Immer gut auf Lager

Feature | 14. November 2005 von admin 0

Rüggeberg

Rüggeberg

Unter dem Markenzeichen eines springenden Pferdes sind die Werkzeuge zur Metallverarbeitung aus der August Rüggeberg GmbH & Co KG seit über hundert Jahren bekannt. Am Hauptproduktionsstandort in Marienheide betreibt Rüggeberg ein großes Versandlager mit manuellen und automatisierten Lagerbereichen. Von dort gehen rund 6.500 meist kleinteilige Werkzeugprodukte für die Oberflächenbearbeitung und zum Trennen von Metallen in die ganze Welt. Als infolge expandierender Geschäfte und der steigenden Anzahl von Produktvarianten das Lager erweitert werden musste, beauftragte Rüggeberg zu Beginn des Jahres 2004 Siemens Logistics and Assembly Systems (Siemens L&A), die Lagerverwaltung vollständig auf SAP Logistics Execution System (SAP LES) umzustellen. Nach zehnmonatiger Projektlaufzeit wurde das neue Lagerverwaltungssystem im Dezember 2004 produktiv gesetzt.

Teile auf dem Tablar

Tablarlager

Tablarlager

Rüggeberg betreibt heute mit SAP LES ein automatisches Kleinteilelager, das als so genanntes Tablarlager gebaut ist, und zudem ein manuell bedienbares Hochregallager für Paletten. Tablare sind mit der Fördertechnik verbundene Ladungsträger, auf denen sich – wie auf einem Tablett – Behälter unterschiedlicher Größen positionieren lassen. Die Fördertechnik besteht aus automatischen Regalbediengeräten; über Aufzüge und Transportbänder werden die Behälter bewegt. Die Regale im Tablarlager von Rüggeberg sind über sechs Gassen anzusteuern. In den Regalen befinden sich rund 15.000 Tablarplätze mit einer maximalen Kapazität für etwa 90.000 Behälter.
Das zehngassige manuelle Hochregallager umfasst 5.000 Stellplätze, die bei einer Belegung von höchstens zwei Paletten pro Stellplatz 10.000 Stellmöglichkeiten bieten. Die zu versendenden Artikel werden nach dem so genannten Ware-zum-Mann-Prinzip kommissioniert; dabei transportiert die Fördertechnik die Artikel an die Kommissionierarbeitsplätze. Hier entnehmen die Mitarbeiter nicht nur die bestellten Produkte, sondern geben auch in umgekehrter Richtung neue Ware zur Lagerung in den Regalen ein.

Spezialsoftware abgelöst

Die komplette Lagerverwaltung und Lagersteuerung wurde in SAP LES des SAP R/3 Enterprise abgebildet. Damit erfüllte sich der Wunsch von Rüggeberg, möglichst alle Funktionen über die SAP-Lösung zu steuern. Über SAP LES erfolgt nun die Bestandsverwaltung, die Auslastungsplanung, Verwaltung der Tablare sowie die Inventur mit zugehörigen Tablarfahrten. Da ein Tablar unterschiedlich große Behälter in variierender Anzahl, Anordnung und auch mit unterschiedlichen Inhalten aufnehmen kann, ist die Verwaltung eines Tablarlagers eine komplexe Aufgabe. Dafür musste bislang spezialisierte Individualsoftware eingesetzt werden.
Claus Schmidt, Leiter der Logistics IT bei Siemens L&A, sagt: “Wir haben eine Lösung für die Tablarverwaltung geschaffen, die komplett auf SAP basiert und trotzdem spezialisierten Lösungen in Nichts nachsteht.” SAP LES wurde um projektspezifische, in ABAP und HTML programmierte Funktionen erweitert. Durch neue Strategien zum Ein- und Auslagern sowie zur Kommissionierung ließ sich der Materialfluss verbessern. Schmidt: “Mit der Lösung sind wir sehr zufrieden. Es ist uns gelungen, dem Kundenwunsch nachzukommen und die Funktionalitäten komplett in SAP abzubilden.”

Kommissionierung

Kommissionierung

Als optisches Highlight der Lösung gilt, dass die Tablare und deren Inhalte innerhalb von SAP grafisch dargestellt werden. Dabei erscheint das gerade am Kommissionierarbeitsplatz befindliche Tablar als Symbol und der zu bearbeitende Behälter wird jeweils farblich hervorgehoben. Eine weitere Besonderheit ist der automatische Bildschirmwechsel ohne Userinteraktion der SAP-Dialoge am Kommissionierarbeitsplatz. Der Bildschirminhalt vermittelt also immer den aktuellsten Stand. Bei Ankunft eines neuen Tablars wird dem Mitarbeiter automatisch angezeigt, welche Aufgabe er als nächstes zu bewältigen hat. Bei der Kommissionierung werden die entsprechenden Artikel auf bis zu 20 Plätzen einem Auftragsbehälter zugeordnet. Die Mitarbeiter orientieren sich dabei an einer so genannten Put-to-Light-Anlage, die ihnen anzeigt, wohin eine Ware zu legen ist. Umfangreiche Aufträge lassen sich zu Komplettlieferungen konsolidieren, verpacken und ausliefern. Das ist dann der Fall, wenn eine Lieferung aus mehreren Positionen besteht, die sich innerhalb des Lagers in verschiedenen Gassen befinden und daher auch an verschiedenen Kommissionierarbeitsplätzen entnommen werden.

Produktiv während der Migration

Manfred Flemm, Leiter der Logistik bei Rüggeberg meint: “Während der gesamten Migration konnten wir das Lager produktiv nutzen. Nach der Migration steuern wir das Lager jetzt direkt aus SAP LES. Alles funktioniert so, wie wir uns das vorgestellt haben. Mit der Performance sind wir sehr zufrieden. Wir würden das Projekt heute genau so realisieren, wie wir es gemacht haben.”
Die Ablösung des Systems im Produktivbetrieb stellte eine große Herausforderung dar. An mehreren Integrationstest-Wochenenden wurden die implementierten Funktionen auf der Anlage physisch auf ihre Richtigkeit überprüft. Die gesamte Projektlaufzeit umfasste zehn Monate – vom Beginn des Business Blueprints mit SAP-Pflichtenheft bis zur Produktivnutzung des Systems. Dabei wurde neben der Informationstechnologie auch das Tablarlager um zwei Gassen erweitert.

Stapler mit SAP RF

Die Implementierung machte es möglich, alle Lagerbereiche bei Rüggeberg über SAP zu steuern. Das betrifft auch das manuell, mit Hilfe von Gabelstaplern zu bedienende Hochregallager für Paletten. Die Mitarbeiter auf den Staplern sind mit mobilen Anzeige- und Erfassungsgeräten ausgestattet. Über Datenfunk stehen sie via SAP RF direkt mit der SAP-Lösung in Verbindung und erhalten von dort ihre Aufträge. Das Put-to-Light-Kommissioniersystem wird ebenfalls von SAP gesteuert. Die Aufträge werden über die zertifizierte SAP-LES-Schnittstelle WM-LSR an das Put-to-Light-Subsystem übermittelt und kommen dort zur Ausführung. Die Fördertechnik sowie die Regalbediengeräte werden über einen von Siemens entwickelten Materialflussrechner gesteuert. Der Materialflussrechner erhält die Transportaufträge über die zertifizierte Standardschnittstelle direkt von SAP.
Die Lösung bei Rüggeberg zeigt, wie gut es möglich ist, unterschiedliche manuelle und automatisierte Lagerbereiche über SAP LES zu steuern. Die Flexibilität der SAP-Software und das logistische Know-how der Siemens L&A haben bei Rüggeberg zu einer Lösung geführt, die SAP und Automatisierungstechnik vereint.

Richard Beer

Richard Beer

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