IBM 2011: Server, DB2 und Alloy

Feature | 21. März 2011 von Daniel Hardt 0

IBM Watson: Power7-Server gewinnen Jeopardy und machen SAP Software flott (Foto: IBM)

IBM Watson: POWER7-Reihe gewinnt Jeopardy und verträgt 126.000 SAP-Nutzer (Foto: IBM)

Die Allianz zwischen IBM und SAP besteht seit 40 Jahren: IBM ist Global Partner von SAP und größter Integrator von SAP-Software. Schwerpunkte der Kooperation zwischen den IT-Firmen bilden Internet-Software, die Verfügbarkeit von SAP auf allen IBM-Servern und die Optimierung der DB2-Datenbanken für Software-Produkte aus Walldorf. Mit Alloy wurde kürzlich die erste gemeinsame Software entwickelt.

Auf der CeBIT präsentierte der US-Konzern die Pläne für die Zusammenarbeit mit SAP im Jahr 2011. SAP.info stellt Neuerungen vor, zeigt, wo die Zusammenarbeit ausgebaut wird und was es dem Kunden bringt.

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Illustre Runde: Zu der Reihe gesellt sich der als eines der Flaggschiffe

IBM Power 795: Zur POWER7-Reihe gesellt sich ein neues Flaggschiff (Bild: IBM)

pureScale skaliert DB2-Datenbanken

Die Cluster-Technologie DB2 pureScale für das relationale Datenbank-Managementsystem (RDBMS) DB2 steht SAP-Anwendern in Form eines Pilot-Programms zur Verfügung. Mit der Technologie können Applikationen für OLTP (Onlinetransaktionsverarbeitung) Workloads je nach Bedarf angepasst werden. Durch die skalierbare Architektur wachsen Applikationen mit den Geschäftsanforderungen und müssen nicht umcodiert werden.

DB2 pureScale läuft unter Linux, UNIX und Windows. Unterstützt werden ausgewählte POWER6- und POWER7-Server aus der der IBM Power Systems-Serie sowie die Server x3650 M3, x3690 X5 und x3850 X5. pureScale basiert auf der IBM System z Architektur, besitzt eine praktisch unbegrenzte virtuelle Kapazität und nimmt Anpassungen für bis zu 128 Server vor.

Im Pilot-Programm für SAP werden AIX – ein Unix-Betriebssystem von IBM für Server und Workstations – und Linux unterstützt. Wer sich für die Registrierung beim Pilot-Programm interessiert, findet Informationen in der SAP Note 1419433, Zugang zum SAP Service Marketplace vorausgesetzt. Weitere Infos rund um SAP und DB2 inklusive weiterführender Links sind im SAP Developer Network (SDN) und einem SDN-Blog zu finden.

pureScale-Konzept (Grafik: IBM)

pureScale-Konzept (Grafik: IBM)

IBM-Server packt 126.000 Nutzer

Watson, ein Computersystem basierend auf der POWER7-Reihe von IBM, hat in der US-amerikanischen Gameshow Jeopardy die zwei besten menschlichen Kandidaten auf die Plätze verwiesen. Das System versteht menschliche Sprache und kann den semantischen Kontext dahingehend analysieren, dass auch Ironie, Wortspiele und versteckte Bedeutungen erkannt werden. Watson ist damit ein Schritt in Richtung lernende Computersysteme, die Daten auf eine neue Weise analysieren und verwerten können.

Marktreif und im Geschäftsalltag erprobt, sind hingegen die übrigen Server der POWER7-Reihe. Was möglich ist, zeigt ein Test mit dem SAP Sales and Distribution Standard Application Benchmark (SAP SD). Schlüsselindikator (KPI) des Benchmark ist die Anzahl an Anwendern, deren Anfragen jeweils in weniger als einer Sekunde beantwortet werden können. Ende 2010 testete IBM mit SAP SD 2 Tier eines seiner Server-Schwergewichte.

Der  IBM Power 795 verfügt über 32 Prozessoren mit insgesamt 256 Kernen, die mit 4 GHz getaktet sind. Der Server hat 4096 GB Hauptspeicher, eine DB2 Datenbank in der Version 9.7 und verwendet AIX 7.1 als Betriebssystem. Als Business-Software kommt SAP EHP 4 für ERP 6.0 zum Einsatz.

Das Ergebnis: Bis zu 126.063 Nutzern bleibt die durchschnittliche Anwortzeit des Systems mit 0,98 Sekunden unter dem Richtwert von 1 Sekunde. Der Durchsatz liegt bei 688.630 SAPS. Der SAP Application Performance Standard (SAPS) gibt die Performance eines Systems innerhalb einer SAP-Umgebung an. Ein SAPS entspricht 20 Auftragspositionen (OLI/ Order Line Items) pro Stunde.

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Alloy-Architektur vereint IBM- und SAP-Komponenten (Grafik: SAP AG)

Neue Schnittstelle: Alloy


Alloy ist eine Kollaborationssoftware, entstanden aus der Zusammenarbeit von IBM und SAP. Alloy stellt eine alternative Schnittstelle  zu SAP GUI und SAP NetWeaver Portal dar. Den Grundstein bildet SAPs Transfertechnologie „Projekt Gateway“, die zuerst auf der TechEd 2010 präsentiert wurde.

Ziel ist es, Daten aus SAP-Systemen auf verschiedenen Plattformen und mobilen Geräten verfügbar zu machen – ohne in SAPs Programmiersprache ABAP codieren zu müssen. Zum Thema „Projekt Gateway“ siehe auch den Artikel „Apps in zwei Minuten“.

Im Fall von Alloy geht es darum, über den Lotus Notes Client problemlos auf das SAP-System – online wie offline – zugreifen zu können. End-User sollen innerhalb ihrer vertrauten Lotus-Umgebung Business-Daten aus dem ERP-System beziehen und für verschiedene Applikationen nutzen können. Dafür verfügt Alloy über eine service-orientierte Architektur (SOA), die auf Webstandards basiert.

Die Version 1 enthält laut IBM folgende Features:

  • Zugang zu Berichten aus SAP ERP und SAP NetWeaver BW
  • Eine schrittweise, unkomplizierte Integration von SAP Business Workflows in Lotus Notes
  • Standarisierte End-to-End Business-Szenarien, beispielsweise für Dienstreisen, Urlaubsplanung und Beschaffung
Beschaffung_Prozess_Lotus_A

Beispiel: Beschaffungs-Prozess mit Alloy (Grafik: SAP AG)

Alloy wird zum Vulkan

Ausgehend vom Gateway-Konzept soll Alloy zu einem Toolkit zur SAP-Integration ausgebaut werden. Applikationen würden dann ohne weiteres in die Lotus-Umgebung integriert werden können. Zudem wird eine Abwärtskompatibilität in Richtung SAP R/3 4.6c anvisiert.

Auch neue Lotus-Technologien wie Xpages und Gadgets sollen von Alloy profitieren. Letztlich wird eine Überführung von Alloy in das „Project Vulcan“ angestrebt. Dieses auf Cloud Computing basierende Kollaborationstool soll unter anderem Kommunikation in Echtzeit ermöglichen und eine neue Generation von Lotus Notes-Software repräsentieren.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Cloud-Services für SAP

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So schnell kanns gehen: Erstellung eines Alloy Workflow (Grafik: SAP AG)

Wolken-Wohnheim: Ein IBM-Serverraum (Foto: IBM)

Wolken-Wohnheim: Ein IBM-Serverraum (Foto: IBM)

Cloud-Services für SAP

IBM bietet verschiedene Cloud-Plattformen und Hosting-Modelle für SAP-Anwendungen an, die seit Dezember 2010 von der SAP AG zertifiziert sind. IBM kann daher weltweit SAP-Lösungen cloudbasiert und als Hosting Modell anbieten. Dazu zählen:

  • SAP ERP (Enterprise Resource Planning)
  • SAP CRM (Customer Relationship Management)
  • SAP PLM (Product Lifecycle Management)
  • SAP SCM (Supply Chain Management)
  • SAP ERP Corporate Services

Eine Besonderheit ist, dass das Management für alle Cloud-Plattformen über ein einziges Menü-Fenster betrieben wird. Die Funktionen umfassen Dashboarding, Reporting, Beschaffung, Service-Kataloge, ein Self-Service-Portal sowie den Umzug von Daten in die Cloud.

Zum Cloud-Portfolio zählen Private Cloud, Public Cloud sowie eine Hybrid Cloud, die verschiedene Cloud-Konzepte kombiniert. Als cloudbasierte Dienste werden Infrastructure as as Service (IaaS), Platform as a Service (PaaS) und Software as a Service (SaaS) angeboten.

Weiterhin gibt es ein IBM Service Management-Paket zum zügigen Aufbau einer privaten Cloud-Umgebung – das Cloudburst-Konzept. Die konfigurierte, eigenständige Lösung umfasst Hardware, Software und Services. Der IBM Tivoli Service Automation Manager (TSAM) sorgt für Implementierung, Überwachung und Verwaltung der Cloud Computing-Services und stellt vordefinierte Workflows bereit.

Das Cloud-Management erfolgt ein einziges Menü-Fenster (Grafik: IBM)

Ein Menü-Fenster fürs Cloud-Management genügt (Grafik: IBM)

Services aus der Privat-Wolke

Der Begriff Managed Services steht für den etablierten Support von SAP-Software und -applikationen. Bei IBMs Private Cloud, welche als PaaS für SAP-Anwendungen funktioniert, gehören automatische Aktualisierungen, Systempflege und Vorkonfigurationen zum Service.

Für SAP-Kunden lassen sich so Kosten für SAP-Umgebung, Basis-Support und Datenbank-Administration senken. Zusätzlich wird die Ausweitung von SAP-Entwicklungsumgebungen erleichtert und die Betriebsführung mittels SAP optimiert.

Auch werden in der Private wie der Public Cloud Arbeitsschritte, die normalerweise für Pflege der SAP-Umgebung notwendig sind, automatisiert.

Was Lizenzen angeht, benötigen Kunden lediglich welche für SAP und die genutzte Datenbank (DB). Alle weiteren für OS, monitoring, security, Cloud mgmt. etc. werden von IBM gestellt.

Luftige Struktur: IaaS aus Public Cloud

IBM Smart Business Development and Test on the IBM Cloud ermöglicht SAP-Anwendern ihre Test- und Entwicklungsumgebung innerhalb der Wolke vorwärts zu bringen. Die standarisierte, konfigurierbare Server-Umgebung beschleunigt Anwendungsentwicklung- und implementierung und bietet schnellen Zugriff auf virtuelle Server-Umgebungen. Für SAP dev/test ist die Umgebung ebenfalls geeignet.

Neben den typischen Features einer Public Cloud – etwa dass  praktisch keine IT-Infrastruktur nötig ist und verbrauchsunabhängige Fixpreise bestehen – bietet IBM ein Self-Service-Webportal fürs Account-Management, verschiedene Software-Images sowie Tools und standarisierte Konfigurationen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Virtualisierung mit SAP NetWeaver ACC

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SAP NetWeaver ACC: Virtualisierung im Überblick (Grafik: IBM)

Virtualisierung mit SAP NetWeaver ACC

Die Virtualisierung von Hardware, Betriebssystemen und Applikationen ist für viele Unternehmen ein wichtiges Standbein. Um komplexe Systemlandschaften in Betrieb zu halten, muss die Integration von Soft- und Hardware gewährleistet sein. Allerdings sind das Management von SAP-Applikationen und das Management virtueller Systeme oftmals nur schwer im Einklang zu bringen.

So fokussiert IBM Systems Director auf die IT-Infrastruktur, der SAP Solution Manager hingegen auf das Monitoring und Management des SAP Software-Pakets. Der SAP NetWeaver Adaptive Computing Controller (SAP NetWeaver ACC) soll zwischen beiden Bereichen die Brücke schlagen. Er ist Teil des NetWeaver-Pakets.

Das Tool verwaltet und kontrolliert die Virtualisierung. So lässt sich beispielsweise das für die Virtualisierung von IBM Power-Systemen eingesetzte IBM Live Partition Migration mit SAP NetWeaver ACC verbinden. Neben IBM Power Systems unterstützt der Adaptive Computing Controller auch SAP-Anwendungen, die auf IBM System z und x86-basierter Hardware laufen. IBM Power Systems laufen unter Linux, AIX und IBM i, IBM System z nutzt z/OS, z/VM oder Linux. Die Steuerung der IBM-Systemlandschaft übernimmt das jeweilige IBM HMC (Hardware Management Console).

SAP NetWeaver ACC erlaubt ein Monitoring der kompletten Virtualisierung, ausgehend vom HMC, über LPAR (Logical Partition), das für eine Unterteilung von Großrechnern in mehrere virtuelle Systeme sorgt, bis hin zu den eigentlichen SAP-Applikationen.

Migration von Partitionen mit SAP ACC (Grafik: IBM)

Migration von Partitionen mit SAP NetWeaver ACC (Grafik: IBM)

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