HR: Digital Natives waren gestern

Feature | 27. März 2013 von Andreas Schmitz 0

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Die Veränderungen der Arbeitswelt zwingen Unternehmen, ihren Fokus zunehmend auf das Talentmanagement zu richten. Einige Ansichten vom SAP-Forum für Personalmanagement in Karlsruhe.

Welche Veränderungen Trendforscher Sven Gabor Janszky sieht

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„Über Tätigkeitsprofile werden Sie in der Zukunft keine geeigneten Mitarbeiter mehr finden”, behauptet der Trendforscher vom 2b AHEAD ThinkTank in Karlsruhe. Die Mitarbeiter der Zukunft werden sich vielmehr ihren Arbeitgeber aussuchen und die Unternehmen werden gezwungen sein, zumindest das Nötige dafür zu tun, um fehlendes Wissen zu vermitteln. „Nur wie viel stecken Sie in einen Mitarbeiter, der in zwei, drei Jahren wieder weg ist?”, fragt Janszky, der davon überzeugt ist, dass Mitarbeiter zunehmend projektbezogen „eingekauft” werden, besser noch die Mitarbeiter sich die Projekte aussuchen, die Unternehmen anbieten. „Diese Arbeitskräfte sind vielfach qualifizierter und besser als Mitarbeiter, die seit Jahren für ein und dasselbe Unternehmen arbeiten”. Wichtiges Kennzeichen für die künftige Projektmitarbeitergeneration: Sie sind nicht vorrangig an Status und Geld orientiert, sondern daran, dass sie in dem Projekt eine Herausforderung sehen (1.), dass Sie darin einen Sinn sehen (2.) und dass sie dort mit gut qualifizierten Leuten zusammenarbeiten (3.), von denen sie jede Menge lernen können. Sein Tipp: Kriegen Sie möglichst viel über die Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter raus. Nur wer seinen Status kennt, kann auch etwas daran verbessern. Und letztlich seine Mitarbeiter halten, indem er sie umsorgt. Ganz im Sinne einer „Care Company”.

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2014 wird fast die Hälfte der SAP-Mitarbeiter nach 1980 geboren sein. Die Generation Y ist sozial-medial unterwegs, möchte mal im Büro sein, mal aber auch von unterwegs arbeiten und diese Generation möchte verbrauchsbasiert Leistungen abnehmen. Für die Führungsstruktur bedeutet das: Keine Top-Down-Entscheidungen mehr. „Führungskräfte müssen raus aus ihrer Komfort-Zone”, meint Delgado. Alles andere würde die neue Generation einfach nicht mehr mitmachen. Logische Konsequenzen: Es entsteht eine neue Souveränität des Einzelnen (Delgado: „Das ist ein sozialer Trend, der uns wahrscheinlich am meisten beeinflussen wird”) (1.). Entscheidungen sind in Echtzeit zu treffen, was besonders auch die HR-Technologie betrifft, die die Möglichkeit schaffen muss, schnell und richtig Menschen mit den geeigneten Qualifikationen zu finden oder entsprechend zu fördern (2.). Dabei lässt sich Führungsentwicklung idealerweise duch IT unterstützen, beispielsweise aus dem Hause SuccessFactors, der jüngsten HR-Akquise von SAP. Zudem ist es das Ziel jedes Einzelnen, nicht nur Verantwortung zu übernehmen, sondern darin persönlich auch einen persönlichen Sinn zu entdecken (3.). Wie wichtig es ist, dieser heranwachsenden kommenden Führungskräftegeneration schon heute angemessen zu begegnen, weiß Delgado aus Studien: Eine Steigerung der Mitarbeiterbindung um fünf Prozent verspricht einen Margenanstieg von 0,7 Prozent.

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Nach der Generation Y kommt sehr bald die Generation Z. Und die unterscheidet sich stark von der vorherigen. Die Generation Z wird für die Arbeit nicht allzeit verfügbar sein, sondern die Abende und auch Wochenenden für private Aktivitäten nutzen. Es gibt eine klare Trennung zwischen dem privaten und dem beruflichen Leben. Die Folgegeneration der Digital Natives wird sich nicht an Unternehmen, sondern an Projekte binden. Das wird so weit gehen, dass Interessenten sich über Projektmarktplätze jene Arbeiten heraussuchen, an denen sie interessiert sind. Und für diese begrenzte Zeit werden sie in dem jeweiligen Unternehmen tätig sein. Social Media wird selektiv genutzt, also nur dann, wenn es nötig ist. „Die Generation Z strebt nach Einkommens- und Lebenslustmaximierung”, sagt Christian Scholz. Weiteres charakteristisches Merkmal: Die Generation Z lässt sich nicht kontrollieren. Ein Unternehmen bezahlt für eine Aufgabe, doch es ist nötig, dass damit auch das Vertrauen da ist, dass die Aufgabe zur Zufriedenheit erledigt wird. Scholz schätzt die Veränderungen positiv ein: „Die Generation Z ist realistisch, nicht optimistisch, sie ist in Hinsicht auf die Arbeitsplatzwahl flatterhaft, weil immer neue Herausforderungen in neuen Projekten gesucht wird und nicht derart leistungsbereit und selbstaufopfernd wie die Generation Y. Sie ist zudem individueller unterwegs, schließt sich keinem Kollektiv an, sondern jeder geht seinen eigenen Weg.”

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„Softwareeinsatz und Organisation“ war das Thema, über das die Zuhörer von RAAD-Analyst Christian Wieland beim SAP-Forum für Personalmanagement in Karlsruhe auf dem interaktiven Forum als erstes Informationen einforderten. Knapp gefolgt von Cloud- und Mobile-Anwendungen für HR. Personalplanung und -Entwicklung rangierten entsprechend auf den letzten Plätzen in der 5-Themenauswahl. Glaubt man der aktuellsten RAAD-Umfrage unter 500 Personalleitern und HR-Spezialisten im DACH-Raum aus dem vergangenen Jahr, ist die Situation eine andere:

90 Prozent der Unternehmen haben Standardanwendungen im Einsatz, nur 6 Prozent planen etwas Neues. 60 Prozent der Unternehmen setzen Self-Services in irgendeiner Form ein, also Module zur Erfassung der Arbeitszeit (66 Prozent), Reisemanagement (29 Prozent) und Personalstammdaten (26 Prozent).

Cloud Computing hingegen scheint im deutschsprachigen Raum kaum jemanden zu interessieren: Zwar haben mehr als zwei Drittel der Befragten von SuccessFactors und seinen Wettbewerbern bereit gehört und wissen auch, was Cloud Computing ist, doch es ist „insgesamt noch kein Thema“, meint RAAD-Mann Wieland. Nur für jeden zehnten Personalleiter kommt der Einsatz von Cloud Computing im Umgang mit sensiblen Personaldaten überhaupt in Frage. Datenschutz und Sicherheitsaspekte beherrschen hier aktuell die Diskussion.

Laut Umfrage ein Bereich, der rasant in den Mittelpunkt des Interesses rückt, ist die Personalgewinnung, ein Bereich, der 58 Prozent der Befragten als wichtig erschien, gegenüber der vorhergehenden Messung ein Wachstum um das Doppelte.

Und das Mobile-Thema? Nach den Ergebnissen der Befragung nutzen 26 Prozent der Führungskräfte mobile Personalanwendungen, zwei Drittel hingegen nicht, 16 Prozent der Angestellten nutzen sie, 77 Prozent nicht, und 14 Prozent der HR-Fachkräfte nutzen mobile Anwendungen, 77 Prozent jedoch nicht. „In der Praxis ist das Thema noch kaum angekommen“, so die Beobachtung von RAAD-Analyst Wieland.

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3 comments

  1. Tobias Barz

    Zu der Aussage von Sven Gabor Janszky habe ich eine Kleinigkeit hinzuzufügen:

    “Diese Arbeitskräfte sind vielfach qualifizierter und besser als Mitarbeiter, die seit Jahren für ein und dasselbe Unternehmen arbeiten”.

    Dem möchte ich widersprechen. Mitarbeiter, die seit Jahren für das selbe Unternehmen arbeiten, haben vllt. ausschließlich in ihrem Gebiet viel Wissen erworben und sind nicht allgemein breit aufgestellt, aber in Zeiten der Spezialisierung der Unternehmen sind spezialisierte Mitarbeiter mehr wert als allgemein gebildete. Außerdem widerspricht sich die Aussage, wenn man diese beiden Sätze vergleicht.

    “Diese Arbeitskräfte sind vielfach qualifizierter und besser als Mitarbeiter, die seit Jahren für ein und dasselbe Unternehmen arbeiten.”

    “Und letztlich seine Mitarbeiter halten, indem er sie umsorgt.”

  2. Christoph G.

    Danke für das Interview und den Post!

    “Eine Steigerung der Mitarbeiterbindung um fünf Prozent verspricht einen Margenanstieg von 0,7 Prozent.” -> Wo kann man diese Studien nachlesen?

    Danke,
    Christoph

  3. Marco Lang

    Hallo zusammen
    Führungskräfte müssen sich heutzutage vermehrt mit verschiedenen Generationen von Mitarbeitern in ihren Abteilungen, Gruppen und Teams auseinandersetzen. Die Generation Y ist eine sehr moderne Generation, die mit dem Medium Internet aufgewachsen ist und der Work-Life-Balance sehr wichtig ist. Für mich stellt sich in diesem Zusammenhang immer wieder die Frage, wie gerade aus Unternehmenssicht Manager mit Mitarbeitern, die dieser Generation angehören, umzugehen haben? Mir scheint es so, dass es eine Herkules-Aufgabe für Führungskräfte ist, so mit der Generation Y umzugehen, dass die Mitarbeiter ihr Leistungspotential ganz abrufen können. Und wie gehen wir aber mit der älteren Belegschaft um? Gerade diese beiden Zielgruppen gilt es gleich zu behandeln, das meiner Ansicht nach unmöglich ist.

    Bin in diesem Zusammenhang auch auf einen spannenden Video-Clip auf Youtube gestoßen: http://www.youtube.com/watch?v=w1SMn5CPjfA (Quelle: http://www.neothesus.de)

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