Ionen-Batterien ein Sicherheitsrisiko für die Fahrer darstellen und das Gesamtgewicht einfach zu hoch werden würde. Ein Rennwagen müsste leicht sein, sonst würde es kein Gewinnerwagen: Das war die landläufige Meinung.

Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Gesundheit: Plötzlich Themen für die Sponsoren

Dabei gab es im Motorsport schon immer Diskussionen bezüglich der Umwelt, wegen des Lärms und der Abgase. „Kart-Anlagen wurden gesperrt und Formel-1-Rennen entfernt von Städten ausgerichtet“, sagt der aus Mönchengladbach stammende Frentzen. Als dann die ersten Mineralölkonzerne erklärten, ihre Sponsoring-Strategie zu ändern und künftig nicht mehr Motor-, sondern Rasensport wie Fußball und Golf zu unterstützen, war das ein klares Signal: „Der Motorsport hatte zunehmend ein Problem, sich zu verkaufen“, sagt Frentzen. Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Gesundheit waren nun die Themen, die im Sponsoring von Unternehmen im Mittelpunkt standen. Da ist es unerheblich, ob es sich um einen Elektrokonzern, Energieversorger oder Mineralölkonzern handelt. Und Heinz-Harald Frentzen schwenkte als erster um, ehe Jahre später erst der internationale Motosport nachzog.

Mit der Formel E startete 2014/15 die erste Saison für Rennwagen mit Elektromotor. Der Vorteil: Die Formel E kann eher an die Städte ran- oder hineingehen – ohne Lärm und Luftbelastung. „Entwickler wie Sponsoren setzen sich zunehmend mit dem Thema auseinander“, bemerkt Frentzen und genießt einen stillen Triumpf. Zwar ist der Präsident des Weltautomobilverbandes FIA Jean Todt der Urheber der ersten elektronischen Rennserien, doch hat HHF das Thema schon einige Jahre zuvor angeschoben.

Privat fast energieautark trotz drei Elektroautos und einem Schwimmbad

Privat geht der Ex-Rennfahrer noch ein Stück weiter. So ist sein Haus im rheinischen Meerbusch annähernd energieautark. 120 Photovoltaik-Panele auf dem Dach seines Hauses sorgen für die nötige Energie für den Tagesgebrauch, zusätzlich für ein Schwimmbad und nicht zuletzt drei elektronisch betriebene Fahrzeuge, darunter zwei Tesla und ein BMW i3. „Fünf Prozent fehlen noch zur völligen Unabhängigkeit“, sagt Frentzen, „allerdings nutzen wir die Kapazität derzeit auch noch nicht völlig aus“. Kommt er mal nicht mit der Energie aus, die das Licht des Tages oder die Bleiakkubatterien hergeben, schaltet er sein Blockheizkraftwerk zu.

Tesla Serie S: Von 0 auf 100 in 2,7 Sekunden – mit eigenem Strom

Von den 60.000 Kilowattstunden, die er aktuell jährlich benötigt, verbrauchen allein die Elektroautos über 20.000. „Es gibt nichts Schöneres, als morgens ins Auto zu steigen und zu wissen, dass man die Energie dafür selbst geschaffen hat“, sagt Frentzen. Er will sich nicht als Weltretter verstanden wissen, sondern vielmehr an Effizienz interessiert ist. Jeden Abend steckt er das Kabel in den Tank der Autos, die etwa 23 Kilowattstunden für hundert Kilometer verfahren und nahezu lautlos über die Straßen gleiten. „Das ist sehr angenehm, diese V10-Motoren der Formel 1 gehen mit der Zeit doch schon ziemlich aufs Gehör“, resümiert HHF, der erst kürzlich seinen letzten Porsche aus dem Fuhrpark verbannt hat.

Der Petrol Head in Heinz-Harald Frentzen ist Vergangenheit – nicht zuletzt weil seine Elektrofahrzeuge adhoc volle Leistung bringen. Sein Tesla Serie X etwa beschleunigt von 0 auf 100 in 2,7 Sekunden. Da bekommen auch die Ferraris und Porsches dieser Welt arge Probleme mitzuhalten.

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