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#hrforum2015: Worauf es in HR ankommt

Feature | 22. April 2015 von Andreas Schmitz 0

Ein Markenprofil für den Arbeitsmarkt, Vertrauenskapital als Investment und 9 to 5 plus Flexibilität für die Gen Y: Die Unternehmens-HR muss umdenken.

Und da ist sie schon wieder, die Alterspyramide, die bestimmt, wie die HR-Agenda der kommenden Zeit aussehen soll. Denn was zieht sie nicht alles hinter sich her. Da ist der Nachwuchs, Neudeutsch Generation Y, der schon allein aus Gründen der Knappheit von Arbeitskräften von Unternehmen umworben wird. Da ist die Unternehmenskultur, die angepasst und verbessert werden will, damit sich die raren Mitarbeiter dann das richtige Unternehmen aussuchen. Da ist das Gesundheitsbewusstsein, das dafür sorgt, dass die Belegschaft immer länger gesund und leistungsfähig bleibt. 1.300 Teilnehmer auf dem SAP-Forum für Personalmanagement 2015 beschäftigen sich in Stuttgart mit der Frage, was die HR von morgen ausmacht. Einige Thesen der Referenten:

1. Firmen fehlt Markenprofil für den Arbeitsmarkt:

Das Durchschnittsalter der Beschäftigten steigt zwar bis 2030 von 46 auf 54 Jahre. Da ist klar, dass das derzeitige Rentenalter in ein paar Jahren nicht mehr ausreichen wird. „Die 70 ist längst kein Tabu mehr“, sagt Jutta Rump, HR-Professorin und Leiterin des Instituts für Beschäftigung und Employability in Ludwigshafen. Das vorrangige Ziel ist zunächst, aus der eigenen Belegschaft mehr Leistung rauszukitzeln, etwa dadurch, Teilzeitkräfte zu mehr Wochenstunden anzutreiben, Menschen länger zu beschäftigen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass sie das gesundheitlich schaffen. Das Sorgenkind sind Neueinstellungen. Denn Firmen haben nur für ihren Absatzmarkt ein Markenprofil, nicht für den Arbeitsmarkt – ein Manko im Kampf um Talente.

2. Vertrauenskapital rechnet sich:
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„Wie schaffen wir es, mehr Verantwortung zu übernehmen als andere“, fragt der Vorstand von Nanogate Ralf Zastrau.

Bewusst nicht von Corporate Social Responsibility (CSR) spricht Ralf Zastrau. Der Grund ist einfach: Zu viele Firmen schreiben sich Nachhaltigkeit und Ethik in ihre Grundsätze, leben sie aber nicht. „Wie schaffen wir es, mehr Verantwortung zu übernehmen als andere“, formuliert der Vorstand von Nanogate dann auch das Ziel seiner Nanotechnologie-Aktiengesellschaft, wenn er CSR meint. Die Aktivitäten haben einen Grund. Er ist überzeugt davon, dass er das Unternehmensbild verbessern muss, um Fachkräfte zu gewinnen. Letztlich zählen die Zahlen: Und auch Zastrau geht es ums Kapital, und zwar das Vertrauenskapital, ein Investment, das sich rechnet, so die Überzeugung des Managers.

3. Unternehmen sollten Raum für gesellschaftliches Engagement der Mitarbeiter schaffen:

Susanne Labonde verlässt 2014 SAP, um ein längeres Sabattical einzulegen und in dieser Zeit als Managerin in der World Childhood Foundation für den Schutz von Kindern einzusetzen, vor allem präventive Maßnahmen gegen den Missbrauch von Kindern zu entwickeln. Damit übernimmt sie gesellschaftliche Verantwortung. Ebenso bemerkenswert ist allerdings, dass der Arbeitgeber sie für drei Jahre freistellt, damit sie dieser Aufgabe nachgehen kann.

4. Die Generation Y ist „nur“ zur richtigen Zeit am richtigen Ort:

Das, was Menschen antreibt, sind drei Dinge: Sie müssen verstehen, was sie machen, den Eindruck haben, dass sie was bewegen können und den Sinn darin entdecken. Zwar legt die Generation Y – so Erkenntnisse aus der unter anderem von SAP und Kienbaum unterstützten Zukunftsinitiative Personal – eine gewisse Feel-Good-Mentalität an den Tag. Letztlich – da ist Kienbaum-Experte Stephan Schmid überzeugt – „unterscheiden sich Generation X, Y und Baby Boomer gar nicht so sehr, es sind nur andere Generationen“ – eine gewagte These, denn sie entmystifiziert die hochleistungsbereite „Gen Y“ ein Stück weit. Der Nachwuchs ist gewissermaßen einfach nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Das hilft ihr dabei, Forderungen zu stellen, etwa: Arbeiten von Nine to five plus Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben.

5. Gesundheitliche Balance rechnet sich:

Davon ist Chief Medical Officer Nathalie Lotzmann von SAP überzeugt. 3,5 Mal kreativer und innovativer seien die Kollegen, 2,5 Mal häufiger Leistungsträger, sie seien drei Mal produktiver und acht Mal engagierter. Der Versuch von SAP-Managerin Lotzmann ist klar. Sie möchte das Thema Gesundheit aus der „Soft-Factor-Ecke“ endlich herausbekommen. Der Business Health Culture Index hilft ihr dabei beispielsweise. Sechs Leadership- und drei Lebensbalancevariablen fließen in die Formel ein. Und heraus kommt, wie viel Geld SAP sparen kann, sofern der Index steigt oder fällt. Nur ein Prozent, so rechnet Lotzmann vor, spülen 70 Millionen Euro in die Kassen von SAP.

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Professorin Heidi Möller aus dem Institut für Psychologie der Uni Kassel einen Tipp gegen Stress und Unmut parat: “Die Dinge einfach immer auch ein bisschen rosarot sehen.”

Und natürlich adressieren sämtliche Themen besonders die HR-Führungsebene: Auch wenn knapp jeder dritte Arbeitnehmer nach aktuellen Studien über den deutschen Arbeitsmarkt innerlich gekündigt haben und 1.000.000 Menschen in Deutschland Aufputschmittel nehmen, um den herausfordernden Arbeitsalltag bewältigen zu können, hat Professorin Heidi Möller aus dem Institut für Psychologie der Uni Kassel einen Tipp gegen Stress und Unmut parat: Die Dinge einfach immer auch ein bisschen rosarot sehen.

 

Foto: Shutterstock

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