“Wir müssen das ERP anfassen”

Feature | 10. Dezember 2012 von Paul Baur und Daniela Peifer 0

Sam Yen, ist bei der SAP verantwortlich für Design und User Experience. Er erzählt von der Wahrnehmung der Kunden. Foto: Screenshot

Die Benutzungsoberflächen der SAP-Lösungen sind ein heißes Thema – bei Kunden, aber auch unter den SAP-Kollegen. Seit September verantwortet daher Sam Yen global das Design und die User Experience der SAP-Produkte.

SAP.info: Wie haben Sie sich auf Ihre neue Aufgabe bei SAP vorbereitet?

Sam Yen: Ich bin vor acht Jahren zu SAP gekommen. Da wurde von Hasso Plattner gerade ein Team gebildet, um das Thema Design bei Kunden und Mitarbeitern besser zu verankern. Das Design-Thinking-Konzept hat hier auch seine Wurzeln. Damals war ich bei SAP einer der ersten Experten mit diesem Themenschwerpunkt – das ist einer der Gründe, warum mich die Position gereizt hat. Eigentlich liegen meine beruflichen Wurzeln in der Luft- und Raumfahrttechnik, ich war sogar eine Zeit lang bei der NASA beschäftigt. Promoviert habe ich dann aber zu Theorie und Methodik von Design an der Stanford University. Dort sind Design-Thinking-Konzepte entstanden, deshalb war ich mit dem Kontext vertraut. Zudem habe ich bereits einmal eine Firma für Unternehmenssoftware gegründet, ich kenne dadurch die Zielgruppe, weiß um die Bedeutung von Teamwork für Innovationen und bin den Umgang mit Kunden gewohnt. Außerdem weiß ich, wie man Designprinzipien und -strategien bei der Entwicklung von Unternehmenssoftware berücksichtigt.

Welches Feedback haben Ihnen die Kunden gegeben?

Meine Aufgabe ist es, bei den Kunden einen Bewusstseinswandel in Sachen Anwenderfreundlichkeit einzuleiten. Das dauert, denn über 80 Prozent der SAP-Produkte bei unseren Kunden laufen noch unter der SAP GUI. Bei neuen Anwendungen und Benutzungsoberflächen sind wir sehr flexibel, aber sie machen eben nur einen Bruchteil der derzeit genutzten SAP-Anwendungen aus. In der Wahrnehmung sind also die alten Lösungen logischerweise viel präsenter.

Unsere Kunden sagen, dass wir uns in den letzten zehn Jahren nur um die „Verpackung“ gekümmert haben – hier mal eine neue Farbe, dort eine neue Funktion. Inhalte bestmöglich nutzbar zu machen, ist dabei auf der Strecke geblieben. Hier müssen wir renovieren und modernisieren. Bei den neuen Technologien, mobile IT und Cloud, ist das einfacher. Aber den Großteil unserer Bestandskunden erreichen wir nur, wenn wir die ERP-Kernlösungen anfassen.

Auf der nächsten Seite: Sam Yens Ziele bei SAP

Was unterscheidet Ihre Agenda von früheren Initiativen in diesem Bereich?

Wir gehen die Sache sehr pragmatisch an und unterscheiden da zwei Kategorien: Unter die Erste fallen häufig genutzte, allgemeine Szenarien und Transaktionen – einfache Prozesse wie Urlaubsanträge, Workflow-Genehmigungen, Zeiterfassung, Spesenabrechnung usw. Ich schätze, Bestandskunden nutzen davon im Schnitt 25 bis 30 Stück. Diese Prozesse sind nicht geschäftskritisch, die Anwender profitieren aber von einer Verbesserung. Von Apps auf Smartphones lässt sich hierfür viel lernen.

In die andere Kategorie fallen die kundenspezifischen Szenarien. Über 40.000 Kunden nutzen die SAP Business Suite, das macht eine flächendeckende Lösung schwierig. Über das kürzlich angekündigte Tool SAP Personas erhalten Kunden nun die Möglichkeit, Szenarien auszuwählen. Sie können dann selbst ohne Programmierkenntnisse per Drag & Drop das Aussehen von SAP GUI verändern. Dazu braucht es nur PowerPoint-Grundkenntnisse.

Was haben Sie sich bei SAP-Design für Ziele gesetzt?

Design hört nicht bei der Benutzerinteraktion im User Interface auf, dies ist nur eine Facette. Durch Design-Thinking-Ansätze müssen wir den Kunden ein durchgängig besseres Erlebnis bieten, über den gesamten Lebenszyklus und an allen Schnittstellen der Kundeninteraktion.

Woraus ziehen Sie nach acht Jahren bei SAP Ihre Motivation?

Im Silicon Valley bleibt man normalerweise höchstens drei Jahre bei einer Firma. Warum ich immer noch bei der SAP bin? Die Arbeit bei einem Start-up hat mir gezeigt, dass nur der perfekte Software für Großunternehmen entwickeln kann, der weiß, wie Großunternehmen funktionieren. Die SAP bietet mir dafür die besten Möglichkeiten.

Ich glaube, dass SAP den Mitarbeitern die Chance gibt, die Wirkung ihrer Arbeit zu potenzieren. Wo sonst erreicht man so viele wichtige Kunden rund um den Globus. Mit SAP-Software halten Unternehmen die Weltwirtschaft in Schwung. Wo sonst hat man daher eine bessere Gelegenheit, die Welt zu verändern.

Zur Person

Vor seiner jetzigen Aufgabe als Verantwortlicher für Design und User Experience bei SAP leitete Sam Yen das Innovationsteam SAP App-Haus, das sich mit der Entwicklung neuer Lösungen, der Erschließung neuer Märkte und der Gewinnung neuer Anwenderkreise für die SAP befasst. Ursprünglich kam Yen als leitendes Mitglied des Design Services Teams zu SAP. Diese interdisziplinäre Gruppe hat das Ziel gesetzt, die Einführung von Design Thinking als Prozess zur Innovation und Entwicklung von internen und externen SAP-Produkten zu beschleunigen. Bevor er zu SAP stieß, war Sam Yen Mitgründer von Covigna, Inc., einem Anbieter von Vertragsmanagement-Softwarelösungen. Sam stammt aus San Francisco und hat an der Stanford-Universität in Designtheorie und -methodik promoviert.

Die Fragen stellten Daniela Peifer und Paul Baur von SAP News.

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