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Hochschulen 2020: Die wichtigsten Herausforderungen

Feature | 25. September 2017 von Andreas Schmitz 14

Transparente Forschung, nach Innen wie Außen vernetzt und eine harmonisierte IT: Das sind einige der Ziele von Universitäten in Deutschland, selbst von Exzellenz-Hochschulen.

Im aktuellen Hochschulranking des Fachmagazins „Times Higher Education (THE)“ schafften sechs der 106 deutschen Universitäten den Sprung unter die Top 100 der Welt, zwei mehr als 2011. Im QS World University Ranking waren es für 2017 immerhin vier, eine Hochschule mehr als 2015. Angeführt werden die Vergleichslisten in wechselnder Reihenfolge von den privaten Vorzeige-Unis aus den USA Harvard, Stanford und dem MIT. Die Ruprecht-Karls-Universität aus Heidelberg sowie die Münchner Technische Universität und die Ludwig-Maximilians-Universität tauchen zuverlässig darin auf. Legt man das THE-Ranking zugrunde, sind die RWTH Aachen und die FU Berlin nun neu zu den Top 100 Unis der Welt hinzugestoßen. Sämtliche gelisteten Hochschulen haben von der Exzellenzinitiative – und damit auch zusätzlichen öffentlichen Geldern – vor zehn Jahren profitiert, die letztlich Elite-Unis in Deutschland hervorbringen sollte.

Doch wird wirklich genug getan, um auch technologisch keine Hürden aufzubauen, sondern Forschern, Studierenden und Mitarbeitern der Universitäten das bestmögliche Arbeiten zu ermöglichen? „Noch immer prägen heterogene on-premise-IT-Systeme das Bild, die schlecht vernetzt sind und es fehlt an Transparenz – etwa über Forschungsprojekte“, beobachtet Silke Jakobi, Solution-Managerin für Ausbildung und Forschung bei SAP. Ihrer Ansicht nach stehen Universitäten in Deutschland vor einigen Herausforderungen:

1. Vernetzte Systeme schaffen

Innerhalb der Universitäten sind viele unterschiedliche on-premise- wie Cloud-Systeme im Einsatz, die teilweise einzeln bedient werden müssen. „Prozesse müssen über eine Oberfläche bedienbar sein“, fordert Jakobi, die von einem „Launchpad“ spricht – einer Oberfläche, die etwa über Kacheln auf dem Bildschirm den Absprung in Subsysteme ermöglicht. Die Systeme adressieren sehr spezifisch die Prozesse einer Hochschule:

ERP-Systeme decken klassische Funktionen eines „Unternehmens“ ab, von den Finanz- über die Beschaffungs- bis zu Personalprozessen – Um mehrere zehntausend gleichzeitig eingeschriebene Studenten im Blick haben zu können, bedarf es eines Lebenszyklusmanagements – etwa des SAP Student Lifecycle Managements, kurz SAP SLCM –, das von der Bewerbung an der Uni bis zum Abschluss und der Exmatrikulation sämtliche Aktivitäten des Studenten registriert.

Im Forschungsmanagement wiederum geht es darum, Anträge für Forschungsprojekte zu erstellen, Drittmittel zu verwalten, über „elektronische Projektanzeigen“ eine bessere Übersicht über laufende Forschungsprojekte herzustellen und generell die Verwaltungsprozesse vereinfachen sowie ansprechend und zielgruppenorientiert zu gestalten. Eine „Connected-Systems-Plattform“ ist erforderlich, um diese speziellen Systeme miteinander zu vernetzen und über eine Oberfläche handhabbar zu machen.

2. Intuitive Nutzung ermöglichen

Moderne ERP-Systeme ermöglichen den Zugriff auf die Buchungen mit verschiedensten Analysemethoden und -werkzeugen. Der Vorteil: Datenanalysen etwa für Simulationen und Hochrechnungen basieren auf „Echtzeit“-Informationen. Tablets und Smartphones sind bei Nutzern inzwischen selbstverständlich. Entsprechend erwarten Forscher, Mitarbeiter und Studenten, dass die beruflichen Anwendungen mobil genauso genutzt werden können. Eine moderne Oberfläche leistet zweierlei: Sie erlaubt angedockte Systeme direkt nutzen zu können und Anwendungen auch mobile Endgeräten zu nutzen – etwa über die UX-Technologie SAP Fiori. „Anwendungen müssen heute einfach mobil sein und intuitiv zu nutzen“, sagt SAP-Expertin Jakobi. Über ein Informationssystem erkennt der Student, welche Kurse er noch belegen muss und ein Dozent hat die Noten seiner Studenten per App auf dem Smartphone.

3. IoT und Big Data: Neue Technologien mit nutzen

Moderne Technologien wie das Internet der Dinge und maschinelles Lernen können in einem modernen Campus dazu beitragen, dass Abläufe verbessert werden.

Beispiel Nachhaltigkeit: Verlassen die Studenten den Hörsaal und steht keine weitere Vorlesung an, sollten Beamer, Licht, Heizung und Klimaanlage automatisch ausgestellt werden. Ein intelligentes System könnte über IoT feststellen, dass sich niemand im Raum befindet und so die Energiebilanz verbessern.

In der Forschung sind explosive und giftige Stoffe im Einsatz, die nicht zu hohen Temperaturen ausgesetzt sein dürfen. Über geeignete Sensorik ist es möglich, Warnmeldungen direkt über eine App auszugeben. Manchmal helfen schon Daten, die bereits verfügbar sind, besser zu planen und ein Stück weit in die Zukunft zu schauen. Beispiel: Mensa. Zwar ist an der Universität hinlänglich bekannt, dass die Prüfungsphasen oft in die Semesterferien fallen. Trotzdem kommt es vor, dass das Studentenwerk dann zu wenig Essen anbietet. „Über die Chipkarten ist klar, wie viele Studenten mittags zum Essen kommen“, erläutert SAP-Expertin Jakobi, „so lassen sich die Schwankungen nicht nur registrieren, sondern auch für künftige Monate prognostizieren.“ Und auch die Verwaltung der Studenten könnte von Aspekten des maschinellen Lernens und der vorausschauenden Analyse profitieren. In der US-Initiative Student Activity Hub findet SAP etwa anhand von Informationen über die Studenten und die Entwicklung des Studiums heraus, welche die Erfolgsfaktoren für das Studium sind. „Diese Informationen können zudem dazu beitragen, schon frühzeitig zu erkennen, dass ein Student gefährdet ist und ihn dann mit entsprechenden Angeboten zu unterstützen“, erläutert Jakobi.

4. Forschung und Lehre: Nach außen vernetzen

Helmut Krcmar macht vor, wie die Öffnung der Lehre einer Universität funktionieren könnte. Der Professor der Technischen Universität München bietet Massive-Open-Online-Kurse an, an denen auch Studenten jeder anderen Universität teilnehmen können. Damit profitieren nicht nur „seine“ Studenten von der Exzellenz-Uni von seinen Vorlesungen, sondern jeder, der will – in Form von Online-Kursen, die mit einem Zertifikat abschließen. Was in Stanford mit Coursera und in Harvard mit edX längst etabliert ist, stößt in Deutschland oft noch auf Reserviertheit bei den Professoren. „Viele halten Präsenzveranstaltungen für unersetzlich“, sagt Jakobi, „dabei wird es künftig immer mehr darum gehen, sich über die eigene Universitätsgrenzen hinaus zu vernetzen“. Die Offenheit, eigenes Wissen auch anderen Hochschulen zur Verfügung zu stellen, ist hier ein erster Schritt. „Einige heute praktizierten Präsenzveranstaltungen können durch andere Formate durchaus attraktiver gestaltet werden, indem etwa der Fokus stärker auf die individuelle Betreuung der Studierenden gerichtet wird“, sagt Jakobi, „moderne IT-Plattformen unterstützen dies durch soziale Lerngruppen und andere kollaborative Angebote.“ Auch das „Offline“-Studium kann also gewissermaßen von der MOOC-Kultur profitieren.

Weitere Informationen:

Erfahren Sie mehr über SAP-Software für Hochschulen und die Forschung.

SAP-Software für Hochschulen in der Übersicht (24 Seiten)

Overview-Broschüre zu SAP® S/4HANA für Hochschulen

HERUG – Higher Education & Research User Group. Internationale SAP Benutzergruppe für Hochschulen und Forschungseinrichtungen.

HERUG.DS – Deutschsprachige Benutzergruppe für Hochschulen und Forschungseinrichtungen.

DSAG – Arbeitsgruppe Campus Management. Hinweis: Nächstes Treffen der AG Campus Management: 6./7. November 2017

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