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Wenn Gründer aufs Ganze gehen

Feature | 9. Oktober 2017 von Angela Dunn, Federica Valeria De Monte Faginto 2

1997 setzen fünf Studenten alles auf eine Karte: Der Warenhandel im Internet wird der nächste große Trend. Die Erfolgsgeschichte von SAP Hybris.

Wir schreiben das Jahr 1997. Google ist noch nicht geboren, Amazon steckt noch in den Kinderschuhen. AuctionWeb wird demnächst in eBay umgetauft. Die ersten E-Mail-Konten werden eröffnet. Unterdessen basteln in München fünf Studenten an ihrem Traum, das Internet zu einer großen Sache zu machen. Carsten Thoma, Moritz Zimmermann, Klaas Hermanns, Christian Flaccus und Andreas Bucksteeg experimentieren mit ihrer ersten E-Shop-Lösung.

Sie begeben sich in ein Abenteuer, dass sie „Hybris“ nennen wollen – ein Begriff, der im antiken Griechenland für „Stolz und Ehrgeiz“ stand. Aber bei der Namensfindung hatte Carsten Thoma, Mitgründer und heute President von SAP Hybris, die zweite Definition von „Hybris“ im Sinn: Selbstbestimmung, Eigenverantwortung, der Mensch im Mittelpunkt. „Wir nahmen unser Leben in die Hand und bestimmten unser Schicksal selbst, indem wir Unternehmer wurden“, erinnert er sich.

Christian Flaccus, Creative Director von SAP Hybris und kreativer Kopf der Marke, fand den Namen ebenfalls eine gute Wahl für das freche Start-up, das die etablierten Unternehmen herausfordern wollte. „Der Aspekt der emotionalen Bindung war uns bei der Unternehmensgründung sehr wichtig“, erklärt er. In der „hybriden“ Anfangszeit traf sich das Team jeden zweiten Freitagabend zum Grillen auf der Dachterrasse. Moritz Zimmermann, Mitgründer und heute Leiter Engineering & Delivery bei SAP Hybris, erinnert sich: „Wir hatten damals noch keine Familien und waren ohnehin gut miteinander befreundet.“ Sie kamen sogar samstags im Büro zusammen.

Anfangszeit: Surfen auf der Internetwelle

War die Idee einer E-Shop-Lösung ihrer Zeit voraus? Thoma: „Das Thema Handel befand sich damals in rasantem Umbruch. Auf dem fragmentierten E-Commerce-Markt tummelten sich zahllose Anbieter. Außerdem wurde der Markt skeptisch beäugt: Investoren waren nur schwer zu überzeugen, da allgemein die Meinung herrschte: Bücher werden sicher über das Internet gekauft, aber Kleider? Niemals!“

„Es ist unglaublich, wie innovativ junge und verrückte Leute sein können“, meint Zimmermann. Innovation verbunden mit Unerschrockenheit und Beharrlichkeit – das prägte das Gründerteam von SAP Hybris. „Auf dem Markt gab es noch tausend andere Mitbewerber“, berichtet er. „Aber wir waren jung und noch grün hinter den Ohren.“

Sie traten als David dem Goliath Intershop gegenüber, einem riesigen Mitbewerber. Erster großer Kunde war Bechtle, heute ein führendes IT-Systemhaus. „Sie haben das Produkt wirklich mitgeprägt“, berichtet Zimmermann.

Die erste Mitarbeiterin von Hybris, Katrin Guenter, jetzt SVP Customer Success and Services, erinnert sich an die Anfänge, als zunächst in einem simplen Texteditor für die Anwendungsentwicklung programmiert wurde. Es gab zwei Frontend-Versionen und ein Synchronisierungswerkzeug, mit dem die Frontendanwendung mit dem Backend synchronisiert werden konnte. Jede einzelne Geschäftslogik wurde auf mindestens drei Schichten implementiert. Das Benutzerhandbuch war fünf Zentimeter dick und füllte mit seinen Exemplaren ein ganzes Zimmer, aber nach sechs Monaten war es bereits veraltet.

E-Commerce-Markt ist stark umkämpft

1999 stellte das Team auf der CeBIT in Hannover „WebPiazza“ vor. Die Software fand die Begeisterung der Kunden und setzte für das Team neue Impulse. Partner in Technologie, Vertrieb und Marketing kamen hinzu. Katrin Guenter erinnert sich: „Die Marke funktionierte prima, bis wir sie in den USA und Großbritannien einführten und alle fragten: ‘Web Pizza’?“

Die Geschichte von Hybris besteht aber nicht nur aus Bratwurst, Bier und Pizza. „Es ist eine Geschichte von schweren Zeiten und Niederlagen, dem Glauben an die eigene Idee und letztendlich vom Erfolg gegen alle Widerstände“, wie es Zimmermann ausdrückt.

Moritz Zimmermann weiß, wovon er spricht. Die Internetblase war geplatzt. Der 11. September erschütterte die Welt. Die Konjunktur in Deutschland befand sich auf Talfahrt. Niemand wollte Kapital investieren, schon gar nicht in Produkte wie E-Commerce. Sieben Jahre lang flossen Investitionen und Einnahmen nur spärlich, was notgedrungen zu Entlassungen und Gehaltskürzungen führte.

„Schlussendlich“, berichtet Zimmermann, „konnten wir das Kernteam von rund 30 Mitarbeitern halten und lernten unsere Lektion. Während der gesamten Zeit konnten wir uns stets weiterentwickeln, dazulernen und besser werden.“

Heute führend bei B2B- und B2C-Handelslösungen

Im Jahr 2013, als die SAP ihre Pläne zur Übernahme des Start-ups ankündigte, war Hybris bereits ein rasch wachsender und führender Anbieter von E-Commerce-Technologien. Durch die Übernahme erhöhte die SAP den Einsatz im Customer Relationship Management und definierte das Kundenerlebnis der neuen Generation. Mit der Zeit wurde daraus der Geschäftsbereich Customer Engagement and Commerce. Heute ist SAP Hybris führend bei B2B- und B2C-Handelslösungen und das Portfolio umfasst nicht nur den Handel, sondern auch Segmente wie Marketing, Vertrieb und Service.

Die Seele von Hybris hat diese gesamte Entwicklung überdauert: in allgemeinen Werten, einer familiären Atmosphäre, in revolutionären Innovationen und in der Unternehmenskultur, gern und oft zelebriert. Herzlichen Glückwunsch zum 20. Geburtstag, SAP Hybris.

Weitere Informationen:

Pressemitteilung SAP Hybris

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