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IDC-Studie: Die 3 Erfolgsfaktoren für Industrie 4.0

Feature | 9. November 2015 von Andreas Schmitz 0

Industrie 4.0 wird wichtiger, die Digitalisierung spielt eine Nebenrolle, Sicherheitskonzepte fehlen: Der Status des Trends Industrie 4.0 von IDC.

Kosten runter, Umsatz rauf, Prozesse verbessern: „Alte Bekannte“ dominieren die Top-Herausforderungen in deutschen Unternehmen. Die Digitalisierung hingegen landet im Ranking weit hinten. „Besonders in den Fachbereichen sieht man die Digitalisierung nicht als Herausforderung, sondern als Mittel zum Zweck“, erläutert Mark Alexander Schulte, Analyst von IDC. Gerade mal jeder zehnte Befragte (exakt: 12 Prozent) aus der Produktion und noch weniger (neun Prozent) aus den anderen Fachbereichen sehen die Digitalisierung als wichtige Herausforderung. Schultes eindeutiger Schluss: „Das Thema wird noch unterschätzt.“

Digitale Transformation: Fachbereiche unterschätzen Digitalisierung

Vorreiter bei diesem Thema, das auch als Voraussetzung für Industrie 4.0 verstanden werden kann, spielt die IT, die sich nach IDC-Mann Schulte „intensiver mit dem Thema und den Auswirkungen auseinandersetzt“. Zudem seien IT-Experten häufiger in IoT-Kompetenzteams zu finden als ihre Kollegen aus den Fachbereichen. Entsprechend votierten sie auch dreimal so häufig für Digitalisierung als wichtige Herausforderung.

 

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„In den Use-Cases der Unternehmen geht es aktuell zumeist um die Erfassung, Überwachung und Kontrolle von Prozessen und Produkten“, erläutert IDC-Mann Mark Alexander Schulte, „und noch nicht darum, neue Geschäftsmöglichkeiten zu schaffen oder dem Kunden näher zu kommen.“

Industrie 4.0 an sich gewinnt in Deutschland dennoch an Boden: Immer mehr Unternehmen setzen sich im Vergleich zur letztjährigen Befragung mit dem Thema intensiv auseinander, und immer weniger Befragte können mit dem Begriff nicht wirklich etwas anfangen. Zwar haben sich zwei Drittel der Unternehmen mit Industrie 4.0 bereits auseinandergesetzt. Dennoch sind die wirklich aktiven Unternehmen derzeit noch in der Minderheit. Etwa 30 Prozent machen derzeit bereits Praxiserfahrungen, während die anderen noch in Vorbereitungen stecken. Zudem wird das Potenzial, das in dem Thema steckt, noch nicht ausreichend erkannt: „In den Use-Cases der Unternehmen geht es aktuell zumeist um die Erfassung, Überwachung und Kontrolle von Prozessen und Produkten“, erläutert IDC-Mann Schulte, „und noch nicht darum, neue Geschäftsmöglichkeiten zu schaffen oder dem Kunden näher zu kommen.“

Gerade hier sieht Bernd Leukert den Hebel für den geschäftlichen Erfolg in der Zukunft: „Eine Fokussierung alleine auf das einzelne Produkt reicht nicht aus, um sich vom Wettbewerb zu differenzieren“, erläutert der Vorstand von SAP auf dem diesjährigen DSAG-Kongress, „wir leben bereits in einer IoT-vernetzen Welt und müssen sicher stellen, dass die neuen Services ins Geschäftsmodell und die darunter liegenden Systeme integriert werden können.“

Noch immer jedoch sehen die Befragten die Vorteile eher in prozessualen Entwicklungen als in der Befruchtung des Geschäfts durch Industrie 4.0, wie die Studie von IDC zeigt. Neue Ideen, sich vom Wettbewerb abzusetzen und neue Umsatzquellen zu erschließen, wird von den Entscheidern noch eher selten als Vorteil erkannt. Hingegen sehen sie vor allem in der Senkung von Betriebs- und Produktionskosten, einer höheren Automatisierung und der Chance, die Produktkomplexität zu reduzieren, die wichtigsten Vorteile.

3 Faktoren entscheiden über den Erfolg von Industrie 4.0

Die Ursache dafür, dass Industrie 4.0 derzeit noch nicht breit von den Unternehmen eingesetzt wird, liegt an einigen Faktoren:

1. Technologie-Markt Industrie 4.0 zu heterogen:

Es muss eine Technologie her, die den individuellen Anforderungen der Unternehmen gerecht wird. Sie muss die Vernetzung der Geräte, den Datenfluss und die Analyse der Big Data bewältigen und zuverlässig sein. Hier sehen augenblicklich 39 Prozent der Befragten den mit Abstand wichtigsten Erfolgsfaktor. „Partnerschaften auf Seiten der Anbieter sind sehr wichtig, um etwa Technologiekompetenz aufzubauen“, meint IDC-Analyst Schulte, „Unternehmen wollen eine Komplettlösung, die ihre Ziele möglichst vollständig abdeckt.“ Der Markt im Industrie 4.0-Ökosystem ist aktuell noch sehr heterogen und hart umkämpft. Wie eine Partnerschaft aussehen kann, zeigen Siemens und SAP: Zur Cebit 2015 hatte der Mischkonzern eine Partnerschaft mit dem Walldorfer Softwarehaus besiegelt, mit dem Ziel, mit der Siemens Enterprise Cloud eine Plattform zu schaffen, die möglichst komplett die Bedürfnisse der Kunden abdeckt.

2. Fehlendes Sicherheitsbewusstsein:

Für IDC-Analyst Schulte mit die größte Überraschung und gleichzeitig auch der am zweithäufigsten genannte Erfolgsfaktor ist das Thema Sicherheit. Nicht nur, dass mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen bereits von „Sicherheitsvorfällen“ wie Manipulationen in der Fertigung, Unterbrechungen der Produktion oder Verstöße gegen Vorschriften zu berichten wussten: „Manchmal fehlte es gar am Basisschutz“, konstatiert Schulte. Für ihn gehören etwa Security by Design, Whitelisting und Trusted Computing zum Selbstverständnis. Sicherheitsstrategien schon während einer Entwicklung etwa in der Fertigung parallel zu entwickeln, nur bestimmte Befehle von einer „white list“ für eine Maschine zuzulassen oder sämtliche Komponenten einer Lieferkette auf geltende Sicherheitsstandards zu überprüfen, ist jedoch noch eher die Ausnahme als die Regel.

3. Software-Plattform für Mehrwerte:

Abgesehen von einer Unterstützung für das Thema von höchster Ebene, dem Top-Management, tauchen unter den weiteren Erfolgsfaktoren durchaus jene Themen auf, die nicht auf den vorderen Rängen der Herausforderungen zu finden waren, etwa die Forderung, Mehrwerte aus den generierten Daten zu ziehen, die Kommunikation zwischen den Maschinen zu bewältigen und die Forderung einer zentralen Software-Plattform.

Eins scheint klar zu sein: Der Erfolg von Industrie 4.0 steht und fällt mit der eingesetzten Technologie und den eingesetzten Lösungen. Die Unternehmen haben noch nicht den Eindruck, die Plattform für alle ihre Bedürfnisse gefunden zu haben und der Markt ist ihnen noch zu heterogen. Allerdings liegt hier der Schlüssel für den Erfolg mit Industrie 4.0. IDC-Mann Schulte: „Technologische Verbesserungen sind aus Sicht der Industriebetriebe der größte Hebel zur Verwirklichung von Industrie 4.0.“

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