Im Mittelstand funkt es

Feature | 19. September 2005 von admin 0

Die RFID-Entwicklung ist in vollem Gange, und mit EPC (Electronic Product Code), einer Nummer zur eindeutigen Kennzeichnung und späteren Identifizierung von Waren in der Versorgungskette, zeichnet sich bereits ein allgemein gültiger Standard ab. Vorreiter bei der Nutzung und Weiterentwicklung der neuen Technologie sind derzeit noch vorwiegend große Handelskonzerne wie Metro und Wal Mart, Betreibergesellschaften wie Fraport, die technische Wartungsarbeiten durchführen, oder Verpackungsmittelhersteller wie Rexam.

Theorie und Praxis

Die spannende Frage lautet: „Wie können künftig kleinere und mittlere Unternehmen vom RFID-Einsatz profitieren?“ Rein theoretisch stehen Mittelständlern die gleichen Potenziale offen wie großen (Handels-) Konzernen. Praktisch gibt es aber noch einige Hürden zu überwinden. Um die immensen Mengen der auf den Chips gespeicherten Daten zu verarbeiten und zu analysieren, benötigen die Mittelständler geeignete IT-Systeme und die entsprechende IT-Infrastruktur. Gerade hinsichtlich der technischen Ausstattung haben kleinere Firmen aber oft Defizite, denn ihre IT-Systeme sind für diese Aufgaben entweder nicht ausreichend dimensioniert oder gar veraltet. Die Unternehmen müssen also nicht nur in die Chiptechnologie investieren, sondern auch ihre IT-Systeme „modernisieren“, das heißt an die sich durch RFID verändernden Prozesse anpassen. Bereits 2002 beschrieben die Analysten des Marktforschungshauses AMR Research, an welche Voraussetzungen wirtschaftlich erfolgreiche RFID-Einführungen geknüpft sind:

  • Der Schlüssel, um die ersten Schritte einer RFID-Einführung erfolgreich zu meistern, ist eine passende Infrastruktur. Dabei müssten Firmen zunächst ihre Anforderungen einschätzen und anschließend IT-Infrastruktur und Anwendungen an die veränderten geschäftlichen Belange anpassen.
  • RFID-Anwendungen sollten schrittweise eingeführt werden. Das hält Investitionen überschaubar, garantiert eine schnellere Amortisierung der Ausgaben und vermeidet nicht zuletzt Störungen im laufenden Betrieb. Die IT-Systeme müssen mit RFID-Anwendungen kompatibel sein, also diese beim Sammeln, Speichern und Weiterverarbeiten unterstützen.
  • Das Ziel einer RFID-Einführung ist dann erreicht, schlussfolgern die Analysten von AMR Research, wenn straffere Lieferketten für effizientere Prozesse sorgen und betriebswirtschaftlich messbare Resultate, etwa in Form eines hohen ROI (Return on Investment) vorliegen.

Anforderungen als Ansporn

Folgt man dieser Argumentation, stellt das auf der anderen Seite auch Anforderungen an die Technologie-Anbieter. Damit kleinere und mittlere Firmen RFID flächendeckend nutzen können, benötigen sie möglichst kostengünstige, modular aufgebaute und skalierbare Lösungen, die ohne große IT-Abteilung betrieben werden können. SAP hat deshalb das Thema RFID frühzeitig aufgegriffen und mit SAP Radio Frequency Identification (SAP RFID) eine Lösung entwickelt, die für korrekte Produktinformationen sorgt und alle Prozesse automatisiert.
Kernstück der Kommunikation bildet die SAP Auto-ID-Infrastructure (SAP AII), eine Komponente von SAP NetWeaver. Sie vereint unterschiedliche Auto-ID-Technologien (beispielsweise RFID und Barcodes) unter einem Dach. So lassen sich (verschiedene) Lesegeräte und Tags anbinden. Da SAP RFID auf der offenen Technologieplattform SAP NetWeaver basiert, kann die Lösung laut Forrester-Analystin Sharyn Leaver problemlos in eine heterogene Systemlandschaft von SAP- und Nicht-SAP-Anwendungen integriert werden, was den Datenaustausch mit Handelspartnern erleichtert. Darüber hinaus werden in der Lösung sämtliche RFID-Daten zusammengefasst (zum Beispiel in einem Data Warehouse), gefiltert und verwaltet.

Detaillierte Sicht auf Prozesse

Hat ein fertiges Produkt die Herstellungsstätte verlassen, lassen sich mit RFID und SAP All nachfolgende Prozesse wie Verpackung, Lagerung und Versand lückenlos und automatisiert, also ohne manuelles Scannen, rückverfolgen. Die elektronischen Daten von Kommunikations- und Empfangsgeräten (etwa RFID-Lesegeräten und -Druckern) empfängt und verarbeitet die SAP AII in Echtzeit, verknüpft sie direkt mit dem dahinterliegenden SAP-System (wie beispielsweise mySAP ERP) und stellt so die Verbindung zu den Geschäftsprozessen her. So erhält man eine detaillierte Sicht auf die operativen Prozesse – in Echtzeit. Ein weiterer Vorteil: Die SAP AII ist skalierbar und eignet sich deshalb besonders für Unternehmen, die die gesamte RFID-Technologie erst nach und nach einführen wollen. Übrigens fördert die SAP die Diskussion zu RFID in Form einer offenen Community.

Den Mittelstand anpeilen

Speziell für mittelständische (Zuliefer-)Firmen entwickeln und vermarkten SAP und qualifizierte SAP-Partner spezifische und maßgeschneiderte RFID-Lösungen. Ein Beispiel ist etwa das RFID Starter Kit, das zusammen mit dem Hardware-Partner Intermec angeboten wird. Das Paket besteht aus dem vorkonfigurierten Geschäftsprozess „Warenausgang“ und umfasst die komplette Soft- und Hardware inklusive aller Beratungsleistungen. Es entspricht exakt den Vorgaben des Handelskonzerns Metro an seine Lieferanten und richtet sich daher vor allem an sie. Zentrale technologische Komponente ist die SAP AII, mit der der vordefinierte Geschäftsprozess „Warenausgang“ innerhalb weniger Tage eingeführt werden kann. Zusätzliche Berichtsfunktionen unterstützen beispielsweise die Suche nach bestimmten Objekten, indem sie Verknüpfungen zwischen virtuellen Belegen wie dem Lieferschein und den RFID-Informationen erstellen.
Die umfassenden Hardwarekomponenten, bestehend aus dem RFID- und Barcode-Drucker PM4i sowie dem stationären Ultra-High-Frequency-Reader (UHF-Reader) IF5 zum Einlesen der RFID-Daten, stammen von Intermec. Spezialisten von SAP Consulting prüfen die lokalen Rahmenbedingungen und erarbeiten eine Dokumentation der für die RFID-Einführung notwendigen Infrastruktur. Anschließend werden die Geschäftsprozesse definiert sowie SAP AII und die Business-Intelligence-Reports eingerichtet. Die Implementierung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem Kunden. Laut Uwe Hennig, Global Alliance Manager SAP bei Intermec, bietet das Paket „eine strategische Zukunftsperspektive bei geringen Einstiegskosten“.

Integration ist gefragt

Speziell für kleinere mittelständische Lebensmittelbetriebe mit eigener Lagerverwaltung, die Waren und Materialien kommissionieren, hat der SAP Business Partner Artefact4you eine RFID-Kommissionierungslösung für SAP Business One entwickelt. Darüber hinaus bietet das Unternehmen eine komplette RFID-Framework-Lösung an und beteiligt sich an der Entwicklung entsprechender Hardware. „Viele kleinere Mittelständler verlangen bereits heute die direkte Integration ihrer Kommissionierungsprozesse in die Geschäftssoftware“, erklärt Riccardo Sachse, CEO des SAP Business Partners Artefact4you. Das ist nur mittels integrierter Prozesse, die Material- und Warenwirtschaft verbinden, möglich. Die SAP-Standardsoftware bietet daher die ideale Plattform, um eine RFID-Zusatzlösung zu entwickeln, denn „sie ist zukunftsfähig und investitionssicher“, so Riccardo Sachse.
Ähnliche Wege beschreitet Intermec mit EasyADC (Automatic Data Collection) für SAP Business One. Der SAP Business Partner bezeichnet die integrierte Soft- und Hardwarelösung als „Eingangstor“ für Mittelständler, die vorhaben, Daten zu sammeln und zu verwalten sowie Prozesse bei der Rückverfolgung von Waren zu automatisieren und transparenter zu gestalten. Mit der Lösung will Intermec überdies die weit verbreiteten Ängste vor der komplexen Technologie, zu hohen Kosten und drohenden Prozessveränderungen im Unternehmen abbauen und mittelständischen „RFID-Neueinsteigern“ die Sorge nehmen, nicht über ausreichend IT-Personal zu verfügen.

Funken schlagen

Die oben genannten Beispiele zeigen, dass SAP und seine Partner die Forderung von Steve Banker, einem Analysten bei der Beratungsfirma ARC Advisory Group, nach kostengünstigen Lösungen sowie einem klaren Plan für eine erfolgreiche Umsetzung für den Mittelstand bereits erfüllen. Mit ihrem System können kleine und mittlere Unternehmen Informationen intelligenter nutzen, flexibler auf Veränderungen am Markt reagieren, Kosten senken und letztlich ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Damit schlägt das „Internet der Dinge“ auch bei mittelständischen Firmen schneller Funken als gedacht.

Weitere Informationen:

Allgemein: www.amrresearch.com/Content/View.asp?pmillid=15184&docid=1075, www.arcweb.com, www.forrester.com, www.epcglobalinc.org und www.epcglobal.de (Informationen und News zu Technik, Funktionsweise und Einsatz von EPC)
Bücher: Claus Heinrich: RFID and Beyond. Growing your Business with Real World Awareness (Wiley Publishing, ISBN 0-7645-8335-2)
Edgar Fleisch, Friedemann Mattern (Hrsg.): Das Internet der Dinge. Ubiquitous Computing und RFID in der Praxis: Visionen, Technologien, Anwendungen, Handlungsanleitungen (Springer Verlag, ISBN 3-54024-003-9)
SAP: www.sap.de/rfid
SAP-Partner:
Artefact4you AG: www.a4u.ag/rfid, www.food-portal.de und www.rfid-marktplatz.de
Infineon: www.infineon.com
Intermec Technologies: www.intermec.com

Dr. Andreas Schaffry

Dr. Andreas Schaffry

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