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Industrie 4.0: Drei Fragen an Henning Kagermann

30. Oktober 2014 von Andreas Schmitz 0

Schon lange beschäftigt den ehemaligen SAP-Chef die Frage, was im Zuge von Industrie 4.0 auf die Menschen zukommt. Der Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften acatech am Rande des IT-Gipfels über die Vorbereitungen für eine Qualifizierungsoffensive.

Industrie 4.0 bringt mehr Automatisierung in der Arbeitswelt, allerdings kommen auf den Mitarbeiter nicht weniger, sondern andere Aufgaben zu. Worauf muss er sich einstellen?

Industrie 4.0 stellt neue Anforderungen an die Mitarbeiter, beispielsweise was die Arbeitsorganisation angeht. Sie bietet aber auch Chancen zur Mitgestaltung durch die Beschäftigten. Die Arbeit wird flexibler und inhaltsreicher. Ich bin davon überzeugt, dass die Mehrheit der Menschen das befürwortet. Denn durch Industrie 4.0 wird der Mitarbeiter wieder mehr zum Entscheider und bleibt nicht länger Bediener. Das alles zeigt: Wir müssen die Mitarbeiter mitnehmen. Die Qualifizierung und Kompetenz ist entscheidend für den Erfolg von Industrie 4.0.

Im Rahmen der Arbeitsgruppe 6 des Deutschen IT-Gipfels starten Sie die „Kompetenzentwicklung Industrie 4.0“: Wie gehen Sie hier vor?

Bis zur Hannover Messe im kommenden Jahr werden wir eine Vorstudie erstellen und ermitteln, welche Qualifizierungsbedarfe bestehen und wie die Mitarbeiter Industrie 4.0 mitgestalten können. Dabei arbeiten wir mit den Unternehmen zusammen, um zu erfahren, wo die „Hotspots“ sind, also die Bereiche, in denen besondere Förderungen und Qualifizierungen nötig sind. In einem zweiten Schritt werden wir dann relevante Inhalte, vor allem für die Weiterbildung definieren können. Auch für die Gewerkschaften ist das Thema ganz zentral, das wurde auf dem IT-Gipfel deutlich. Ob Ingenieure, Fachkräfte oder Aushilfskräfte: Alle Beschäftigten werden künftig ganz neue Möglichkeiten bekommen, ihre Tätigkeiten werden aufgewertet. Salopp ausgedrückt werden wir in der Zukunft immer weniger Blaumänner und mehr und mehr Weißkittel in den Unternehmen haben. Für diese Arbeit der Zukunft müssen wir das Fundament legen. Das ist das Ziel unserer Kompetenzinitiative.

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel erwähnte auf dem IT-Gipfel in Hamburg eine Studie, die dem Mittelstand zu zwei Drittel Desinteresse am Thema Digitalisierung bescheinigt. Wie wollen Sie die Wirtschaft, die im Kern mittelständisch geprägt ist, ins Zeitalter von Industrie 4.0 mitnehmen?

Tatsächlich haben 20 bis 30 Prozent aller Unternehmen sich noch nicht mit Industrie 4.0 befasst und wissen deshalb auch nicht, wie sie ihre Mitarbeiter mitnehmen können. Besonders im Mittelstand müssen wir um Aufmerksamkeit für das Thema werben, das ist richtig. Im Laufe des kommenden Jahres haben wir erste Ergebnisse aus laufenden Forschungsprojekten und wissen dann besser, über welche Kanäle wir die KMUs gezielt erreichen können und wie sich aktuelle Berufsbilder möglicherweise ändern. Der Data Scientist etwa wird in Unternehmen heute schon massiv gesucht. Algorithmen zu entwickeln, die diverse digitale Einflussfaktoren für Entscheidungen einbeziehen – solche Fähigkeiten werden künftig ganz sicher sehr gefragt sein. Doch das ist erst der Anfang einer Transformation des Arbeitsmarkts. Entscheidend ist: Ohne die Menschen können die vernetzten Maschinen ihre Potenziale für die vierte industrielle Revolution nicht entwickeln.

Mehr zur Arbeitsgruppe 6: “Bildung und Forschung für die digitale Zukunft”.

Mehr zum Smart Data Integration Lab der Arbeitsgruppe 6.

Foto: EIT ICT Labs Germany GmbH

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