Immobilienbranche in Bewegung

Feature | 5. September 2005 von admin 0

Mehr als 500 Teilnehmer hatten sich in diesem Jahr in Bewegung gesetzt, um beim 8. SAP Kongress für die Immobilienwirtschaft am 21. und 22. Juni 2005 dabei zu sein. Erstmals fand der Kongress als gemeinsame Veranstaltung von SAP und T.A. Cook in Potsdam statt. Mit Vorträgen und Info-Ständen von SAP und SAP-Partnern konnten sich die Teilnehmer, vom Verwalter oder Eigentümer über den Facility Manager bis hin zum Immobilienfonds-Manager, über die neuesten Entwicklungen und Trends informieren und sich zwischendurch oder während des Abendprogramms mit den Fachleuten aus der Branche austauschen.

Mehr Offenheit in Strukturen und Prozessen

In seiner Keynote gab Volker Zimmermann einen kurzen Einblick in die neuesten Trends der SAP AG. Geoffrey Moores Konzept von „Core“ und „Context“ wurde kurz erläutert. Über die Merkmale des Core, dem Herzstück der Geschäftstätigkeit, muss sich ein Unternehmen durch Innovation permanent vom Wettbewerb abheben. Der Fokus hier liegt beim Differenzieren. Schwerpunktaufgabe des Context, also der Randtätigkeiten eines Unternehmens, ist, mittels der Standardisierung von Prozessen die Produktivität zu erhöhen.
Die aktuellen SAP-Entwicklungen dienen entsprechend Moores Konzept beiden Aufgaben: der Innovation durch Differenzierung und der Produktivität durch Standardisierung und Automatisierung. Das Zusammenspiel der Technologie-Plattform SAP NetWeaver mit seiner Enterprise Services Architecture (ESA) und der SAP-Lösung mySAP ERP bietet Unternehmen die dafür notwendige Grundlage. Statt auf technologische Nebenschauplätze zu achten, konzentrieren sich die Unternehmen auf ihre eigentlichen Geschäftsaufgaben. In der Immobilienwirtschaft heißt das, auf den gesamten Lebenszyklus vom Bauen, Kaufen oder Mieten bis hin zum Vermieten oder Verkaufen inklusive technisches und kaufmännisches Management sowie Controlling.
Die Besonderheiten und Funktionen der in mySAP ERP integrierten Lösung SAP Real Estate Management präsentierte Christian Krämer, SAP AG, in seinem Plenumsvortrag. Stammdaten aus Verträgen, Grundbuch und Liegenschaftskataster tragen ebenso wie die Analysen und Berichtswerkzeuge zu einem effektiven Vertrags- und Liegenschaftsmanagement bei. Durch den vollständigen Einblick in das gesamte Immobilien-Portfolio lassen sich unternehmensspezifische Kennzahlen ermitteln, die mehr Transparenz und damit eine bessere Grundlage für unternehmerische Entscheidungen bieten. Die Daten über Vertragslaufzeiten gekoppelt mit der Interessentenverwaltung führen zu einer schnelleren Wiedervermietung und reduzierten Leerständen – somit verringert sich auch das Ausfallrisiko für Mieterträge.
Alle Prozesse rund um die Vertragswerke, aber auch Folgeprozesse wie Buchungen lassen sich mit Hilfe von SAP Real Estate Management zeitsparend standardisieren. Ebenso verhält es sich mit dem Einkaufs- und Dienstleistungsmanagement von der Service-Anfrage über die Beauftragung bis zur Abrechnung. Das bessere Monitoring der Serviceleistungen hilft beim Kosten-Controlling und der Budgetplanung, so kann der technische Zustand der Immobilie stets optimal gehalten werden. Die Integration von CAD-/GIS-Systemen erweist sich als ein hilfreicher weiterer Baustein für ein fundiertes Vertrags- und Flächenmanagement. Damit lassen sich die den einzelnen Objekten zugrunde liegenden Architektur- oder Katasterdaten leicht visualisieren.

Mehr Offenheit für Mitarbeiter

Im Mittelpunkt der Keynote von Lothar Rieger standen neben dem Thema Enterprise Services Architecture die Vorteile von SAP Real Estate Management für die Alltagspraxis der Mitarbeiter in den Unternehmen. Ein schnellerer Zugang zu Informationen und Services, ein gründlicherer Überblick und eine konzentriertere Bearbeitung der anstehenden Aufgaben – das wird durch eine stärker automatisierte, aufgaben- und zielorientierte Arbeitsweise möglich. Ein rollenbasiertes Portal mit dem „Control Center“ als übersichtliche „Homepage“ und Work Centers oder Cockpits zur Steuerung von Prozessen gibt jedem Mitarbeiter den zu seinen Anwendungen passenden Zugang.
Die Inboxen mit den Arbeitsvorräten bieten neben aktuellen ToDo-Listen auch Meldungen über Abweichungen wichtiger Daten und Prozesse. Der Anwender muss sich die Informationen nicht mehr selbst zusammensuchen; sie werden ihm nach dem Push-Prinzip direkt auf den Bildschirm geliefert. Abläufe sind individuell konfigurierbar, die Arbeit mit Formularen wird erleichtert und grafische Abbildungen sowie das intuitive Design unterstützen das visuelle Erfassen wichtiger Informationen. Diese Arbeitsumgebung wird in Zukunft noch besser nutzbar sein: Zum einen bieten Microsoft und SAP mit Mendocino ein gemeinsam entwickeltes Produkt zur Anbindung an Windows Office. Zum anderen lassen sich in SAP NetWeaver 2005 durch die Integration von Macromedia Flex intuitive Benutzeroberflächen für SAP-Lösungen erstellen.

Offen für eine Vielzahl unternehmerischer Anforderungen

Wichtige Informationen über SAP Real Estate Management sammelten die Teilnehmer des Kongresses nicht nur in den zentralen Keynotes, sondern auch in den mehr als 25 Einzelvorträge. So etwa über die Migration von SAP RE-Classic zu SAP RE-FX, die Liegenschafts- und die Wohnungsverwaltung in mySAP ERP 2005 oder über die neuen Möglichkeiten im branchenspezifischen Berichtswesen.
In anderen Vorträgen wiederum wurden Beispiele aus der Praxis vorgestellt. So zeigte die Liegenschaftsverwaltung der Bundesimmobilien, wie sich Objekte über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg vom Zugang über das Facility Management bis zum Abgang managen lassen – inklusive der LUM-Stammdaten, also der Flurstücke mit Einheitswertbescheid, Bebauungsplanung und allen weiteren Daten, sowie der RE-Stammdaten, also alle Objekte mit Wirtschaftseinheit, Mieteinheit, Vertragsdaten und Daten zu Geschäftspartnern. Der Vortrag über die Gesobau AG zeigte die Gestaltungsmöglichkeiten für eine aktive Steuerung des Unternehmens. Mit Hilfe von Kennzahlen, Risikoindikatoren und Schwellenwerten, Benchmarks und Balanced Scorecards lassen sich im Portfoliomanagement sowohl Potenzial- als auch Problemobjekte identifizieren. Mit Renditeanalysen stehen Investmententscheidungen auf einer sicheren Grundlage.
Exemplarisch für eine Anwendung im Einzelhandel mit seinen Filialen stand der Vortrag der tegut… gute Lebensmittel. Mit SAP Real Estate Management wurde hier eine Lösung für ein integriertes Facility Management geschaffen, mit der sich auf der Grundlage aller Stammdaten die Geschäftsprozesse Wartung und Reparatur sowie Mietvertragsverwaltung und Nebenkostenabrechnung effizienter gestalten ließen. Das technische und das kaufmännische Facility Management arbeiten nun eng miteinander verzahnt, ebenso wurden die schnittstellenrelevanten Prozesse zu den angrenzenden Fachbereichen wie Materialdisposition, Ladenbau, Expansion, Finanzbuchhaltung und Controlling optimiert.
Die Möglichkeiten für die Immobilienfondsverwaltung zeigte sich schließlich bei dem Beispiel der WestInvest GmbH, wo SAP Real Estate Management für das Fondsrechnungswesen und die Immobilienverwaltung eingeführt wurde. Hier waren die Buchhaltungsdaten für die WestInvest und zwei Tochterunternehmen mit insgesamt 175 Wirtschaftseinheiten, 5.409 Mietobjekten und 1.949 Geschäftspartnern sowie von 700 Sachkonten, 1.790 Debitoren und 4.702 Kreditoren abzubilden. Insgesamt galt es, vier offene Immobilienfonds und fünf Immobiliengesellschaften zu integrieren. Dabei waren auch die nationale und internationale Steuergesetzgebung wie die Bauabzugssteuer und die Umsatzsteueroptionssätze inklusive Vorsteueraufteilung zu berücksichtigen. Ein weiterer Baustein der erfolgreichen Einführung bildete das Verfahren für die Erstellung von Tagesabschlüssen, mit dem sich die täglichen Fondsanteilpreise ermitteln lassen.
Weitere Vorträge zu Trends und Highlights und zu Lösungen speziell für den Mittelstand ergänzten das Kongressprogramm. Für eine Vielzahl von unternehmerischen Aufgaben und Anforderungen wurden leistungsfähige Lösungsansätze präsentiert, mit denen sich die Branche den künftigen Veränderungen im Markt beweglich anpassen kann.

Petra Winkler

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