Hohe Drehzahl in der Materialversorgung

Feature | 23. Januar 2006 von admin 0

Im Komponentenwerk der BMW Group in Dingolfing laufen Fahrwerkskomponenten und -systeme vom Band. Vorder- und Hinterachsgetriebe werden auf hohem technischem Niveau hergestellt und der Fahrzeugproduktion zugeliefert. Jeder der Mitarbeiter weiß: Je präziser die Konstruktion und Fertigung, desto reibungsloser der Antrieb und überzeugender die Fahrdynamik. Präzision spielt auch im Bereich der IT eine wichtige Rolle für die BMW Group: Wie die fein aufeinander abgestimmten Zahnräder und Lager in einem Getriebe sauber ineinander greifen, so laufen auch Fertigungsprozesse reibungslos ab, wenn sie optimal in Einklang miteinander stehen. Um dies zu erreichen, führte der Automobilhersteller mit Unterstützung des Beratungshauses axentiv im Bereich der Produktion und Lagerhaltung von Getriebebauteilen SAP Warehouse Management (SAP WM) ein.

SAP WM – Ein High-Tech-Getriebe für die IT

In der Vergangenheit wickelte die BMW Group die Materialversorgung der Produktionswerke teilweise über Eigenentwicklungen ab. Als das Teilelager für Anbauteile von Hinterachsgetrieben des Komponentenwerkes Dingolfing im Jahr 2004 auf SAP WM umgestellt wurde, überarbeitete man auch die Lagerprozesse. Die Verbesserungen zielten auf mehr Übersichtlichkeit, Reduzierung des Bestands sowie schleunigere Prozesse ab und sollten zur Entwicklung einer “schlanken Fabrik” beitragen. Zudem stellte die Verwendung von SAP WM in der Teileversorgung hinsichtlich Materialfluss- und Planungsprozessen einen weiteren Meilenstein in Richtung standardisierter Prozesse und homogener IT-Landschaften dar. Die Umstellung auf SAP Logistics Execution System (SAP LES) mit der SAP-WM-Funktion versprach eine lückenlose Transparenz in der Bestandsführung, niedrigere Lagerkosten aufgrund automatisierter Prozesse sowie die Vermeidung kostenintensiver Übertragungsfehler durch den elektronischen Datentransfer.

Keine Kompromisse

Eines der vorrangigen Ziele der BMW Group war, die Fertigung der Hinterachsgetriebe noch effizienter und transparenter zu gestalten, indem die Abläufe wie Lagerzu- und Lagerabgänge sowie die Bewegungen innerhalb des Komponentenwerks bis hin zur Lieferung an das Montageband übersichtlicher und schneller abgewickelt werden. Um in Zukunft alle Bewegungen in der Lagerverwaltung beleglos zu erfassen, führte der Automobilhersteller Datenfunk über WLAN-Technologie ein. Ein wichtiger Punkt im Anforderungskatalog des Komponentenwerkes bezog sich auf den konsequenten Einsatz von Standardsoftware. Da die IT-Wartungskosten durch die Schnittstellenvielfalt hoch waren, wollte die BMW Group sie mit Hilfe einer integrierten Lösung vermindern. Nicht zuletzt dadurch sollte auch die Zukunftssicherheit der IT-Investitionen erhöht werden.
In einer Analysephase wurde untersucht, ob sich die erforderlichen Prozesse und Funktionen mit SAP WM abbilden lassen. Im Anschluss erarbeitete das Projektteam aus axentiv-Beratern und BMW-Prozess-Spezialisten ab November 2004 die Sollprozesse und stimmte diese auf die Standardfunktionen von SAP WM ab. “Uns ist es gelungen, ohne Abstriche gegenüber den Anforderungen an Prozesse und Funktionen komplett im SAP-Standard zu bleiben und darüber hinaus noch weitere funktionale Möglichkeiten wie beispielsweise Auswertungen über Bestände und Bewegungen für den Kunden zu integrieren”, so Gerhard Schamberger, Team-Manager Logistik bei axentiv. “Außerdem kristallisierten sich in der Konzeptionsphase die enormen Vorteile des Datenfunks heraus.”

“Der Lagerarbeiter im Werk soll die für ihn relevanten Informationen auf dem kleinen Bildschirm des RF-Handhelds mit einem Blick sehen können”, unterstreicht Schamberger. Die Berater entwickelten deshalb gemeinsam mit den verantwortlichen BMW-Spezialisten rollenspezifische Masken, die nun jedem Mitarbeiter die für seine Arbeit erforderlichen Felder anzeigen. Parallel dazu wurde der Datenfunk installiert. Die Handhelds wurden über WLAN/ SAP-Console an das SAP WM angebunden und den Anforderungen entsprechend konfiguriert. “Wir hatten für das Gesamtsystem Sorge zu tragen – zusammen mit den Spezialisten von BMW konnten wir die Anbindung per WLAN und die Konfiguration der Handhelds schnell und problemlos durchführen”, so Schamberger. “SAP bietet zahlreiche Möglichkeiten. Die Aufgabe des Beratungsunternehmens besteht darin, für die speziellen Bedürfnisse eines jeden Kunden den richtigen Weg zu finden, ohne die vorgegebenen Standards zu verlassen.”

Alles unter Kontrolle

Das Projekt wurde in der Zeit von November 2004 bis Juli 2005 abgewickelt. Die Inbetriebnahme der einzelnen Leistungsstufen erfolgte in drei Schritten. Das hatte den Vorteil, dass sich neben den betrieblichen Anforderungen auch eventuelle Risiken für die Materialbewegungen minimieren ließen und sich die BMW-Mitarbeiter Schritt für Schritt mit dem neuen System vertraut machen konnten. Angesichts der komplexen Systemumgebung mit Datenfunk, Handhelds, Drucker, Scanner und den benachbarten SAP-Applikationen für die Produktion (SAP MM/PP) spielten die Integrationstests eine wichtige Rolle. Alle Prozesse und das Zusammenspiel von Software und Hardware wurde hierbei unter realen Bedingungen geprüft. “Alles war zu kontrollieren: vom Abscannen des Barcodes in der Halle bis zur Verarbeitung der Informationen in benachbarten Lösungen sowie der Ausdruck der Formulare”, berichtet Flory Kolkhuis Tanke, Projektleiter axentiv. Letztlich führte die präzise Planung der BMW Group zu einem erfolgreichen Produktivstart.

Straffe Prozesse dank durchgängiger IT-Unterstützung

Heute laufen die komplexen Prozesse in Lagerverwaltung und Materialversorgung wesentlich straffer ab. Nachdem ein Bauteil in der Fertigung vom Band läuft, folgt eine Verbrauchsbuchung über Stückliste und eine Warenzugangsbuchung in den Entkoppelungspuffer, das heißt Produktions- und Montageprozess werden in einem Zwischenlager entkoppelt. Hier wird die Bestandsbuchung vorgenommen, der erforderliche Transportbedarf zusammengestellt und ein Warenbegleitschein (WBS) ausgedruckt. Sobald der Behälter mit den Bauteilen im Lager eintrifft, scannt der Staplerfahrer mit seinem mobilen Datenerfassungsgerät (Mobile Data Entry – MDE) den Warenbegleitschein der angelieferten Bauteile.
Das MDE ist ein tragbares Radio-Frequency-Handheld, das zusätzlich über einen Barcode-Scanner verfügt und online über WLAN mit der SAP-Applikation in Verbindung steht. Bei allen Lagerbewegungen werden die Materialbehälter vom Staplerfahrer gescannt. Diese Bewegungs- oder Standortdaten fließen dann über die Echtzeitschnittstellen per Datenfunk direkt in das SAP WM. Auf diese Weise lassen sich einzelne Bauteile rasch lokalisieren oder rückverfolgen. Zudem vermeiden die Radio-Frequency-Terminals Medienbrüche, führen so zu beschleunigten Prozessen, und bei der Eingabe kommt es zu weniger Fehlern. Alle autorisierten Anwender verfügen stets über einen aktuellen Bestandsüberblick und Arbeitsvorrat. Das SAP WM sorgt gemäß dem First-In-First-Out-Prinzip dafür, dass zuerst eingelagerte Teile auch wieder als erste das Lager verlassen.

Künftig mehr Freude am Versorgen

SAP Warehouse Management unterstützt die Prozesse – von der Rückmeldung aus der Produktion über die Entkoppelung im Lager bis zur Lieferung der Teile an das Montageband – vollständig. Im Lager selbst ist die Arbeitsqualität gestiegen, weil viele Fehlerquellen entfallen sind und zahlreiche Suchaktivitäten vermieden werden. Der Radio-Frequency-Terminals wegen gehen beispielsweise keine Daten mehr verloren, denn alle prozessbeteiligten BMW-Mitarbeiter können jederzeit ihre spezifischen Anforderungen im System abrufen. “Wir bemerken einen deutlichen Rückgang von Fehlern, und die Prozesse haben erheblich an Transparenz und Geschwindigkeit gewonnen”, zieht Markus Altrichter, Projektleiter der BMW Group, Bilanz.
Insgesamt verlief die Integration von SAP WM in die bestehende Systemlandschaft des Komponentenwerkes nahtlos: Sämtliche Abläufe im Lager lassen sich nun rasch, zuverlässig als auch genau erfassen, und versetzen das Unternehmen in die Lage, die Produktion von Hinterachsgetrieben überschaubarer zu gestalten. Somit hat sich die Investition in das SAP WM für das Komponentenwerk Dingolfing gelohnt. Mit der durch SAP WM optimierten Lagerverwaltung erhöht der Automobilhersteller seine Effizienz und seine Transparenz in der Produktion und stellt so die Weichen in Richtung Wachstum.

Frank Braun

Frank Braun

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