Hilfe für die Händler

Feature | 4. April 2007 von admin 0

Wellborn Cabinet hat klein angefangen. Paul und Doug Wellborn schreinerten abends Möbel für die Häuser, die ihr Vater Paul baute. Aus diesem Nebenerwerb wurde 1961 die Wellborn Cabinet Inc. mit Sitz bei Birmingham, Alabama. Von dem Feierabendbetrieb ist freilich wenig übrig geblieben. Heute fertigt Wellborn im Holzland der Appalachen auf mehr als 140.000 Quadratmetern über 300.000 Möbelstücke pro Monat.
„Vom Baumstamm bis zum Kunden“ wickelt Wellborn mit einer eigenen Holzfabrik und einer eigenen LKW-Flotte den gesamten Fertigungsprozess ab – sogar der Strom wird über mit Sägemehl befeuerte Generatoren selbst produziert. Mit dieser vertikalen Integration erzielt Wellborn mit die kürzesten Durchlaufzeiten in der gesamten Branche. Trotz seines Erfolgs und der inzwischen 4.800 Mitarbeiter hat das Familienunternehmen seine Wurzeln nicht vergessen. Wellborn fühlt sich auch weiterhin seinen Partnern verpflichtet, die überall im Land Küchen und Bäder mit Produkten der Firma einrichten.

Wachstum bewältigen

Seit der Einführung von SAP R/3 (jetzt SAP ERP) im Jahr 2003 hat Wellborn seinen Umsatz von 180 auf 250 Millionen Dollar gesteigert. „Wir bringen vier- bis fünfmal pro Jahr neue Produkte auf den Markt, die meisten Firmen in unserer Branche schaffen gerade einmal ein Produkt. Das ist enorm“, sagt Stanley Ezzell, bei Wellborn als Vice President für stategische Initiativen zuständig. Mit der SAP-ERP-Lösung hat das Unternehmen auch seine Liefertreue um 60 Prozent verbessert und die Produktivität der Buchhaltung gesteigert – die Mitarbeiter dort brauchen für die periodischen Abschlüsse nur noch ein Viertel der früheren Zeit.
Wellborn verfügt damit zwar über eine Lösung, die einem jährlichen Wachstum von 38 Prozent standhält, musste jedoch feststellen, dass seine Händler diesem Volumen nicht gewachsen sind. 90 Prozent der Wiederverkäufer von Wellborn sind nach Ezzels Aussage Firmen mit acht bis 20 Millionen Dollar Umsatz, die bei der Buchhaltung auf Software wie QuickBooks oder Peachtree setzen. Bei diesen Firmen galt es, die Prozesse unter dem Aspekt Wirtschaftlichkeit unter die Lupe zu nehmen.
„Einige der Wiederverkäufer wickelten drei bis fünf LKW-Ladungen pro Woche `per Hand´ ab“, gibt Ezzel ein Beispiel. „Zum Entladen verwendeten diese Firmen nicht etwa Barcode-Scanner, sondern Textmarker und Listen, während fünf Mitarbeiter auf dem LKW herumkletterten um herauszufinden, welche Artikel überhaupt geladen waren. Eine nicht zu bewältigende Aufgabe, wenn wöchentlich mehrere tausend Artikel angeliefert werden und das Lager durchlaufen sollen.“

Wettbewerbsvorteil für alle Beteiligten

In Folge dauerte es nicht lange, bis die Händler Wellborn dazu drängten, ihnen bei der Optimierung ihrer Geschäftsabläufe zu helfen. Ein Dilemma. Auf der einen Seite wollte sich Wellborn auf das eigene, florierende Geschäft konzentrieren. Also musste geklärt werden, ob sich das Unternehmen tatsächlich die Aufgabenstellung „Händlernetzwerk“ aufbürden wollte. „Wir helfen unseren Händlern gerne, aber trotzdem wurde intern die Frage gestellt, ob deren IT-Unterstützung unsere Aufgabe ist.“
Dieser Frage standen die Leitwerte von Wellborn gegenüber. „Unsere Unternehmensphilosophie besagt ausdrücklich, dass alle an unserem Geschäft beteiligten Partner ebenfalls profitieren sollen – und dass wir ihnen dabei wenn nötig auch unter die Arme greifen“, sagt Ezzell. Das gab den Ausschlag – gleichzeitig wussten wir, dass alle Beteiligten aus dem Händlernetzwerk ihren Nutzen ziehen würden.
Im ersten Schritt reicherte Wellborn seine eigene SAP-Landschaft mit branchenspezifischen Prozessen aus SAP for Mill Products an. Die mit dem SAP-Partner Hitachi Consulting eingeführte Lösung für die Holz- und Papierindustrie macht für Wellborn die einzelnen Fertigungsschritte transparenter und erleichtert die Auftragsabwicklung. „Wir haben beispielsweise in der Bestandsführung die Anzahl der Teilenummern von 500.000 auf etwa 50.000 reduziert“, so Michael Pack, Senior Manager bei Hitachi Consulting. „Mit spürbaren Ergebnissen bei den Mitarbeitern von Wellborn Cabinet: Tausende Produktionsaufträge täglich laufen nun automatisiert ab, die Mitarbeiter überschauen die Prozesse in der Lieferkette wesentlich besser.“

Rollout bei über 300 Händlern

In nur drei Monaten hat Wellborn Cabinet dann mit Unterstützung von SAP eine auf SAP Business One basierende Anwendung für die Händler entwickelt. Kevin O’Neill, General Manager bei Wellborn: „SAP stand uns in der gesamten Pilotphase zu Verfügung.“ Das Resultat: „Zufriedene Händler, die gerne auch als Referenzkunden auftreten.“
Die Zielsetzung war klar. Mit der integrierten SAP-Business-One-Anwendung bei den Händlern steigert Wellborn die Genauigkeit seiner Lieferkette. Die Händlersysteme sind heute direkt mit der Wellborn-Hauptverwaltung verbunden. Die Zulieferer beispielsweise erhalten Montage-Bausteine – Schranktüren, Schubladen und Rahmen – heute genau zum passenden Zeitpunkt. Ihren Auftrag erledigen sie in nun in der Gewissheit, alle notwendigen Komponenten vor Ort zu haben. Aufwändige Panik-Aktionen in letzter Minute sind einer gesteigerten Produktivität gewichen. Den Händlern und Zulieferern steht zudem eine Fülle von Finanz-, Bestands- und Versanddaten in Echtzeit zur Hand. Kontrollberichte oder Auswertungen über die Geschäftstätigkeit, deren Erstellung sonst Wochen gedauert hätten, sind jetzt unmittelbar verfügbar.
„Die Anwendung deckt mindestens 95 Prozent aller Prozesse ab, die die Händler benötigen und ist voll in unser SAP-Backend integriert“, erklärt Kevin O’Neill. Mit der automatisierten Auftragserfassung und der durchgängigen Logistik haben sich auch die Arbeitsabläufe im Wellborn-Netzwerk geändert. Die Möglichkeit, sich beispielsweise an einem Kundenportal anzumelden und einzelne Aufträge und Lieferzeiten anzupassen, versetzt die Händler in die Lage, effizient zu terminieren und profitabler zu arbeiten. „Das Projekt war durchweg erfolgreich, wir betrachten es als Grundlage unseres künftigen Erfolgs“, sagt O’Neill.
Bis Ende 2007, schätzt Stanley Ezzell, wird SAP Business One bei den 300 bis 400 Mitgliedern des Wellborn-Händler- und Lieferantennetzwerks eingeführt sein. Er und Kevin O’Neill betonen die gute Partnerschaft von Wellborn und SAP: „Wellborn profitiert von der hervorragenden Unterstützung, unsere Händler profitieren von einer erschwinglichen Lösung.“

Gemeinsam nach oben

Wellborn beobachtet bei seinen Kunden eine wachsende Nachfrage nach hochwertigen Küchen und Bädern – besonders mit Blick auf individuell gestaltete Möbel zu niedrigen Preisen. „Wer in den kommenden fünf Jahren nicht in eine Infrastruktur investiert, die diesen Trend unterstützt, wird in Schwierigkeiten kommen“, meint Stanley Ezzell. Mit Wellborn ist nun auch das Händlernetzwerk hierfür gerüstet. „Hierin liegt für uns der Sinn loyaler Beziehungen – mit uns und unseren Investitionen auch unsere Partner zu Marktführern zu machen.“
Zum Video-Interview mit Kevin O’Neill, General Manager bei Wellborn Cabinet.

Ian Alexander

Ian Alexander

Britta Alexander

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